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unbekandtes Männlein zu mir, und sprach: Elias höre mir zu! reitze mit deiner Ungedult, die himmlische Gerechtigkeit, welche dein Urteil mit ihren Finger geschrieben, nicht zum Zorne, sondern ertrage mit Gedult, was sie dir auferlegt hat, so werden deine Jahre auf 120. verlängert werden. Du hast ja von dem himmlischen Kleinode, Vorrat genug, dich annoch 7. biss 8. Jahre vor Armut und Kranckheit zu bewahren, denn es sind ja nunmehr bei nahe 3. Jahre von deiner Straf-Zeit verflossen. Zeuch armselige Kleidung an, und wandere als ein Pilgrim durch die Welt, wende die Helffte deines Schatzes an das Armut, von der übrigen Helffte nimm deine Artzenei und Nahrung, und lobe beständig den Höchsten. Erinnere dich, dass dieses geheimnis nirgends anders zu finden sei, als bei Jehova saturniné collocato in centro mundi, deswegen läutere deine Seele, damit die himmlische Sophia aufs neue deine Freundschafft suche, und dir die niemals auszuschöpffenden Ströme ihrer Gnade und Gütigkeit noch reichlicher, als vorher anbiete.

Ich Elias, fand mich durch die Rede des Männleins sehr beruhiget und gestärckt, fragte aber also: Was soll das Zeichen sein, dass deine Reden wahrhafftig, und dass die himmlische Sophia nach Verfluss der 10. Straff-Jahre wiederum vollkommene Freundschafft mit mir machen werde? Die Zeichen, gab es zur Antwort, sind folgende: Vor Ablauff dieses dritten Jahres wirst du wiederum aufs neue entdecken und zu beschauen haben: der nackenden Dianæ Bad, des Narcissi Brunnen, worin er sich nach langen Bespiegeln selbst ersäufft. Im vierdten Jahre: die abgezehrte Echo in hohlen Klüfften, und die Scyllam, wegen übermässiger Sonnen-Hitze, ohne Kleider, in der offenbahren See herum spaziren. Im fünfften Jahre: das zusammen gelauffene Blut von Pyramo und Tisbe, durch welches die weisse Maulbeeren rot gefärbt werden, ingleichen des Adonidis Blut, wie solches von der herabsteigenden Venere in die Rose Anemone verwandelt wird. Im sechsten Jahre: die schöne Hyacint-Blume, welche von Ajacis Blute entsprossen, ingleichen das Blut der Himelstürmenden Riesen, welches ihnen Jovis Donner-Kerl erschopffet. Im siebenden Jahre: die häuffigen Tränen der Altææ, indem sie ihr güldenes Kleid ausziehet, und von sich legt. Im achten Jahre: den Garten Hesperidum, in welchen die güldenen Aepffel von den Bäumen gebrochen werden. Den Hippomenes, welcher mit der Atalanta um die Wette läufft, und die Venus, welche 3. güldene Aepffel darzwischen wirfft, den Lauff zu hemmen. Im neundten Jahre: die von der Göttin Venere, in einen Cometen verwandelte, und unter die Sterne versetzte Seele, des Julii Cæsaris. Das Feuer, woran Medea 7. Lichter anzündet, ingleichen die von Phaëtontis Wagen entzündete und brennende Lunam. Im zehendten Jahre: den verdorreten Oelzweig, so aufs neue mit Beeren grünet, ja den neuen und jungen Oel-Baum. Plutonis wohnung, vor deren Toren der dreiköpffige Cerberus liegt. Den Scheiterhauffen, worauf Hercules seine von der Mutter empfangenen sterblichen Teile verbrennet, die Väterlichen unsterblichen Teile aber, unverbrennlich erhält, also nichts von seinem Leben verliehret, sondern endlich selbst in einen GOtt verwandelt wird.

Nach Verfluss dieser 10. Jahre, redete das Männlein weiter, wirstu Elias Artista wiederum eingeführet werden in den Tempel des Bäurischen verwandelten Hauses, dessen Deckel aus puren lautern Golde bestehet, du wirst darinnen die philosophische Königin waschen und baden, oder deutlicher zu sagen: die terram virgineam catolicam in crystallino artificio Physicomagico circuliren lassen, du wirst den Philosophischen, inwendig feurigen König mit seiner Crone aus dem Braut-Bette seines crystallinischen Grabes herauf steigen sehen, in seinem glorificirten feurigen höchst vollkommenen leib, mit allen Farben der Welt geschmückt, gleich einem hell-leuchtenden Carfunckel und wasser-speienden Salamander. Ja deine Augen werden aufs neue in den tieffsten Abgrund der spogyrischen Kunst sehen, als in welchem sichern Schoosse die übermenschlichen Geheimnisse bewahret liegen.

Nachdem das Männlein, fuhr Elias fort, seine Rede geendet, und mir ausserdiesem, noch verschiedene, euch mein Sohn, annoch zu wissen undienliche Wahrzeichen und Lehren gegeben, schied es plötzlich von mir, ich habe mich nach der Zeit in allen sehr genau nach seinen Worten gerichtet, und befunden: dass biss auf diesen Tag alles sehr wohl eingetroffen ist. Euer Vater seel. hätte ein grosses Licht der Welt werden können, allein er hat die Vermählung mit der himmlischen Sophia selbst verschmähet, ich habe ihn zwar von person nicht gekennet, doch Elisæus hat mir die unbetrüglichen Wahrzeichen, die ich auch an euch, als seinem Sohne, mit grössten Freuden spüre, Haarklein erwiesen, mich auch aus einem fernen land beruffen, eurem seel. Vater in der wahren Teosophie zu unterrichten, und mit Jehova zu vereinigen, allein der Geist zeigte mir in einer Entzückung an, dass ich denselben nicht mehr lebendig, gleichwohl aber seinen dazu tüchtigen Sohn antreffen würde, welches auch geschehen, denn es ist zu mercken, dass ich ohne ganz besonderen Antrieb des Geistes, niemanden dasjenige, was ich weiss, zu lehren erlaubnis habe, ihr aber, mein Sohn, seid so wohl als Elisæus vom Himmel dazu auserkohren. nunmehr ist das zehendte Jahr biss auf wenige Wochen verlauffen, es fehlet mir also in diesem Jahre weiter nichts an der Propheceiung des Männleins, als des Herculis Scheiterhauffen und dessen Vergötterung erfüllet zu sehen, welches ich mit Beihülffe der Schrifften eures Vaters in kurtzen vergnügt zu finden verhoffe.

Was düncket euch, meine Herren?