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vergnügen gelebt, und drei Kinder mit der erheirateten Wittfrau gezeugt, nämlich mich, einen ältern Bruder, und dann auch eine jüngere Schwester, anbei als ein besonderer Künstler, durch fleissiges arbeiten sein Vermögen um ein merckliches vergrössert, so dass mehr Uberfluss als Mangel in unserm haus zu spüren, und in keinem Stücke Not vorhanden war. Allein so bald meiner Mutter Bruder, als ein alter Vagaband von seinen 15. jährigen Reisen zu haus kommt, und meiner Mutter allerhand verzweiffelte Lufft-Schlösser ins Gehirne bauet, läst dieselbe nicht nach meinem Baier so lange in den Ohren zu liegen, biss er sich mit demselben als einen vermeinten Alchymisten in verschiedene chimische Processe verwikkelt. Ob nun schon die ersten Versuche sehr unglücklich ablauffen, und bereits etliche 1000. Tlr. teils an das Laboratorium und andere requisita verwendet, teils aber in die Lufft verflogen sind, mein Vater also mit gröster Raison die Hand von der Butte ziehen, und fernerem Unglücke vorbauen können; findet sich dennoch in seinem Gemüte das klare Gegenspiel, kurz zu sagen, es ist nach diesem ersten verunglückten Processen, kein Mensch begieriger, erpichter und versteuerter auf das Goldmachen, als mein Vater.

Ihr werdet vielleicht gedencken, meine Herrn, mein Vater müsse ein alberner Schöps oder liederlicher haus Wirt gewesen sein, allein solchergestallt irret ihr gar sehr, denn ohne Flatterie, kan ich ausser demjenigen, was den Punct des Goldmachens anbelanget, teur versichern: dass er einen ausserordentlich guten Verstand gehabt, zwischen der Verschwendung und dem Geitze aber, die Mittel-Strasse dergestallt zu wandeln gewust, dass ich ihn seiner nachherigen Torheiten wegen, weit mehr verdacht, oder gar eine HirnWandelung vermutet hatte, wenn ich mit der Zeit nicht an meinem eigenen Exempel erfahren: welcher gestallt die Alchymie die allerentsetzlichste Art einer Gelben-Sucht des Gemüts, ja ein solch verzweiffelt ansteckendes pestilentialisches Fieber, welches sehr selten gänzlich zu vertreiben, palliative aber durch nichts als Armut und Mangel zu curiren sei.

Jedoch zur Sache. Mein Vater fing zum grössten Vergnügen seiner Frauen und deren Bruders, das Werck weit kostbarer und arbeitsamer an als vorher, liess seine schöne Profession, die ihm doch jährlich ein gewisses und ansehnliches Interesse vor Aufwand und Mühe einbrachte, gänzlich liegen, schaffte Gesellen und Lehr-Jungen ab, und gab bei andern Leuten vor, sein übriges Leben in Ruhe und Friede hinzubringen. Jedoch es geschahe nichts weniger als das letzte, denn er kunte sich kaum Zeit zum essen, noch weniger aber zum schlaffen nehmen. Bald darauff wurde ein Gemurmele unter den Leuten, welche curieus waren zu wissen: worzu doch wohl mein Vater so grausam viele Kohlen und andere Materialien gebrauchen müsse? Dieserwegen hielt er vor ratsamer und desto unverdächtiger, die Gold-Schmidts Werkkstädten wiedrum anzulegen, neue Gesellen und Jungen anzunehmen, und weit fleissiger als jemahls arbeiten zu lassen, nur damit die Leute nicht in ihren, ihm vielleicht schädlichen Urteilen, gestärckt würden. Allein was halffs? Es war bei aller Arbeit und bei allen Vornehmen nunmehr weder Seegen, Glück noch Stern, denn binnen wenig Jahren wurde mein Vater an auswärtige und einheimische Creditores, mehr schuldig als sein ganzes Vermögen betrug, dass, so zu sagen kein Ziegel auf dem dach, weder ihm noch meiner Mutter annoch zugehörete. Also war es an dem, dass entweder sehr schleunig, Gold, oder Banqverott gemacht würde, indem ein oder zwei Creditores schon von ferne in etwas zu brummen anfiengen, deswegen gehet meine Mutter mit ihren Bruder zu rate, drehen die Poltzen, welche mein Vater nachher verschiessen muss. kurz zu sagen: weil das Goldmachen nicht geraten will, verfallen sie auf das gefährliche Mittel: Geld zu machen. Denn vor das viele verlaborirte schöne Geld und Gut, hatten sie dennoch eine betrügliche Massam erfunden, welche dem Golde aufs genauste ähnlich sah, eine ziemliche Geschmeidigkeit hatte, den Strich auch vollkommen hielt, allein im Schmeltz-Tiegel, und zwar erstlich im dritten Gradu des Feuers, zu einer nichts nützigen schwartzen Schlacke wurde. Die Sache ging ihrer Meinung nach herrlich und gut von statten, mein Vater muss die Stempel zu Frantzösischen und andern Gold-Müntzen schneiden, die Mutter hilfft mit müntzen, deren Bruder aber, nachdem er eine starcke Quantität von der saubern Massa gemacht, begiebt sich, mit einer grossen Summe solches neu geprägten Geldes, auf die Reise, um selbiges zu vertreiben und gute Sorten davor einzuwechseln, ist auch so glücklich binnen zwei Jahren, allein in Franckreich, vor 20000. Tlr. dergleichen falsche Müntze anzuwerden, ohne was nach Holland oder Deutschland gegangen war. Solchergestallt rissen sich meine Eltern sehr geschwind aus allen ihren schulden, und hatten mehr als 30000. Tlr. wert an baaren Gelde und Meublen beisammen, über dieses, so war zu damahliger Zeit noch nicht der allergeringste Verdacht auf den Unwert solcher falschen Müntze, und noch viel weniger auf sie, geworffen; deswegen wäre es annoch hohe Zeit gewesen sich zu retiriren, allein sie werden blind, verstockt, und desto mutiger ihre gefährliche Handtierung so lange fortzutreiben, biss endlich mein respective super kluger Herr Vetter, in Flandern mit 15000. Tlr. solcher falschen Gold-Müntze ertappt, gefangen gesetzt, und endlich durch grosse Marter dahin gebracht wird: meinen Vater als seinen Complicen anzugeben.

Nun wäre es zwar ein leichtes gewesen meinen Vater, in gröster Sicherheit, auf frischer Tat zu ertappen, allein zu seinem Glücke, entdecket ein alter mit in den Gerichten sitzender Susannen-Bruder, ich weiss