noch so mittelmässig tractiret worden, weswegen sie von derselben schrifftl. Abschied nehmen, und sich vor erzeigte Güte bedancken, ihre plötzliche Abreise aber bestens excusiren muste. Mein ältester Bruder war als ein Goldschmidts-Geselle, etwa ein halbes Jahr vor meines Vaters Falliment, nach Welschland gegangen, und hatte sich seit der Zeit noch nicht wieder gemeldet. Meinem Gross-Vater war es von herzen angenehm, dass ich ihm so unverhofft die Schwester ins haus brachte, indem er lauter frembde Leute zu seiner Bedienung und Wirtschafft halten muste. Sie hat sich jederzeit sehr wohl auffgeführet, die Luterische Religion angenommen, und nachher eine glückliche Heirat getroffen. Ich aber trat meine ernstaffte Reise aufs neue an, und zwar in die Residentz-Stadt eines gewissen deutschen Fürsten, bei dem sehr viele Leute von meiner Profession ihren Auffentalt gefunden, und vortreffliche Werckstädten angelegt hatten. Bloss meines Nahmens und meines Gross-Vaters wegen, der weit und breit berühmt war, fand ich sehr bald was ich suchte, der Fürste selbst aber, sah und merckte so wohl als seine Directeurs, dass ich mein Geld und Brod nicht mit Sünden verdienete, sondern ohne Ruhm zu melden, mehr Kunst und Geschicklichkeit als Jahre besass, wannenhero ich binnen 3. Jahren gelegenheit genug fand, mir ein ansehnliches Stücke Geld zu sammlen. Nach der Zeit da unser Fürst einen andern grossen Fürsten mit einer besonders künstlichen Machine beschenckte, muste ich nebst zweien unter mir stehenden Gesellen, selbige dahin überbringen und behörig auffrichten, wovor mir ein Recompens von 2000. Tl. zu Teile wurde, mit welchem schönen Capitale ich eben meine Rück-Reise anzutreten im Begriff war, da mich eines Abends ein Knabe auf der Strasse anredete und bat, ihm in ein gewisses, in der Vorstadt gelegenes Häusslein, zu folgen, wo mich ein kranckliegender Lands-Mann zu sprechen verlangete. Diesem Ruffe folgte ich ohne Bedencken, weilen vielleicht gelegenheit zu finden vermeinete, einem armen bedürfftigen Landes-mann, meine freigebige Hand zu zeigen, traff auch würcklich einen Menschen daselbst an, der in einer besonderen stube, bei dunckel brennenden Lichte, auf seinem SiechBette sehr schwach und elend darnieder lag. Jedoch da er mich im propern roten Kleide, mit einer geknüpfften Perruque zu seiner Tür hinein treten sah, richtete er sich ein wenig auf, betrachtete mich eine lange Zeit, und sagte endlich, nachdem ich ihn gegrüsset: Monsieur Sie vergeben mir, dass ich ihnen die Mühe gemacht, mich elenden an diesen schlechten Orte zu besuchen. ist es wahr, dass sie ein Enckel des berühmten Augspurgischen Mechanici NB. sind? Ich weiss nicht anders, war meine Antwort. Und von welchem Sohne? redete er weiter, vielleicht von dem Schweitzer? Da nun ich solches bejahete, fragte er nach meinem und meines Vaters, auch meiner Mutter und Geschwister Nahmen, welche ich ihm in gröster Verdrüsslichkeit meldete, jedoch solches nicht wohl abschlagen konte, weiln vermutete, dass dieser Mann allem Ansehen nach, vielleicht die ganze Historie von meinen Eltern, besser als ich wissen möchte. Er lag hierauff eine ziemliche Weile sehr stille, weswegen ich endlich zu fragen anfieng, ob er meinen GrossVater von person wohl kennete. Seine Antwort war: Ja! mein Freund, sehr wohl, aber euren leiblichen Vater noch weit mehr, tut so wohl und eröffnet mir, wo sich derselbe voritzo auffhält, und welcher gestallt er in so grosses Unglück geraten, denn ich versichere, dass derselbe mein allervertrautester Freund gewesen. Mein Herr! versetzte ich, den Auffentalt meines unglück seeligen und dennoch geliebten Vaters zu erfahren, habe ich seit etlichen Jahren, sehr viele vergebliche Mühe angewendet, sonsten ist es leider an dem, dass er sich, von einem gottlosen und ehrvergessenen Land-Streicher, der noch dazu meiner Mutter Bruder gewesen, ins Unglücke führen und um sein zeitliches Glück bringen lassen, da er doch sonst jederzeit, und von jederman vor einen redlichen, geschickten und vernünftigen Mann gehalten worden. Hierauff fragte der Patient: Ob ich nicht wisse wie es meiner Mutter und Geschwistern erginge, und ich berichtete ihm die Wahrheit, dass nämlich die Mutter meines wissens, annoch in gefänglicher Hafft, mein ältester Bruder noch nicht aus Welschland zurück gekommen, die Schwester aber von mir vor einigen Jahren nach Augspurg geführt sei. GOtt sei gelobt, schrye er hierauff mit weinender stimme, der doch zwei von meinem lieben Kindern aus dem Verderben gerissen hat. Ich wuste nicht so gleich was ich aus solchen Worten schliessen sollte, so bald ich aber das Licht genommen, und dem Patienten unter die Augen geleuchtet hatte, erkannte ich ungeachtet seiner stark veränderten Gestallt, meinen leiblichen Vater, fiel ihm um den Halss, und benetzte sein Angesicht mit vielen heissen Tränen. Er weinete gleichfalls überlaut, da aber mittlerweile sein Aufwärter in die stube trat, wurde derselbe abermals in die Stadt geschickt, vor mich eine Bouteille Wein zu langen. Also blieben wir allein beisammen, und mein Vater fing an, mir eine ausführliche Erzehlung seiner Glücks- und UnglücksFälle zu tun, jedoch weil ich das meiste bereits gemeldet habe, so will voritzo nur berichten, dass er auf seiner Flucht von Schaafhausen, gerades weges nach Holland gereiset, und daselbst unter ganz veränderter Tracht, auch unter dem veränderten Nahmen Plager, etliche Jahr ziemlich ruhig hingebracht, indem er seiner Profession eiffrig obgelegen, und sich schönes Geld verdienet. Jedoch der Satan hat aufs neue sein Spiel, indem er sich zum andern mahle von einem so