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besser und auffrichtiger gezeigt als mein Meister Elias Artista, welcher mich eben allhier in diesem haus vor wenig Jahren aufs allerschändlichste betrogen, und um ein schönes Stücke Geld gebracht hat. Mein Sohn! gab er zur Antwort, ihr seid sehr übel berichtet, denn der wahrhaffte Elias Artista, welcher mein eigener Lehr-Meister gewesen, ist bereits vor etliche 20. Jahren den Weg aller Welt gegangen, und von mir in aller Stille, auf sein eigenes Verlangen, an einen solchen Ort begraben worden, den ausser mir kein Mensch auf der ganzen Welt weiss. Ich weiss aber wohl, dass sich seit vielen Jahren, ein anderer Elias Artista gezeiget, und vorgegeben hat, wie er eben derselbe sei, der sich durch die Krafft und Tugend seines philosophischen Steins, biss zu so hohen Alter gebracht hätte, allein der Kerl ist ein Spitzbube und Leute-Betrieger, ich kenne ihn so wohl als seine Eltern, er ist kein Holländer von Geburt, wovor er sich ausgiebt, sondern ein Deutscher, (hierbei sagte mir der redliche Gast, auf mein Bitten, die Geburts-Stadt, und alle andern Uhrkunden des verteuffelten Spitzbubens, welches ich alles sehr eigentlich anmerckte,) Elisæus sein Diener aber, ein getauffter Jude, es wäre mir an verschiedenen Orten ein leichtes, ihm seine Tücken auffzudecken; allein wieder meinen Beruff gewesen, denn die Liebe muss allezeit von sich selbst anfangen. Seine verzweiffelt gespielten Streiche sind ausserordentlich bosshafft und guten teils lächerlich, ich aber bemühe mich gar selten daran zu gedencken. Hierauff erzehlete ich unserm gast so kurz als möglich, welchergestallt ich von dem falschen Elia und Elisæo hintergangen worden, wünschte letzlich aber nichts mehr, als zu wissen wie es zugegangen wäre, dass er mich so wahrscheinlich mit der ersten probe, seines darvor ausgegebenen Weisen-Steins, übertäuben können. Mein Freund, sprach der Gast hierauff, es ist zu verwundern, dass euch die Spitzbuben ihre Künste nicht gelernet, ihr müsset ihnen in Wahrheit zu ehrlich und einfältig geschienen haben, ich wolte euch sehr viele von ihren subtilen Taschen-Spieler-Künsten auffdecken, allein voritzo leidet es die Zeit nicht, doch was die Art anbelanget, mit welcher euch der falsche Elias betöret hat, so wisset, dass er seine Schmeltz-Tiegel, worin er die probe machen will, dergestallt zurichtet, dass auf dem inwendigen Boden derselben, nach proportion der Grösse des Tiegels, 2. 4. 6. auch wohl mehr Loht reines Gold-Staubs zu liegen kommt, nachher überziehet er selbst den Tiegel mit einer undurchsichtigen Lasur, die sich in starcken Feuer verzehret, das Blei, so er in den Tiegel zu legen befiehlet, muss ebenfalls verbrannt und verzehret werden, so dann kan ohne seinen betrüglichen Stein, das verborgen gewesene Gold, welches in der Glut, von natur am Gewichte und Güte nichts fallen läst, zum vorscheine kommen, setzt ihm aber jemand einen andern Tiegel vor, so weiss er seine Streiche schon dermassen einzurichten, dass selbiger unfehlbar zerspringen muss. Ach! schrye der gute Gast hierauff, die Welt will betrogen sein, mit euch als einem zu der Zeit Unerfahrnen nimt es mich wenig Wunder, allein unter so vielen Europäischen Liebhabern dieser Kunst, sind seit etlichen Seculis, schon so unzählig viele betrogen worden, und dennoch lassen es sich die wenigsten nicht ehe zur Warnung dienen, biss sie den Betrug nicht nur mit Augen sehen, sondern mit Händen greiffen, und die Nach-Wehen in ihren Geld-Kasten fühlen können.

Ich hatte nicht Zeit hierauff zu Antworten, vielvielweniger meine Flüche über den falschen Eliam und alle andere spitzbübischen Gold-Macher auszustossen, denn mein Principal kam darzwischen und führte den Gast aufs freie Feld spatzieren, und zwar einen solchen Weg, den der Gast selbst erwehlete, ich hatte die erlaubnis neben ihnen her zu gehen, und vortreffliche Lehren aus ihren erbaulichen Gesprächen zu ziehen. Indem wir nun ungefähr eine Stunde von unserer wohnung entfernet waren, kam seitwärts in der Land-Strasse eine schneller Post-Wagen gefahren, auf welchen zwei Passagiers sassen. Unser Gast schien nicht darauff achtung zu haben, ging aber etwas auf die Seite, als ob er andere Verrichtungen hätte; allein er zohe ein Blat Pappier aus dem Busen, legte ein kleines Buch auf das Knie, beschrieb das Blat mit Bleistiffte, legte ein ander Pappierlein hinein, rollete es zusammen, und behielts in der Hand. Mein Principal und ich, stunden und warteten auf seine Wiederkunfft, mittlerweile kam auch der PostWagen sehr nahe, und hielt zu unserer Verwunderung stille. So bald aber der Gast zurück kam, umarmete und küssete er so wohl mich als meinen Principal, und sprach: Meine Freunde! seid bedanckt vor die mir angetane Ehre, ich sehe mich vor dieses mahl gezwungen von euch zu scheiden, beurteilet mich ohne trifftige Ursachen zu keinem Verbrechen, überlegt diese meine Schrifft aufs allergenauste, der Himmel segne euch, dass ihr vergnügt leben möget, biss wir uns vielleicht, so GOTT will, bald wieder sehen. Unter diesen Worten gab er meinem Principal das zusammen gelegte Pappier in die Hand, wartete auf keine Antwort, sondern ging ganz hurtig nach dem Wagen zu, und fuhr in gröster Geschwindigkeit davon. Wir beide blieben als ein paar geschnitzte Bilder auf unsern Stellen so lange ganz unbeweglich stehen, biss der Wagen gänzlich aus unserm gesicht verschwunden war, ja ich glaube wir hätten uns noch in langer Zeit nicht geregt, wenn nicht ein von ferne