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Schiffer unserer mit einem leichten Jagd-Schiffe wartete, uns einnahm, und mit vollen Seegeln nach Bon air zu eilete. Daselbst landeten wir ohne einig auszustehende Gefahr an, man wolte uns zwar anfänglich das Aussteigen nicht vergönnen, jedoch, so bald ich mich melden liess, und erkannt wurde, war die Freude bei einigen guten Freunden und Bekandten unbeschreiblich, welche dieselben über mein Leben und glückliche Wiederkunfft bezeigten. Denn man hatte mich nun seit etlichen Jahren längst vor tot gehalten.

Monsieur van der Baar, mein ganz besonderer Freund, und ehemaliger schiffes-Quartier-Meister, war Vice Gouverneur daselbst, und liess mir, vor mich und meine Liebste, sogleich ein fein erbautes haus einräumen, nach etlichen Tagen aber, so bald wir uns nur ein wenig eingerichtet, muste uns einer von den zwei daselbst befindlichen Holländischen Priestern ehelich zusammen geben. Ich liess auf mehr als 50. Personen eine, nach dasiger Beschaffenheit, recht kostbare Mahlzeit zurichten, vor alle andern aber, auch so gar vor die Indianischen Familien, weiss Brod, Fleisch, Wein und ander stark Geträncke austeilen, damit sich nebst mir, jederman zu erfreuen einige ursache haben möchte. Der Vice-Gouverneur liess mir zu Ehren, beim Gesundheit Trincken, die Stücken auf den Batterien tapffer abfeuren, damit auch andere Insulaner hören möchten, dass in selbiger Gegend etwas Besonderes vorginge, kurz, wir lebten etliche Tage, auf meine Kosten rechtschaffen lustig. Meine nunmehrige Ehe-Liebste, die Donna Salome, war so hertzlich vergnügt mit mir, als ich mit ihr, indem ich nun erst in ihren süssen Umarmungen empfand, was rechtschaffene Liebe sei. Es sollte mancher vermeinen, ich würde am allerersten nach meinen vergrabenen Schätzen gelauffen sein, allein ich bin warhafftig so gelassen gewesen, und habe dieselbe erst 8. Tage nach unserer Hochzeit gesucht, auch ohnversehrt glücklich wieder gefunden, und meiner Liebste dieselben in der Stille gezeiget. Sie erstaunete darüber, indem sie mich nimmermehr so reich geschätzt, nunmehr aber merckte, dass sie sich an keinen BettelMann verheiratet habe, und deswegen vollkommen zufrieden war, ungeachtet ich ihr offenbarete, dass ich kein Edelmann, sondern nur aus Bürgerlichen stand sei.

Vier monat nach meiner glücklichen Wiederkunfft, nachdem wir unsere Hausshaltung in vortrefflichen Stand gesetzt, hatte ich die Freude, meinen alten kapitän zu umarmen, welcher eben aus Holland wieder zurück kam, und nicht allein die Confirmation über seine Gouverneur-Charge, sondern auch weit wichtigere Vollmachten, nebst vielen höchst-nötigen Dingen, in 3. Schiffen mit brachte. Er erzehlete mir, dass, nach der Versicherung meines Todes, er alsofort mein zurückgelassenes Vermögen durch redliche und teils gegenwärtige Personen taxiren lassen, welches sich auf 6. tausend Tlr. wert belauffen, hiervon habe er meinem jüngern Bruder, den er nach Amsterdam zu sich verschrieben, vor ihn und das andere Geschwister 5000. Tlr. gezahlet, ein tausend aber vor sich selbst zur Erbschafft, vor die meinetwegen gehabte Mühe, behalten, welche er mir aber nunmehr, da er die Freude hätte, mich wieder zu finden, gedoppelt bezahlen wolte; Allein, ich hatte eine solche Freude über seine Redlichkeit, dass ich ihn beschwur, hiervon nichts zu gedencken, indem ich, weil ich vergnügt wäre, mich reich genug zu sein schätze, und wohl wüste, dass ihm selbst ein noch weit mehreres schuldig sei.

Wir lebten nachher in der schönsten Einträchtigkeit beisammen, Monsieur van der Baar muste mit 50. Mannen, und allerhand ihm zugegebenen notdürfftigen Sachen, eine andere kleine Insul bevölkkern, ich aber wurde an dessen Statt Vice-Gouverneur, und war fast nicht mehr willens, in Zukunfft auf Frei-Beuterei auszugehen, sondern, bei meiner Liebens-würdigen Salome, mein Leben in Ruhe zuzubringen, wie denn dieselbe ihr Verlangen nach Europa gänzlich fahren liess, und nichts mehr wünschte, als in meiner beständigen Gegenwart Lebens-lang auf dieser Insul zu bleiben. Allein, o Jammer! mein innigliches Vergnügen währete nicht lange, denn da meine Hertz-allerliebste Ehe-Frau im zehenden monat nach unserer Copulation durch eine entsetzliche schwere Geburt eine tote Tochter zur Welt gebracht hatte, vermerckte sie bald darauf die Anzeigungen ihres eigenen herran nahenden Todes. Sie hatte sich schon seit etlichen Wochen mit den Predigern, der Religion wegen, fast täglich unterredet, und alle unsere Glaubens-Articul wohl gefasset, nahm deswegen aus hertzlichen Verlangen nach dem heiligen Abendmahle die Protestantische Religion an, und starb folgenden Tages sanfft und seelig.

Ich mag meinen Schmertzen, den ich damahls empfunden, in Gegenwart anderer voritzo nicht erneuern, sondern will nur so viel sagen, dass ich fast nicht zu trösten war, und in beständiger Tieffsinnigkeit nirgends Ruhe zu suchen wuste, als auf dem grab meiner Liebsten, welches ich mit einem ziemlich wohl ausgearbeiteten Steine bedeckte und mit eigener Hand folgende Zeilen darauf meisselte: Hier liegt ein schöner Raub, den mir der tot

geraubt,

Nachdem der Freiheits-Raub den liebes-Raub

erlaubt.

Es ist ein seelig Weib. Wer raubt ihr diesen Orden? Doch ich, als Wittber, bin ein Raub des Kummers

worden.

Unten drunter meisselte ich fernere Nachricht von ihrer und meiner person, nebst der Jahr-Zahl, ein, um die Curiosität der Nachkommen zu vergnügen, ich hergegen wuste weiter fast nichts mehr von einigen Vergnügen in der Welt, ward daher schlüssig, wieder nach Europa zu gehen, um zu versuchen, ob ich daselbst, als in der alten