Ende, seine 24. jährige und sehr tugendhaffte Frau, nebst zweien Kindern, die er mit der ersten Frau gezeuget hatte.
Da nun selbige artige Frau an meiner person und Wesen nichts auszusetzen hatte, vielmehr nach abgelauffenen Trauer-Jahre den Anfang machte: mir mit allen honetten liebes-Bezeugungen zu begegnen, hielten wir endlich um Licht-Messe, öffentliches Verlöbniss, und waren gesonnen, selbiges gleich nach den Oster-Ferien, durch Priesterliche Copulation vollziehen zu lassen.
Solchergestallt vermeinete ich nunmehr den Hafen meines zeitlichen Vergnügens, vermittelst einer erwünschten glücklichen Heirat und wohlbestellten Barbier-stube, gefunden zu haben, bekümmerte mich auch ganz und gar nichts mehr, um mein, durch verschiedene Unglücks-Fälle eingebüsstes ziemliches Vermögen, sondern hielt davor: ich wäre von dem Verhängnisse mit allen Fleiss forcirt worden: vorher so viel an mein beständiges Wohlsein zu spendiren, um solches desto erb- und eigentümlicher zu erkauffen. Aber, aber! selbiges war noch lange nicht ermüdet mich zu verfolgen, sondern mir nunmehr erstlich den aller empfindlichsten Streich zu spielen, denn meine hertzlich geliebte Witt-Frau bekam 14. Tage vor Ostern einen gefährlichen Anfall vom hitzigen Fieber, und schloss 2. Tage nach Ostern ihre schönen Augen zu.
Ich gestehe nochmahls, dass mir dieser UnglücksFall unter allen denen, die mir von Jugend auf begegnet, der Allerschmertzlichste gewesen, und zwar dergestallt, dass recht bittere Tränen aus meinen Augen gepresset wurden. Nichts war vermögend mich zu trösten, am allerwenigsten aber die Barbier-stube, nebst denen 300. Tlr. baaren Gelde, welche mir meine seel. Liebste im ordentlichen Testamente vermacht hatte. Das Letztere wurde mir gleich nach verlauff der ersten 4. Trauer-Wochen eingehändiget, wegen der Barbier-stube aber, wolten die Vormünder der Kinder, Advocaten Streiche machen, jedoch nachdem mir dieselbe von der Obrigkeit des Orts adjudicirt worden, war ich so genereus den beiden Kindern die Barbier-stube gegen Erlegung des halben Werts an 450. Tlr. zu überlassen, weilen mir ohnmöglich schien an diesen, vor mich ebenfalls fatalen Orte zu bleiben, ungeachtet sich viele Freunde die Mühe gaben, meiner feel. Liebsten leibliche Schwester, mit mir zu verkuppeln.
Der ganze deutsche Erdboden kam endlich bei reifflicher Uberlegung, meinem Gemüte unglücklich und verdrüsslich vor, deswegen brachte alle meine Sachen in Ordnung, reisete erstlich nach Lübeck, und war gleich im Begriff demselben auf ewig Abschied zu geben, hergegen mein Glück in Schweden oder Dänemarck zu suchen; als der Himmel gegenwärtigen Herrn Wolffgang darzwischen führte, dessen Ansinnen mir augenblicklich das gröste Vergnügen erweckte, mein anderweitiges Project verrückte, und mich animirte: seinen redlichen Vorschlägen willige Folge zu leisten. Der Himmel gebe ihm selbst die Belohnung davor, weil ich mich nicht im stand befinde, meine schuldige Danckbarkeit sattsam auszudrücken. nunmehr aber kan ich mit bessern Recht sagen, dass ich unter dem Schatten des Allerhöchsten, in den süssen Umarmungen meiner allerliebsten Mariæ Albertinæ, bei der liebreichen Gesellschafft frommer Leute und getreuer Freunde, endlich durch viele UnglücksWellen den Haafen eines irrdischen Paradieses gefunden, wo mein Gemüte täglich den Vorschmack himmlischer Ergötzlichkeiten findet. Und also hat das, schon in meiner Jugend erwehlte Symbolum:
Tandem bona causa trimphat.
Deutsch:
Ein redlich Hertze wird gedrückt, doch nicht erstickt, Und endlich auf Verdruss mit Lust-Genuss erquickt. eine glückseelige Erfüllung nach sich gezogen, und in meinen besten Jahren hergestellet, da ich doch ordentlicher weise kaum die Helffte meiner Tage erreicht habe.
Hiermit schloss Mons. Kramer die Erzehlung seiner curieusen Lebens-Geschicht, die man aus seinem äuserlichen Wesen nicht leicht judiciret hätte, allein er war gewisslich ein ganz besonders artiger Kopff, der seines gleichen wenig hatte, so dass man ihn zuweilen vor einen melancholischen Grillen-Fänger, zuweilen hergegen, vor einen ausserordentlich auffgeweckten Menschen halten muste, jedoch war in seiner Aufführung ganz nichts pedantisches oder haselirendes, sondern er wuste im Umgange, seine Gemüts-Bewegungen mit einer besonderen Klugheit zu temperiren, seinen Gesprächen und Erzehlungen aber zu zuhören, konte man nicht leicht müde werden, denn er hatte die Gabe bei allen Passagen den Affect vollkommen auszudrücken, und mit eingemischten Schertz-Worten und artigen Geberden nicht selten ein Gelächter zu erregen, welches durch sein eigenes sauer sehen gemeiniglich vermehret wurde.
Wir hätten ihm vor dieses mahl, da es ohnedem noch hoch Tag war, wenigstens noch ein paar Stunden mit dem allergrösten Plaisir zugehöret, allein er wolte durchaus nichts mehr erzehlen, sondern bemühete sich mit andern ergötzlichen Veränderungen und Delicatessen, die seine Liebste indessen bereitet hatte, uns aufs herrlichste zu bewirten, wobei jeden noch manch lustiges Gespräch geführt wurde. Endlich nachdem wir auch seine ganze Oeconomie in Augenschein genommen, und darinnen ganz besonders inventieuse Sachen angemerckt hatten, bestimmten wir ihn auf Morgen, in Jacobs-Raum zu erscheinen, um zu versuchen, ob wir, den, sonst sehr eigensinnig scheinenden Mons. Plager dahin bewegen könnten: uns gleicher Gestallt seine Lebens-Geschicht zu erzehlen. Nachdem nun Mons. Kramer, sich daselbst einzustellen versprochen, nahmen wir Abschied und reiseten mit einbrechenden Abend ein jeder an seinen Ort.
Herr Mag. Schmeltzer, der diese Spatzier-Fart, wegen anderer wichtigerer Verrichtungen nicht mit antreten wollen, empfieng uns nebst seiner Liebste, die, dem ungeachtet die Alberts-Burgische-Oeconomie noch beständig fortführete, unten am Berge bei der Kirche, oben aber fanden wir einen zubereiteten Caffee-Tranck, worzu wir eine Pfeiffe Toback ansteckten, ich