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. daraus, hatte also ein Capital von 2830. Tlr. beisammen, welches ich dem Elisæo halb zu tragen gab, und mit meinen Führern immerfort reisete, ohne mich zu bekümmern, wohin. Uberall wo wir nur einkehreten, mussten die aller delicatesten speisen aufgetragen werden, ungeachtet aber alles aus meinem Beutel bezahlet wurde, bekümmerte ich mich doch sehr wenig um das eitele Geld, weilen mich versichert hielt, dass so bald selbiges verzehret sei, Elias den Schaden schon durch einen wichtigen Gold-Klumpen ersetzen könnte. Endlich gelangeten wir in einem Holländischen Dorffe an, wo unser Wirt den Elisæum und Eliam als wohlbekannte Freunde empfieng, und mir ebenfalls alle Höfflichkeit erzeigte, es fand sich daselbst ein unterirrdisches weitläufftiges Laboratorium, in welchen Elias Artista mit mir zu laboriren anfieng, und zwar keine andern, als diejenigen Processe, welche mein seel. Vater schrifftl. hinterlassen, Elisæus aber muste eine Reise antreten, um ein und andere Materialien herbei zu schaffen, hierzu nahm er mein Geld mit, warum ich mir aber nicht die geringste sorge machte. Mittlerzeit war der vortreffliche Lehrmeister so gnädig, mir dann und wann ein Stücke von seinem Lebens-Lauffe zu erzehlen, und gab vor: er sei ein Nord-Holländer, im Jahr 1622. gebohren, hätte von Jugend auf bei einem seiner Verwandten dem laboriren beigewohnet, und zum Scheine das Rot-Giessen gelernet, nach der Zeit wäre er durch die Zubereitung verschiedener trefflicher chymischer Artzeneien in starcken Ruff kommen, so dass ihm viele berühmte Künstler besucht, und ihres Vorhabens wegen seinen Rat verlanget hätten. Endlich aber sei, bei sehr schlimmen Wetter, einsmahls ein unbekandter Mann zu ihm gekommen, den er wegen seiner Erfahrenheit im laboriren etliche Tage beherberget, wohl gepfleget und von ihm letzlich die Præparation des Schatzes aller Schätze nämlich des Lapidis philosophici erhalten hätte, jedoch mit dem Bedinge, selbigen keinen Menschen völlig zu offenbaren, als welcher gewisse Merckmahle, die mir aber Elias nicht sagen wolte, in seinem gesicht, Gebärden und ganzen Wesen von sich blicken liesse.

Hierauf muste ich recht erstaunliche geschichte von seinen durch alle Europæische Länder getanen wundervollen Reisen anhören, die ich voritzo beliebter Kürtze wegen übergehen will, sonsten aber beteurete er hoch, dass von 6. Personen, denen er seit etliche 60. Jahren her, dieses geheimnis mit guten Gewissen offenbaren dürffen, kein eintziger mehr am Leben sei, ihn aber habe der Himmel durch die Kräffte und Tugenden seiner universal Medicin, stets gesund, frisch und stark erhalten, so dass er sich über dieses Wunder, selbst niemals genug, verwundern könnte.

Ich weiss, sprach er hierauf, aus einer himmlischen Offenbahrung gewiss, dass sich mein Leben noch etwas über 120. Jahr erstrecken wird. Der Vorrat von meinem kostbaren Schatze ist zwar annoch so gross, dass ich mehr als vor 100000. Tlr. Gold aus blossen Blei machen kan; allein erschrecket nicht mein Sohn, wenn ich euch offenhertzig gestehe, dass mir nunmehr bei nahe seit zehen Jahren her, nicht ein einzigmahl möglich gewesen den Lapidem so rite zu præpariren als vor dem. Höret, was ich euch sage: Ach leider! ich bin vor fast zehn Jahren, in eine ganz besondere Sünde gefallen, die niemand leichtlich erraten wird, deswegen straffte mich der Himmel auf frischer Tat, dergestalt, dass mir, so zu sagen, nur ein kleiner Funcke von meinem sonst so vortrefflichen Gedächtnisse übrig blieb. Dem Himmel sei 1000. mahl gedanckt, dass ich diesen kleinen Funcken nur noch dazu anwenden können, mich in der strengesten Busse und Casteiung des Leibes vor dem Himmel zu demütigen, und eine neue heilige Lebens-Art an zufangen, denn nachher, erlangete ich zwar binnen zweien Jahren, meinen ziemlichen Verstand und Gedächtniss wieder, allein, die Præparation des Lapidis war unmöglich wieder auszufinnen; deswegen brachte meine Zeit in tieffster Traurigkeit des Geistes zu, ja ich hatte die allergröste Mühe der gäntzlichen Verzweiffelung zu wiederstehen, welche mir eines Tages folgende Worte auspressete: Herr! ist es möglich, dass du um einer eintzigen übereilten Sünde willen, mir das grosse Siegel und zeugnis deiner Gnade zurück ziehen kanst? lass entweder dieses nicht von mir geschieden sein, oder scheide meinen Leib und Seele gleichfalls von einander. Gleich nach Aussprechung dieser Worte wurde mein Geist entzückt, an einen solchen Ort, der wegen seiner klarheit und Zierde nicht zu beschreiben ist, auch sind die Worte nicht nachzusagen, die ich daselbst gehöret habe, es kam mir aber eine diamantene Taffel vor die Augen meines Gemüts, auf welcher folgende Worte geschrieben stunden: Elias Artista hat auf einmal 10. Sünden begangen, derohalben muss er zur Straffe, 10. ganzer Jahr, der gäntzlichen Zubereitung des himmlischen Kleinods beraubt sein, ungeachtet an seiner eiffrigen Busse und völliger Bekehrung kein Zweiffel ist. So bald ich, fuhr der verzweiffelte Wind-Beutel Elias fort, diese Schrifft tieff in meine Seele eingedrückt, fuhr dieselbe eiligst zurück in ihren körper, welcher auf dem Boden der Cammer ausgestreckt lag. Eines teils befand sich derselbe etwas getröstet, andern teils wurde er zum öfftern wieder mit neuer Traurigkeit überfallen, so dass ich die allereinsamsten Oerter suchte, mich zur Erden niederwarff und ohne Unterlass schrye: Ach HErr, wie so lange? Wende dich HErr! ist es nicht genug 3. Jahr? ist es nicht genug 4. Jahr? ist es aufs höchste nicht genug 5. Jahr? Endlich da ich mich unter solchen Klagen fast sehr ausgezehret hatte, trat ein