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ausgeforschet, auch meine Gold-Platten probiret hatte, zeigte er mir den offenbaren Betrug, dass nämlich unter allen meinen 8. Platten, kaum vor 8. dukaten Gold zu finden, ich auch unter ein paar hocherfahrne, aber dabei Spitz-Bübische Laboranten geraten wäre, die mich mit meinem Braten-Fette ein wenig betreuffelt, den Braten selbst aber, nämlich mein schönes Geld, listiger weise entwendet hätten. Doch unverzagt, mein lieber Lands-Mann, sprach dieser mein neuer Freund, der sich Meschner nennete, und vor einen Pfältzer ausgab, wo ihr Lust habt, eure Kunst, Geld und andere Haabe mit mir zusammen zu setzen, so weiss ich etliche Tage-Reise von London, einen solchen Herrn anzutreffen, der uns Vorschuss genug tun soll, den Lapidem Philosophorum auszufinden. Man saget sonst im gemeinem Sprüchworte: Wer gerne tantzt, dem ist leicht gepfiffen, also erging es auch mit mir, denn ich nahm augenblicklich das Erbieten dieses redlichen Mannes an, und reisete mit ihm fort. Es gefiel mir, dass er sich vor den Meister und mich nur vor seinen Handlanger ausgab, also erlangeten wir in wenig Wochen eine vortreffliche Condition, laborirten aufs fleissigste, biss endlich der so genannte Meister, binnen andertalben Jahren eine Untze Tinctur zu wege brachte, mit welcher er in der probe, vor des Principals Augen drittehalb Untzen Blei in Gold verwandelte. Vor dieses Experiment erhielten wir beide 500. Stück spec. dukaten zum Gratial. Der Meister machte ein neues Feuer an, und versprach, die probe binnen 6. Monaten erstlich noch einmal im Kleinen zu machen, brachte es auch glücklich zu wege, ich aber wuste noch zur Zeit nicht, wie es zuginge, denn mein Compagnon schien nicht mehr so aufrichtig als anfangs, zu sein, ungeachtet er mir von dem andern Gratial, welches in 1000. spec. dukaten bestund, ebenfalls die redliche Helffte gegeben, so, dass ich nun wiederum ein Capital von mehr als 800. dukaten, nebst andern seinen Sachen vor mich gesammlet, und davon 500. dukaten an meinen Gross-Vater per Wechsel übermacht hatte. Nun sollte es auf den grossen Haupt-Einsatz loss gehen, worzu der Meister 12000. spec. dukaten verlangete, weil aber der Principal diese Gelder allererst binnen 3. Monaten zu heben hatte, so befahl er uns den Process im Kleinen, indessen noch einmal zu machen, als worzu der Meister nun nicht mehr als 6. Wochen Zeit zu gebrauchen, sich rühmete. Es wurde demnach zum dritten mahle angefangen, mein Compagnon aber tractirte ein und andere Dinge vor mir dergestalt heimlich, dass ich mich endlich hefftig mit ihm zu zancken und vorzuwerffen anfieng, wie er allem Ansehen nach, mich, in der Kunst zu betrügen, vorhabens sei. Endlich brach er loss, und vielleicht nur darum, weil er sich mehr vor meiner Stärcke und Hertzhafftigkeit, als dem übel-verdorbenen verstand fürchtete, und beichtete aus: dass er es vor eine, uns unmögliche Sache hielte, das Arcanum Philosophicum magnum zu finden, immittelst weil er allhier ein Mittel sähe, uns beiden auf listige Art ein solches Stücke Geldes zu verschaffen, wovon wir Zeit Lebens hinlängliche Zehrung nehmen könnten, hätte er allen seinen Verstand angewendet, die Sache auf einen guten Fuss zu setzen.

Und also erfuhr ich aus offenhertziger Erzehlung: dass mein Compagnon ein Spitz-Bube sei, der des Nachts mit gröster Lebens-Gefahr sich an einem Seile durch den Schorrnstein in das Laboratorium, welches der Principal jederzeit selbst verschloss und versiegelte, hinunter liess, die unanständigen Materialien aus den Gefässen heraus- und davor hinein schüttete, was ihm beliebte, und zu seinem Betruge dienlich war. Ich erstaunete gewaltig über dergleichen Bossheit, liess mich aber gegen ihm nichts mercken, sondern forschete mit aller verstellten Treuhertzigkeit so lange, biss er gestund: dass sein völliger Vorsatz wäre, mit den zu hoffen habenden 12000. dukaten nebst mir nach Franckreich, Spanien oder Portugall zu seegeln. Meine Redlichkeit und der Abscheu vor dem Diebstahle war noch nicht erstorben, weil auch über dieses bei so desperaten Unternehmen, der Galgen immerfort vor meinen Augen schwebete, überlegte ich die ganze Sache etliche Tage und Nachte lang sehr wohl. Den Compagnon zu bekehren, schien eine vergebliche Sache zu sein, von dem, durch Spitz-Büberei erworbenen Gelde, hatte ich selbst schon eine starcke Summe participiret, deswegen fassete den Schluss, mein Gewissen und hände zu reinigen, und dem Principal, der ein sehr gütiger Herr war, vor fernern Unglück zu warnen. Zu allem Glücke wurde mein Compagnon nach London verschickt, deswegen ergriff ich die schöne gelegenheit mit beiden Händen, und redete den Principal, welcher selbigen Tages ungemein vergnügt zu sein schien, folgendergestalt an: Edler Herr! ich befinde mich, vor die viele genossene Gnade, schuldig, euch vor einem grossen Unglück zu warnen, worein ihr von einem eurer Bedienten, vielleicht in kurtzen gestürtzt werden könnet, jedoch weil dem Ubel annoch vorzubauen ist, so habt die Gnade, mir zu versprechen: dass ihr den Ubeltäter nicht am Leben straffen, sondern ihn nach euren Gefallen nur in solchen erleidlichen Stand setzen wollet, euch und keinem andern redlichen mann mehr zu schaden.

Der Principal verwandelte seine Farbe ziemlich, über diesen meinen unverhofften Vortrag, erhölte sich aber bald, nahm mich mit in sein geheimes Zimmer, præsentirte mir einen Stuhl, und sagte: Eröffnet mir, mein Freund, das geheimnis, so