unvergleichlichen Daniels.
Der erste Christ-Tag lieff vorbei, es meldete sich meinetwegen niemand, deswegen nahm gelegenheit, meinen Wirt, Abends sehr spät in geheim zu sprechen, und von ihm zu erfahren: Ob er mir keine Nachricht von dem berühmten Chymico Daniel, oder seinen Consorten geben könne. Der Wirt stellte sich anfänglich sehr frembde, und animirte mich zu einer etwas deutlicherern Erklärung, worauf er endlich sagte: Habt nur Gedult, mein Herr, der Tag ist vielleicht heute zu heilig gewesen, eure Freunde werden sich wohl Morgen oder Uber-Morgen melden, inzwischen blieb er dabei, dass er weder den, von mir gerühmten Daniel noch seine Consorten kenne, oder jemahls, seines Wissens, einigen Umgang mit ihnen gehabt. Der andere Feiertag verstrich auch zu meinem grössten Leidwesen, allein am dritten bekam ich früh Morgens, von einem unbekandten Knaben folgende Zeilen eingeliefert:
Monsieur,
Mein abgeschickter Freund hat mir eures Wesens halber wahrhafften Bericht abgestattet, ich erkenne daraus, dass ihr nur noch sehr wenig Schritte von dem benebelten güldenen haus der himlischen Weissheit entfernet seid, jedoch durch die allergeringste Unbehutsamkeit, gar leichtlich in einen solchen Irr-Garten geraten könnet, worin ehe der tot als der gewünschte richtige Rück-Weg zu finden ist. Mir ist nicht erlaubt, euch weitere Nachricht zu geben als diese: Erweget denjenigen Zweck sehr wohl, wornach ihr so begierig zielet, und fraget euer Gewissen ohne Heuchelei, was geschehen soll, wenn derselbe getrofFreundes gehaltenen Reden nicht aus den gedanken fallen. Ist eure Absicht ohne Tadel, so wird euer Tun gelingen, wo nicht? so schlägt es fehl. Inzwischen habt ihr von eurem Wirt, ein versiegeltes Paqvet abzufordern, worin 500. Stück dukaten sind, die euch nach Erfahrung dessen, dass ihr unterwegs von den Räubern geplündert worden, zu einiger Recreation überreicht, und im Zweiffel stehet, ob er fernet mit euch handeln darff, dennoch aber der Pflege des höchsten Gebers aller Güter empfiehlet
euer Freund
Daniel Artista.
Ich wurde von Wehmut und Bangigkeit ganz aus mir selbst gesetzt, nachdem ich diese bedenckliche Zeitung erfahren, und die gäntzliche Rechnung zu machen hatte, dass der vortreffliche Meister Daniel mich mit seiner Conversation nicht ferner-beglückseeligen wolte, doch weil mit übrigen Sorgen und Grämen mein Schicksaal nicht verbessert werden konte; so gab mich endlich geduldig drein, foderte das Päcklein Geld von dem Wirt, welcher selbiges diesen Morgen von einem frembden Menschen empfangen zu haben vorgab, und war willens, eine Reise zu meinem GrossVater zu tun, an welchen ich nicht geschrieben, seit der Zeit ich ihm die 500. spec. dukaten aus Engelwenig Tage nach dem Feste auf die Post, und reisete fort. Indem nun einigen Umweg nahm, und zwar aus keiner andern Ursache, als einige berühmte Städte und Residenzen in Augenschein zu nehmen, fiel mir in einer derselben, da ich im Post-haus durchs Fenster guckte, von ungefähr mein ehemahliger sauberer Meister Elias nebst seinem schelmischen Consorten Elisæo in die Augen, welche ich, ungeachtet sie sich ziemlich verstellet, rote Kleider, weisse Peruquen und Tressen-Hüte trugen, augenblicklich erkandte, und bemerckte, dass sie am Marckte vor dem Laden eines Materialisten stehen blieben. Demnach fragte ich den bei mir stehenden Post-Meister, nach den Nahmen und stand dieser beiden Stutzer, und erfuhr sub rosa von ihm, dass es ein paar berühmte Laboranten wären, deren Nahmen aber er so genau nicht sagen könne. Wenige Zeit hernach kamen beide Stutzer selbst auf die Post, da ich denn die allerbeste gelegenheit hatte, selbige desto genauer zu erkennen, mich aber konnten sie nicht wahrnehmen, indem ich meine schwartze Schaaf-Peruque ganz über die Bakken gezogen, und mich in den Reise-Rock verhüllet, auf einem, im dunckeln Winckel stehenden GrossVater-Stuhl gesetzt, und eine Stellung gemacht, als ob ich schlieffe.
Sie hielten sich zu meinem Vergnügen nicht lange auf, sondern löseten ihre, auf der Post mit gekommenen Paqveter und Briefe ab, welche ein Knecht hinter ihnen her auf die Burg tragen muste, ich aber erfuhr bei solcher gelegenheit auf der Stätte, was vor erdichtete Nahmen sich diese beiden Hängens-würdigen Spitz-Buben gegeben hatten. Das Vergnügen, so mir dieses unvermutete Antreffen verursachte, läst sich nicht mit Worten ausdrücken, um aber ihnen beiden zu meiner Revange einen wichtigen Streich zu spielen, stellte ich mich an: als ob mir eine hefftige Colica die weitere Reise verböte, liess also die Post fahren, und zu meiner Verpflegung alles dienliche herbei schaffen. Gegen Abend befand ich mich vollkommen gesund, konte gut speisen, und bedaurete zum Scheine, dass die Post allbereit fort wäre, allein dem Herrn Post-Meister schien eben nicht ungelegen zu sein, dass ich 3. oder 4. Tage bei ihm auf die andere warten muste, und mir war es gleichfalls lieb, dass sich noch selbigen Abend eine Compagnie von 5. oder 6. honetten Personen zusammen, unter selbigen aber zwei Hof-Bediente fanden, die, wie ich aus ihren Gesprächen hörete, täglich sehr nahe um den LandsHerrn waren.
Das Gespräch kam endlich auf die beiden Laboranten, und da ich ihre Haupt-Streiche ausgekundschafft, und in Erfahrung gebracht: dass ein gewisser Minister von ihren Künsten gänzlich bezaubert sei, auch nicht das geringste Misstrauen in sie setzte, hergegen der meiste Hauffe, diese Kerls vor Land-Läuffer und Betrüger hielte, kartete ich mit vorerwehnten beiden Hof-Bedienten, noch