, als ein halber kleiner Stecke-Nadels-Knopff beträgt, und fragte, ob ich etwas Wachs bei mir hätte? Da nun ich solches verneinete, sprach Elisæus, sehet hier ist Wachs genug, damit euch aber wegen unserer Materialien kein Verdacht erweckt werde, so nehmet ein wenig Ohren-Schmaltz, machet mit Kote aus der Hand eine Massam daraus, damit ihr dieses kleine Stäublein von dem Lapide darein kleiden und in das geschmoltzene Blei werffen könnet. Nachdem solches geschehen, und ich die vortreffliche Pille hinein geworffen, muste ich ein bei der Hand liegendes, etwa halben Fingers dickes, Eisen nehmen, ein einzig mahl damit auf den Boden des Schmeltz-Tiegels, und zwar nicht gar zu gelinde stossen, worauf alsobald ein starckes Getöse im Tiegel entstund, jedoch Elisæus erinnerte mich das Gesicht hinweg zu wenden, und hernachmahls gar eines Schritts breit davon, auf den Sessel nieder zu lassen, wo ich etwa eine halbe Stunde pausiren muste, ehe Elias sich mit besonderes andächtigen Gebärden von der Erden aufhub, mir den Tiegel aus dem Feuer zu heben, und das, was darinnen, auf die Steine zu schütten befahl. Indem ich solches verrichtete, gingen sie beiderseits in die stube, sich aber folgte ihnen nicht eher nach, biss ich den erkalteten Guss, unter dem Kote hervorziehen, und zur eigentlichen Betrachtung in die stube tragen konte. Ach Himmel, wie erfreut war mein Hertz, da sich ein Stück, aus Blei gemachtes Gold, in meinen Händen befand. Elias fragte: Kennet ihr nun das gemachte Gold? Glaubt ihr nun, dass die Transmutation keine HirnGeburt ist? Haltet ihr nun darvor, dass Elias Artista ein von GOtt auserordentlich begnadigter Mann sei? Ja, lieber Herr! ich glaube alles, war meine Antwort, lege mich deswegen zu euren Füssen, und bitte, mich Unwürdigen in die Lehre zu nehmen. Pfuy! schrye er, betet GOtt an, und nicht mich als seinen unwürdigsten Knecht, dancket dem Höchsten, der euch das geheimnis mit sichtbaren Augen anzusehen, und zu gleich eine solche Glückseligkeit vergönnet hat, welche so viel hundert Kayser und Könige vergeblich gewünscht haben. Allein mein Sohn, fuhr er fort, ihr seid dennoch viel zu leichtgläubig, woher könnet ihr wissen, dass dieses würckliches und aufrichtiges Gold sei, da selbiges noch von keinem Unparteiischen, sattsam probirt ist, gehet deswegen hin, ich schencke euch das ganze Stück, lasset es von allen Goldschmieden examiniren, bedencket aber dabei euren getanen Eid, und kommet in dreien Tagen wiederum an diesen Ort, so dann wollen wir weitläufftiger mit einander sprechen. Um keine Grobheit gegen diesen capricieusen Kopff zu begehen, bequemte mich augenblicklich zum Gehorsam, ging auch zu allen Goldschmieden in der ganzen Stadt, liess mein Stück probiren, und erhielt das allgemeine zeugnis, dass selbiges vom allerschönsten Kremnizer-dukaten-Golde wäre.
nunmehr beklagte ich erstlich: dass mein seel. Vater nicht noch am Leben seie, um dieses unvergleichliche Kunst-Stück mit Augen anzusehen. nunmehr bedaurete ich meine vormahlige Einfalt und dummes Judicium von der Transmutatione Metallorum. Ja nunmehr war ich entschlossen alle andern Wissenschafften an den Nagel hängen zu lassen, und mich eintzig und allein auf das laboriren zu legen. Allein, wie wurde mein ganzes Gemüte doch in das allergröste Betrübniss versetzt? da ich am dritten Tage, das leere Nest, und weder den Elias, noch den Elisæum antraff, auch in nachfolgenden 8. Tagen nicht die geringste Nachricht von allen beiden erhalten konte. Ich blieb ganz ohne Trost in meinem Logis, brachte die meiste Zeit als ein, am leib und Gemüte krancker Mensch auf meinem Lager zu, lieff doch täglich 3. oder 4. mahl in das kleine haus, wo ich das grosse geheimnis erfahren, fand aber selbiges von solchen Leuten bewohnet, welche weder den Eliam noch Elisæum kennen, oder nur das geringste von ihnen gesehen haben wolten. Endlich da ich mir die gäntzliche Rechnung gemacht, dass sie mich nicht würdig geschätzt in ihre Gesellschafft aufzunehmen, und darüber fast in Verzweiffelung fallen wolte, kam am Abende des 8ten Tages Elisæus, ohnangepocht in meine stube getreten, fragte, wie ich mich befände, und entschuldigte hernach, ziemlich freundlich, dass er und sein Meister wichtiger Ursache wegen sich einige Tage verborgen halten müssen, meldete auch: dass sie binnen 3. Tagen diese Stadt gänzlich verlassen, und sich in ein ander sicherer Land begeben würden, wo weit frömmere Leute, als hiesiges Orts anzutreffen wären. Ich fiel dem Elisæo um den Halss, bat ihn aufs flehentlichste, mich nicht zu verstossen, sondern bei dem Artisten Elia allen Vorspruch anzuwenden: Dass mir vergönnet werden möchte, in seiner Gesellschafft mit zu reisen. Endlich wurde mein Bitten erhöret, und ich zu einem Mitgliede ihrer Kunstgenossenschafft auf und angenommen, sie schwuren mir, welches erstaunlich zu erwegen, beiderseits einen teuern Eid: Mich in keinem Glücks- oder UnglücksFalle zu verlassen, sondern mir jederzeit mit treuer Lehre, auch Gut und Blut zu dienen, ich hergegen muste alle meine Mobilien zu Gelde machen, einen niederträchtigen Habit anziehen, und alles in Gold verwechselte Geld, welches sich ungefähr auf 2300. Tlr. belieff, darein vernehen. Hierauf traten wir die Reise zu Fuss an, und zwar an denjenigen Fürstl. Hof, wo ich meine mechanische Werckstadt hatte, daselbst nahm ich meinen Abschied, unter dem Vorwande eine Reise nach Engelland anzutreten, verkauffte alle noch übrigen Gerätschafften, und lösete 530. Tlr