fragte hierauf Mons. Plager, indem er einen kleinen Absatz seiner Erzehlung gemacht, und einige Erfrischungen vor seine Gäste herbei gebracht hatte, sollten dergleichen Redens-Arten eines durchteuffelten Menschen, nicht kräfftig genug sein, einen betörten Kerl, wie ich damahls war, vollends ganz närrisch zu machen? Ich muss bekennen, dass selbige von mir mit solcher Attention angehöret und erwogen wurden, als ob sie vom Himmel herab geredet würden, denn mein Gehirne war mit der allerstärcksten Hoffnung, in wenig Monaten ein vollkommner Gold-Macher zu sein, dergestalt angefüllet, dass wenig andere vernünfftige gedanken oder Beurteilungs-Kräffte darinnen Platz hatten. Wir laborirten indessen immer drauf loss, warteten aber mit Schmertzen auf des Elisæi Zurückkunfft, Elias reisete zwar auch zuweilen 3. 4. biss 8. Tage hinweg, kam aber immer mit allerhand Materialien und andern leckerhafften Sachen zurücke, welche Kosten doch alle aus meinem Beutel bezahlet werden mussten, weil Elias sein ungemüntztes Gold nicht ehe verwechseln wolte, biss es die höchste Not erforderte.
Eines Tages aber fiel mir ein verzweiffelt schändlicher Streich in die Augen, denn da ich Nachmittags des Eliæ Cammer-Tür eröffnete, traff ich denselben in dem ärgerlichsten Zustande, mit einer liederlichen Schand-Metze auf seiner Schlaff-Stätte liegend an. Dass ich über diesen heiligen Mann grausam erschrokken sein müsse, ist leicht zu erachten, jedoch ich machte die Tür so gleich wieder zu, wünschte, dass selbige nicht eröffnet worden, ging in den Garten, legte mich unter einen grünen Baum, und verfiel über diese Affaire in ein sehr tieffes Nachsinnen. Bald darauf kam Elias zu mir, und sagte mit ganz unpassionirten Gebärden: Mein Sohn, der Geist hat mir eingegeben, dass ihr euch in dieser Stunde zum ersten mahle an meinem Wesen geärgert habt, deswegen ist mir auferlegt, euch eines bessern zu unterrichten. Wisset demnach, dass dergleichen Handlung, als ich anitzo mit einer Weibs-person gepflogen, demjenigen leib, dessen Seele bereits in der Vergötterung stehet, nicht zur Unfläterei und Sünde zugerechnet wird, sondern dieser Auswurff ist in keine andere Betrachtung zu ziehen, als die übrigen natürlichen Auswürffe des Unflats, Urins, Schweisses und des Speichels, diejenigen Lüste auch, so darbei empfunden werden, gehen eintzig und allein den Leib, im geringsten aber nicht die Seele an. Mit unwiedergebohrnen Leuten aber, deren Seelen noch in keiner Vergötterung stehen, hat es eine ganz andere Beschaffenheit, denn weil deren Seele, mit dem leib zugleich, teil an den Lüsten nimmt, so gereicht es dem ganzen Menschen zur Schande, Unfläterei und straffbarer Sünde. Der tausende Mensch kan dieses nicht recht begreiffen, ihr aber, mein Sohn, sollet hinführo noch mehr sichere Gründe dessfalls erfahren.
Mein GOtt! rieff Mons. Plager aus, hätte ich nicht gleich mercken sollen, dass dieses eine der allerverfluchtesten Teuffels-Lehren sei, welche schnurstracks wider die heilige Göttl. Schrifft lieffe, zumahlen ich als ein guter Luteraner kein Frembdling in der Bibel und der reinen Augspurgischen Confession war. Allein der Satan verblendete auf GOttes Verhängniss unfehlbar meine Augen, verstopffte meine Ohren vor der stimme des heiligen Geistes, und verfinsterte meinen Verstand dergestalt, dass ich einem verfluchten Ketzer mehr glaubte, als allen dem, was ich von Jugend auf aus dem Worte GOttes gelernet hatte.
Ich dancke GOtt tausendmahl, der mich hernach noch zu rechter Zeit aus diesen verdammlichen Irrtümern gerissen, und will nicht weiter an diejenigen Greuel gedencken, die ich noch von dem schändlichen Elia anzuführen wüste, deren mich aber doch, GOtt sei gelobt, nicht selbst teilhafftig gemacht, sondern immer einen geheimen Abscheu dargegen gehegt habe. Hergegen will ich erzehlen, welchergestalt ich armer Schöps endlich von ihm betrogen worden.
Elisæus kam wieder zu uns, und also wurde das Laboriren mit aller Gewalt fortgesetzt, so, dass ich mich zu Ende des Jahres ein starcker Chymicus zu sein bedüncken liess. Elias zeigte mir nunmehr seine verfluchten Hirn-Geburten im lebendigen Feuer, nämlich den neuen jungen Oelbaum, des Plutonis wohnung, den Cerberum und den Herculem auf den Scheiter-Hauffen, es war ihm aber ein leichtes, mich zum völligen leichtgläubigen Narren zu machen, weil ich Zeit Lebens wenig oder gar nichts vom Laboriren gesehen als bei ihm. In den letzten Tagen des Jahres, muste Elisæus vor mein Geld eine neue Reise antreten, mit dem Befehl, aufs längste in einem Monate wieder zu kommen, weil Elias so dann den Anfang machen wolte, die Terram virgineam catolicam circuliren zu lassen, und den Philosophischen König aus seinem grab herauf zu holen: Zwei Wochen hernach nahm Elias ebenfals eine Reise nach der nächsten Stadt vor, und versprach binnen 9. Tagen wieder da zu sein, mittlerweile gab er mir ein mächtiges Stück chymischer Arbeit vor, ausserdem muste ich ihm alle meine Gold-Müntze auszahlen biss auf 100. spec. dukaten, dahingegen gab er mir von seinem durch Kunst gemachten Golde 8. Platten in Verwahrung, worvon die 4. grössten 11/4. Pfund, die 4. kleinesten aber 4. 6. biss 8. Lot am Gewichte hielten. Da nun, wie bereits sehr öffters gemeldet, bei mir nicht der geringste Verdacht wegen eines Betruges herrschete, liess ich auf Katzen- und Mäuse-Art immer mit mir hin spielen verrichtete die aufgegebene Arbeit mit grössten Fleisse, wartete 9. Tage, verzog noch einen ganzen monat, allein vergeblich, denn es wolte weder Elias noch Elisæus wieder zum Vorscheine kommen, endlich empfing ich