von dem erstern einen Brieff, worin er mir mit grossen Schmeicheleien berichtete, dass er wichtiger Ursachen wegen die Reise nach Amsterdam fortsetzen müssen, also sollte ich mich nicht säumen, aufs eiligste nachzukommen, die ausgearbeiteten Sachen aber, an ihren Orte wohl verschlossen stehen lassen, weil er Elisæum unterwegs angetroffen und mit sich genommen hätte. Wer war hurtiger als ich, mich auf die Reise nach Amsterdam zu begeben, und dennoch kam ich um drei Tage zu späte, weil in dem angewiesenen Logis einen Brief von dem Elia fande, worin er mit sehr ungeduldigen Ausdrückungen beteurete: dass er ohnmöglich länger auf mich warten können, sondern sich genötigt befunden, die Reise nach London in Engelland aufs eiligste anzutreten, ich möchte demnach, so lieb mir alle meine Wohlfart sei, ihm auch dahin folgen, in einem gewissen haus nach ihm fragen, doch sollte ich mich ja hüten, ihn Eliam Artistam, sondern an statt dessen, Curt van Delfft zu nennen. Ich kam sehr geschwind nach London über, traff in dem bezeichneten haus zwar verschiedene Leute an, die ich mit guten Gewissen vor Laboranten oder Adeptos halten konte, bekam aber unter ihnen weder meinen Eliam noch Elisæum zu gesicht, und da ich nach dem Curt van Delfft fragte, machten alle zusammen grosse Augen, bekannten auch, dass sie zwar sehr viel von dem Curt van Delfft gehöret, selbigen aber zu sehen das Glück noch niemals gehabt. Wer mir im haus vorkam, den fragte ich so gut als es die Vermischung allerlei Sprachen zuliess, nach dem Curt van Delfft, biss mich endlich der Wirt durch einen Dollmetscher abhören liess, was ich von dem Curt van Delfft haben wolte. Ich gab vor, dass derselbe mein grosser Freund sei, mit dem ich seit einiger Zeit starcken Verkehr gehabt, und dass er mich aus Holland an diesen Ort und in dieses haus beruffen, mitin bereits da sein, oder doch bald anhero kommen müste. Hieraf liess mir der Wirt sagen, wenn die Sachen eine solche Bewandniss hätten, möchte ich nur eine eintzige Stunde Gedult haben, indessen ein Glass Wein trincken, er wolte den Curt van Delfft so gleich aufsuchen lassen. Ich liess mir solches gefallen, und mich so lange bei der Nase herum führen, biss es finstere Nacht wurde, endlich liess mich der Wirt in ein Zimmer seines Hinter-Gebäudes ruffen, mit dem Bedeuten: dass sich mein Freund schon daselbst befände. Aber, ach Himmel! kaum hatte mein Fuss die Schwelle des Zimmers überschritten, da mich etliche gewaffnete Leute überfielen, zu Boden warffen, meine hände und Füsse mit grässlichen eisernen Ketten belegten, und also gerades Weges, in eins von den allerschlimmsten Gefängnisse schleppten. Hier hatte ich Zeit genug, nachzugrübeln, warum man doch so unbarmhertzig mit mir umgehen möchte, indem ich mich keines Haupt-Verbrechens schuldig wuste, denn binnen 3. Wochen kam kein anderer Mensch zu mir, als derjenige, welcher täglich einmal wasser und Brod zu meiner Nahrung brachte, und auf mein jämmerliches Klagen in gebrochener Holländischer Sprache nichts anders zur Antwort gab: als dass man in Engelland die Spitz-Buben nicht anders zu tractiren pflege. Ich will mich bei dieser kläglichen Begebenheit nicht lange aufhalten, sondern um sagen, dass zur selbigen Zeit ein beruffener Spitz-Bube in der Welt herum flanquirte, der sich bald diesen, bald jenen, unter andern aber auch den Nahmen Curt van Delfft beigelegt hatte. Vor dessen Complicen mich zu erkennen, hatten die Herrn Engelländer die allergröste Ursache, da ich mich selbst gerühmt mit ihm in genauer Bekandtschafft zu stehen. So bald ich demnach zum Verhör kam, wurden mir die allererschröcklichsten und empfindlichsten fragen vorgelegt, und weil die Antwort darauf nicht nach der Richter Verlangen ausschlug, fiengen sie sehr frühzeitig von der Tortur zu schwatzen an, da nun solchergestalt das wasser biss an die Seele ging, konte ich nicht umhin, meinen ganzen Lebens-Lauff, so viel nämlich davon zu meiner Verteidigung nötig achtete, zu erzehlen, welches aber dennoch die Richter vor ein erdichtetes Werck hielten, und mich ganz gewiss in den elendesten Zustand gesetzt hätten, wenn sich zu meinem Glücke nicht unvermutet ein reicher Correspondent meines GrossVaters ins Mittel geschlagen, Caution vor mich gemacht, und endlich die ganze Sache zu meinem Vorteile ausgeführet hätte.
Wer sollte wohl zweiffeln, dass ich den Eliam so wohl als Elisæum nunmehr würde vor Spitz-Buben gehalten haben? Aber weit gefehlt, im Gegenteil glaubte ich dennoch steiff und feste, dass Elias ein ehrlicher Mann, und nunmehr schon wieder ein vollkommener Goldmacher sei, ich glaubte auch, dass ihm vielleicht der berüchtigte Spitz-Bube den Nahmen Curt van Delfft abgeborgt, dass Elias entweder schon in London sei, und vielleicht von meinem Unglück nichts wisse, oder dass er bald kommen, oder wenigstens, mir weitere schrifftliche Nachricht von seinem Auffentalt geben würde, woferne ihn nicht ein und andere wichtige Umstände noch eine Zeitlang daran verhinderten. Jedoch mein Hoffen war ganzer 6. monat vergebens, ungeachtet ich in demjenigen haus, wo er mich zu meinem Unglücke hingewiesen, beständig logirte, und alle Tage wohl hundert mahl nach ihm umsahe. Mittlerzeit aber geriet ich mit einem andern Adepto in Kundschafft, welcher die Redlichkeit selbst zu sein schien, dieser verwunderte sich nicht wenig über meine Erfahrenheit in der Alchymie, und bekennete: dass ich keinen ungeschickten Lehrer müsse gehabt haben, nachdem er mich aber endlich ganz und gar treuhertzig gemacht, und das geheimnis von dem Elisæo und Elia