Ich gab hierauff zur Antwort, dass derjenige, nach welchem er fragte, nur vor wenig Wochen gestorben, erkannte aber auf einmal an seinem gesicht, dass dieser, einer von den zweien Passagiers, welche, nunmehr bei nahe vor einem Jahre, mit dem Daniel auf der schnellen Post davon gefahren. deswegen fing ich vor Freuden an zu zittern, zumahlen da er sich stellte, als ob er nach Anhörung so unverhoffter Zeitung, wieder Abschied nehmen wolte, jedoch auf mein inständiges Bitten liess er sichs endlich gefallen, bei mir ein Nacht-Quartier zu nehmen. Ich liess nebst dem köstlichsten Weine, die besten Delicatessen aufftragen, so nur zu haben waren, tat hernach dem Frembden, eine ausführliche Erzehlung von meines Herrn Leben und tod, hernachmahls auch von meinem eigenen Wesen, und wie weit ich es in der Kunst aller Künste gebracht hätte. Indem ich ihm das Anagramma vorlegte, vermerckte ich, dass er unter dem lesen Blutrot im gesicht wurde, letzlich aber ein klein wenig die lincke Schulter zuckte. Auf mein Befragen, was er von diesem Anagrammate urteilete, gab er diese Antwort: Mein werter Herr und Freund! verzeihet mir, ich darff gegen euch, biss auf expressen Befehl meines Meisters des Danielis Artistæ von diesen Sachen kein positives Urteil fallen, allein ich werde ihm die ganze Beschaffenheit gewissenhafft referiren. Beliebt euch nicht, versetzte ich, diesen Zeddul mit dem Anagrammate beizustecken, oder eine Abschrifft davon zu nehmen? Es ist nicht nötig, sprach er, denn bekandte Sachen lassen sich um so viel desto leichter in meinem ohnedem sehr guten Gedächtnisse erhalten. Hierauff veränderte er das Gespräch, jedoch nur in etwas, und gab mir vortreffliche Lehren, diejenige Arbeit, welche ich unter Händen hatte, mit Renomme zu absolviren. Auf Befragen aber, wie ich mich in der Haupt-Sache zu verhalten hätte, sprach er: Seid nicht so ungestüm, mein Herr, sondern erwartet die Zeit. Morgen früh werde ich euch noch einige gefällige Dienste erzeigen, voritzo aber erlaubt mir einige Stunden zu schlafen.
Es wäre eine Grobheit gewesen, den Gast weiter zu incommodiren, deswegen legten wir uns in zwei besondere Betten nieder, ich kunte vor Freude, Furcht und Warten der Dinge die kommen sollten, kein Auge zu tun, biss mein Gast, so bald der Himmel grauete, aufstund, mich gleichfalls weckte, und sich ankleidete. Nachdem verrichte er sein Morgen-Gebet kniend sehr stille am Cammer-Fenster, mittlerweile hatte ich einen glüenden Wein bereitet, von welchen er 4. oder 5. Tassen zu sich nahm, und mich nachher bat mit ihm ins Feld zu spatzieren. Ich fragte: ob er denn vielleicht schon Abschied von mir nehmen, und nicht noch einen Tag und Nacht ausruhen wolte? Seine Antwort war: Ich kan nicht länger bleiben, mein Freund, habt Danck vor euren guten willen, unterwegs auf freiem feld werde noch etwas weniges von eurem Vergnügen sprechen. Solchergestallt sah mich betrübter weise gezwungen, ihm zu gehorsamen, und auf den Weg zu begleiten, unterwegs offenbarete er mir noch verschiedene chymische treffliche Vorteile, allein wegen der Haupt-Sache blieb es darbei: dass er erstlich mit seinem Meister Daniel sprechen, und demselben meinetwegen einen Gewissenhafften Bericht abstatten müsse, worauff ich die Antwort, oder vielleicht den Meister Daniel selbst zu sprechen, bekommen sollte; wenn ich mich bemühen wolte, mich auff künfftigen ersten Christ-Tag in Cassel bei einem gewissen Gastwirt, den er mir sehr eigentlich bezeichnete, zu melden.
Also schied dieser Gast, dessen Nahmen ich nicht erfahren konte, von mir, ich ging zurück an meine Arbeit, und blieb biss zu Ende des Novembris in meiner Station, brachte alle unter der Hand gehabte massen und Mixturen so weit zu rechte, dass sie bei genauer Untersuchung nicht getadelt werden konnten, kauffte mir ein gutes Pferd und reisete darvon, ungeachtet mich der neue Patron sehr inständig zum längern dableiben animiren, und meinen Lohn um die Helffte verbessern wolte.
In Hoffnung war ich nunmehr ein sehr reicher Mensch, an baaren Gelde aber hatte doch auch so viel, dass mich in Deutschland auch an dem aller vornehmsten Orte zu etabiliren getrauen konte. Allein die Sache bekam in wenig Tagen ein ganz anderes Ansehen, denn auf der Reise nach Cassel zu, wurde ich eines Morgens gar früh, und zwar im wald, bei sehr strenger Kälte, von 4. Strassen-Räubern angehalten und genötiget, ihnen alles bei mir habende Geld, nebst andern Sachen, und so gar den Mantel-Sacke zu überlassen, denn zwei von diesen Buben setzten mir ihr aufgezogenes Gewehr in die Seiten, da inzwischen die beiden andern mein Vermögen auspresseten. Dem ungeachtet muste es vor eine besondere Gnade passiren, dass sie mir nicht allein mein Pferd, sondern auch ein klein Paquet gediehenes Gold, nicht abnahmen, welches letztere ich, ihnen unbewust, auf der Brust an einer güldenen Kette hangen hatte.
Ich machte unterwegens nicht viel Wesens von diesem mir passirten Streiche, um desto sicherer vor den Nachstellungen solcher Leute zu sein, nahm mich aber besser in acht, und reisete niemals alleine, biss ich endlich 12. Tage vor Weihnachten, die Residentz-Stadt Cassel erreichte, und mich bei dem bezeichneten Wirt einlogirte. Allda verkauffte ich mein Pferd mit Sattel und Zeug vor 62. Tlr. zehrete sehr spaarsam, und wartete mit Schmertzen, nicht so wohl auf das erfreuliche Weihnachts-fest, sondern vielmehr auf die erqvickende Gegenwart des