zu geben, weil ich versichert war, dass er nichts sparen würde, mich zu befreien. Nachdem ich aber 3. Jahr in solchen jämmerlichen Zustande hingebracht, erhielt Zeitung, dass mein redlicher kapitän nebst meinen besten Freunden die Insul Bonatry (oder Bon Ayres auch Bon air wie sie andere nennen,) verlassen, und zurück nach Holland gegangen wäre, um sich das rechtmässige Gouvernement, darüber nebst andern Vollmachten auszubitten. Anbei wurde mir der jetzige Zustand auf selbiger Insul dermassen schön beschrieben, dass mein sehnliches Verlangen, auf solche wieder zu kommen, als ganz von neuen erwachte, zumahlen weñ mich meiner daselbst vergrabenen Schätze erinnerte. Jedoch ich konte, ohne meine person und Vermögen in die gröste Gefahr zu setzen, nicht erdencken, auf was vor Art ich den Gouverneur etwa einen geschickten Vorschlag wegen meiner Ranzion tun wolte. Muste also noch zwei Jahr als ein Pferde-Knecht in des Gouverneurs Diensten bleiben, ehe sich nur der geringste practicable Einfall in meinem Gehirne entsponn, wie ich mit guter manier meine Freiheit erlangen könnte.
Die Not erwecket zuweilen bei den Menschen eine Gemüts-Neigung, der sie von natur sonsten sehr wenig ergeben sind. Von mir kan ich mit Warheit sagen, dass ich mich, auch in meinen damaligen allerbesten Jahren, um das Frauenzimmer und die Liebe, fast ganz und gar nichts bekümmerte. War auch nichts weniger, als aus der intention mit nach Hispaniola gegangen, um etwa eine Frau vor mich daselbst zu holen, sondern nur bloss meine Hertzhafftigkeit zu zeigen, und etwas Geld zu gewinnen. Allein jetzt, da ich in gröster Not stack, und kein sicheres Mittel zu meiner Freiheit zu gelangen sah, nahm meine Zuflucht endlich zu der Venus, weil mir doch Apollo, Mars und Neptunus, ihre Hülffe gänzlich zu verwiegern schienen.
Eines Tages da ich des Gouverneurs Tochter, nebst ihren Cammer Mägdgen, auf ein nah gelegenes Land-Gut spatzieren gefahren, und im Garten ganz allein bei der erstern war, setzte sich dieselbe auf eine grüne Banck nieder, und redete mich auf eine freie Art also an: Wolffgang! sagt mir doch, was ihr vor ein Lands Mann seid, und warum man euch niemals so lustig als andere Stall-Bedienten siehet. Ich stutzte anfänglich über diese Anrede, gab aber bald darauff mit einem tieffgeholten Seuffzer zur Antwort: Gnädiges fräulein, ich bin ein Teutscher von Geburt, zwar von mittelmässigen Herkommen, habe mich aber in Holländischen Diensten durch meine Courage, biss zu dem Posten eines Unter-Hauptmanns geschwungen, und letztens auf dieser Insul das Unglück empfunden, gefährlich blessirt und Gefangen zu werden. Hierauff erwiderte sie mit einer niedergeschlagenen und etwas negligent scheinenden mine: Ich hätte euch zum wenigsten wegen eurer guten Visage, Adelichen Herkommens geschätzt. stunde damit auf, und ging eine gute Zeit in tiefen gedanken ganz allein vor sich spatzieren. Ich machte allerhand Glossen über ihre Reden, und war mir fast leid, dass ich von meinem stand nicht etwas mehr geprahlet hatte, doch vielleicht (gedachte ich,) gehet es in Zukunfft mit guter manier besser an. Es geschahe auch, denn ehe wir wieder zurück fuhren, nahm sie gelegenheit, mir mit einer ungemeinen verliebten Mine noch dieses zu sagen: Wolffgang! Wo euch an eurer Freiheit, Glück und Vergnügen etwas gelegen; so scheuet euch nicht, mir von eurem stand und Wesen nähere Nachricht zu geben, und seid versichert, dass ich euer Bestes eilig befördern will und kan, absonderlich wo ihr einige Zärtlichkeit und Liebe vor meine person heget. Sie wurde bei den letzteren Worten Feuerrot, sah sich nach ihren Mägdgen um, und sagte noch zu mir: Ihr habt die erlaubnis mir in einem Briefe euer ganzes Hertz zu offenbaren, und könnet denselben morgen meinem Mägdgen geben, seid aber redlich und verschwiegen.
Man wird mich nicht verdencken, dass ich diese schöne gelegenheit meine Freiheit zu erlangen, mit beiden Händen ergriff. Donna Salome (so hiess das fräulein,) war eine wohlgebildete person von 17. biss 18. Jahren, und sollte einen, zwar auch noch jungen, aber einäugigen und sonst überaus hesslichen Spanischen wohlhabenden Officier heiraten, welches ihre eigene Mutter selbst nicht billigen wolte, aber doch von dem eigensinnigen Gouverneur dazu gezwungen wurde. Ich könnte diesem nach eine ziemlich weitläufftige liebes-Geschicht von derselben und mir erzehlen, allein es ist mein Werck nicht. kurz! Ich schrieb an die Donna Salome, und machte mich nach ihrem Wunsche selbst zum Edelmanne, entdeckte meine zu ihr tragende hefftige Liebe, und versprach alles, was sie verlangen könnte, wo sie mich in meine Freiheit setzen wolte.
Wir wurden in wenig Tagen des ganzen Krahms einig. Ich tat ihr einen Eid, sie an einen sichern Ort, und so bald als möglich, nach Europa zu führen, mich mit ihr ordentlich zu verheiraten, und sie Zeit Lebens vor meine rechte Ehe-Gemahlin zu ehren und zu lieben. Hergegen versprach sie mir, nebst einem Braut-Schatze von 12000. dukaten und andern Kostbarkeiten, einen sichern Frantzösischen Schiffer auszumachen, der uns vor gute Bezahlung je ehe je lieber nach der Insul Bon air bringen sollte.
Unser Anschlag ging glücklich von statten, denn so bald wir erlebten, dass der Gouverneur in eigener person jene Seite der Insul visitirte, packten wir des Nachts unsere Sachen auf leichte, dazu erkauffte Pferde, und jagten von sonst niemand als ihren Mägdgen begleitet, in etlichen Stunden an dasjenige Ufer, wo der bestellte Frantzösische