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auf eurem redlichen herzen liegt, ich versichere bei GOtt, dass ich solches nach seinen Würden belohnen werde. Hierauf erzehlte ich ihm die verdammten Anschläge meines Compagnons, nebst meiner eigenen Lebens-Geschicht, worüber dieser Herr in eine besondere Erstaunung geriet, mich aber letztlich umarmete, und bat, ich möchte nur auf alles fleissig Acht haben, ihm richtigen Rapport abstatten, an seiner Erkänntlichkeit aber nicht den geringsten Zweiffel tragen.

Ich versprach darbei, binnen wenig Wochen, die, an meinen Augspurgischen Gross-Vater übermachten Gelder, nebst denen, so ich noch bei mir hätte, wieder zurück zu liefern, weil ich so übel erworbenes Gut unmöglich behalten könnte, allein der Principal widersetzte sich diesem Anerbieten, und versprach: noch über dieses, mich mit einem guten Præsent zu begnadigen, wenn ich ferner redlich handeln würde.

Mein Compagnon stellte sich wieder ein, setzte ein völliges Vertrauen auf meine Treue, deutlich aber zu sagen, so hielt er mich vor einen nicht viel geringern Spitz-Buben als sich selbst, die Tinctur wurde abermals zur vermeintlichen Perfection gebracht, er tat den Einsatz von 3. Untzen Blei, in des Principals Gegenwart bei späten Abend, der Principal muste den Beisatz der Tinctur selbsten tun, hernachmahls das Laboratorium abermals verschliessen und versiegeln, damit es die Nacht über ungestöhrt digeriren könne. Der künstliche Meister trat in den Mitternachts-Stunden, da alles, seinem Bedüncken nach, im festen Schlaffe lag, die Fahrt durch den Schorrnstein an, schüttete die unnützen Sachen aus dem Tiegel heraus, legte davor 3. Untzen gutes Gold hinnein, allein der Principal, dem ich das verabredete Zeichen gegeben, hatte nicht nur durch ein verborgenes Loch alle seine Hand-Griffe selbst in Augenschein genommen, sondern über dieses das Seil, durch einen Bedienten, ganz gelinde zurück hinauf ziehen lassen, also stack die Maus in der Falle, und muste im Laboratorio pausiren, biss der Tag anbrach, da endlich der Principal die Siegel und Schlösser eröffnete, den SpitzBuben in schwere Ketten schlagen, und in das tieffste gefängnis werffen liess.

Wie es ihm ferner ergangen, weiss ich nicht zu sagen, denn ich bekam wenige Tage darauf meine Abfertigung mit 100. spec. dukaten, über alles dasjenige Geschenck, was ich vorher empfangen hatte, und reise damit nach London, des willens, ehestens zurück nach Holland zu gehen, und den Eliam und Elisæum aufzusuchen. Zweimahl war ich nun solchergestalt sehr hässlich angeführet worden, hätte deswegen die gröste Ursache gehabt, diesen betrüglichen Künsten auf ewig abzuschweren; allein, ich liess mich von einem Ertz-Betrüger aufs neue fangen, mit ihm und noch zwei andern bei einer sehr vornehmen Englischen Witt-Frau in Bestallung zu treten. Dieser Schelm, welcher sich Renard nennete, hatte einen nicht weniger abgefeimten Spitzbuben zu seinem Vertrauten bei sich, der ein Italiæner von Geburt sein, und Merillo heissen wolte. Ein Kerl von schlechter Erfahrung doch grossen Prahlen und Windmachen, war der dritte, und meine eigene person der vierdte, bei dieser löblichen Gesellschafft. Renard und Merillo, verfertigten binnen Jahr und Tag ein rotes, wie auch ein schwartzes Pulver, und gebrauchten das erstere aus Blei Gold, das letztere aber aus Kupffer Silber zu machen, legten auch verschiedene Proben, zu der Dame allergrösten Vergnügen, damit ab, so dass sie sich endlich kein Bedencken nahm, ihnen beiden 50000. Tlr. zu zahlen, um das Werck en gros anzufangen, allein Renard und Merillo nahmen das Geld und begaben sich auf die Flucht, der letztere ist mit etlichen 1000. Tlr. glücklich durchgekommen, und wie ich nachher erfahren, laborirt er an einem vornehmen deutschen hof sehr scharff, Renard aber wurde auffgecapert zurück gebracht, und muste nolens volens am Galgen zappeln, weil seine rot und schwartzen Pulver nicht allein betrüglich erfunden, sondern auch an statt der 50000. Tlr. nur vor 20. tausend Taler Wechsel-Briefe bei ihm angetroffen wurden. Mein annoch übriger Compagnon und ich, hatten vom Glück zu sagen, dass wir dem Stricke, oder wenigstens der Stäupung entgingen, ungeachtet ich sonderlich, mich der Spitzbüberei im geringsten nicht teilhafftig gemacht, sondern mein Brod mit täglichen redlichen arbeiten wohl verdienet hatte. Allein die Dame war ungemein erbittert, jagte uns beide zum haus hinaus, behielt alle unsere Sachen, gab aber endlich doch mir, von den meinigen auf allerkläglichstes Flehen, noch 50. spec. dukaten auf die Reise.

Was war zu tun? einen Process gegen eine solche hohe person anzustellen, schien mir eine lächerliche Sache zu sein, von kahlen 50. Duc. konte in Engelland nicht lange zehren, deswegen setzte mich zu Schiffe, und ging zurück nach Holland, an denjenigen Ort, wo ich meinen Eliam zuletzt gesehen hatte. Daselbst traff ich zwar eben das Laboratorium, jedoch einen ganz andern Hausswirt, ingleichen ganz frembden Laboranten an, kein Mensch wolte weder von Elia, noch vom Elisæo etwas wissen, doch war der Meister von den Laboranten, nachdem er mein Malheur erfahren, so gütig, mir Condition, freie Kost, und Wöchentlich einen spec. dukaten Lohn, zu geben.

Selbiges war ein sehr frommer und gelehrter Mann, der die köstlichsten Artzneien bereitete, ausserdem aber auch sehr eiffrig das grosse philosophische geheimnis zu erfinden suchte, jedoch auf eine weit vernünfftigere Art, als alle diejenigen, so ich bisshero gesehen. Ich war so glücklich binnen weniger Zeit, mich in seine völlige Gunst zu setzen, denn weil er in