, da ich mich auf einer weiten Ebene befand, und mir unmöglich fiel, ohngeruhet weiter zu lauffen, zwängete sich mein ermüdeter körper in einen aufgesprungenen hohlen Weiden Baum, der da weit von allen Strassen, nebst unzähligen andern, auf einer Viehtrifft stunde. etwa eine Stunde hernach, da ich schon in stando ein wenig geschlummert hatte, passirte der Vieh-Hirte vor mir vorbei, war aber, wie ich glaube, mit Blindheit geschlagen, weil er mich so wenig sah als sein Knabe, der ebenfalls sehr öffters bei meinem SchlaffGemache vorbei lieff. Jedoch so bald er nur etwa hundert Schritt von mir, sich nebst seinem Knaben in die Sonne gelegt, fing ich von neuen an zu schlummern, wurde aber nochmahls durch das Getöse etlicher Reuter gestöhret, welche, wie ich durch ein Spalt-Loch sehen konte, sich dem Hirten näherten, und fragten: ob er keinen Deserteur, in solcher Kleidung, wie sie ihm die meinige beschrieben, vorbei lauffen sehen. Er konte freilich wohl mit guten Gewissen Nein sagen, berichtete auch auf ferneres Befragen, dass nur noch eine gute Stunde weges biss zur Gräntze sei, weswegen die Reuter ihre Pferde desto schärffer ansporneten, und zwischen den Bäumen, nicht 12. Schritt vor meinem Behältnisse, hinritten. Mein Hertze klopffte inzwischen so lange, biss ich dieselben aus dem Gehöre und gesicht verlohr, endlich aber verlohr sich auch zugleich die allergröste Angst, in darauf folgenden mehr als 6. stündigen Schlaffe. Nachdem ich aufgewacht war, fing mich der Hunger ziemlich zu plagen an, jedoch der Magen muste vor dieses mahl durchaus Raison annehmen, weil ich nicht vor ratsam hielt, diesen sichern Ort zu verlassen, ungeachtet derselbe vor menschlichen Augen sehr unsicher zu sein schien. Der Hirte, welcher binnen der Zeit weit im feld gewesen, kam endlich gegen Abend wiederum zurück, und setzte sich etwa 20. Schritt von meinem Baume nieder, bald darauf kam auch sein Knabe, der vermutlich tages über im Dorffe gewesen war, setzte sich neben ihn, und fragte unter andern: ob die Reuter wieder zurück gekommen wären, die dem entlauffenen Lands-Knechte nachgesetzt hätten. Der Alte bejahete solches, meldete darbei, dass er abermals mit ihnen gesprochen, und erfahren, wie sie heute einen vergeblichen Ritt getan hätten. Es ist Schade Vater, sagte hierzu der Knabe, dass wir den Schelm nicht haben ansagen können, denn sonst hätten wir gewiss einen Taler Geld dabei verdienet, oder wohl gar zwei. Ach Töffel! versetzte der Alte, behüte uns GOtt vor solchen Blut-Gelde, es kan vielleicht wohl ein gut ehrlich Mutter-Kind gewesen sein, wer weiss, wie sie ihn gecreutziget haben, ich wolte lieber einen Pfenning oder wohl gar nichts nehmen, und einen solchen armen Kerl 10. Meilen fort bringen, als vor 10. Tlr. Geld ihn den Soldaten verraten, denn diese machen nicht viel Federlesens, sondern lassen auch die besten Kerls an den Galgen hencken. O du redliches Blut! gedachte ich in meinen herzen, GOtt wird dir deine christliche Liebe, wo nicht zeitlich, doch dort ewig zu vergelten wissen. Jedoch ich hielt mich noch beständig in aller Stille, biss endlich, nach verschiedenen andern Gesprächen, der Knabe weit ins Feld lieff, um das zerstreute Vieh zusammen zu treiben. Da nun bald hernach der Hirte etwas näher an meinen Baum kam, rieff ich ihn an, klagte seiner Treuhertzigkeit meine Not, überreichte ihm einen dukaten, und bat, mir davor, so bald es möglich, nur einen Trunck Bier, nebst einem Stücke Brod zu verschaffen. Er zeigte grosses Mittleiden bei meinem Elende, überreichte mir indessen ein Stück Brod nebst einem Käse, und versprach, binnen zwei Stunden mit besserer Speise und Geträncke bei mir zu erscheinen, wolte aber durchaus kein Gold, sondern sagte: ich möchte ihn nur etliche Groschen Silber-Geld geben, um die speisen davor zu kauffen, weil er in seinem ganzen Leben voritzo nicht mehr als 10. Pfennige baares Geld aufzubringen wüste. Demnach überreichte ich ihm eine ganze Hand voll Silber-Geld, wovon er aber nicht mehr als etliche Groschen auslase, und das übrige durchaus nicht annehmen wolte, sondern mit starcken Kopffschütteln davon ging, nachdem er versprochen, binnen einer Stunde wieder bei mir zu sein. Er hielt sein Wort redlich, kam mit der Abend-Demmerung zurück, brachte einen halben Schincken, ein stark Stücke Wurst, ein halbes Brod, eine Flasche Bier, wie auch Butter und Käse in seinem Rantzen getragen, liess mich nach Belieben davon speisen, er aber setzte sich etliche Schritt von mir hinweg, und erzehlete binnen der Zeit, seiner Einfalt nach, verschiedene kluge Streiche, die von einem mann, der täglich mit niemanden, als unvernünfftigen Vieh umging, nicht leicht zu vermuten waren. So bald die Nacht herein brach, führte er mich glücklich über die Gräntzen meines verhassten Vaterlandes, ruhete hernach über 3. Stunden, in einem dicken Gepüsche, an meiner Seite, und zeigete mir hernach die richtige Strasse, worauf ich unfehlbar binnen 3. oder 4. Stunden eine kleine Stadt erreichen würde, in welcher nicht die geringste Gefahr vor mich zu befürchten, hergegen alle Sicherheit anzutreffen sei. Ich fragte, was er vor seine Bemühung haben wolte, und der gute Mann forderte nicht mehr als 2. Groschen, welches mich dermassen afficirte, dass ich ihm 2. spec. dukaten gab, die er vermutlich nicht angenommen