geschweige denn sonst etwas unmögliches recht zu machen wuste, muste mein rücken dermassen viel Stock-Schläge fühlen, dergleichen er sich empfangen zu haben nicht erinnern konte, seit dem ich der Katze die Schelle angehängt, der Magd den Zettel angeklebt, des Hundes Stuhl mit Steck-Nadeln gefüttert, und den alten Weibern das curieuse Feuerwerck præparirt hatte.
Wir mussten über die besonders lustige Art, womit Mons. Kramer dieses letztere vorbrachte, von herzen lachen, ungeachtet die Beschreibung seines angetretenen Soldaten-Lebens eben nicht lächerlich war, so bald er sich aber selbst mit uns satt gelacht hatte, fuhr er in Erzehlen also fort:
Solchergestalt müste ich sehr einfältig gewesen sein: wenn ich nicht gemerckt, dass mir mein Vetter und Vormund dieses Bad selbst zubereitet hätte, um nur desto länger mit dem verdrüsslichen Spruche: Tue Rechnung von deinem Hausshalten etc. verschonet zu bleiben. deswegen war eben im Begriff, etwa einen höhern Officier, durch Geschencke, und Versprechung eines mehrern, auf meine Seite zu bringen, der mir nicht allein einige Linderung, sondern auch von meinem ungetreuen Vormunde hinlängliche Satisfaction verschaffen sollte; als mir ein anderer unglücklicher Streich begegnete, und zwar bei folgender gelegenheit: Es schlugen sich eines Abends etliche Handwercks-Pursche auf der Strasse mit Knütteln weidlich herum, da nun ich dieses Spectacul mit anzusehen, in voller Montur, nebst meinem Wirt um die Ecke des Quartiers spazirt war, kam der Corporal, mein Herr Vetter ohnverhofft auf mich zu, und fragte: was ich hier zu stehen, und ob ich etwa Lust mit zu machen hätte? Nichts weniger als dieses, gab ich zur Antwort, denn ich menge mich nicht gern in frembde Händel. So scheert euch, sprach er, in euer Quartier, und legt euch auf den – – – – denn Morgen habt ihr die Wache. Es wird, versetzte ich, Morgen an mir nicht fehlen, heute aber habe nicht eher ursache mich nieder zu legen, biss der Zapffen Streich geschlagen ist. Canaille, wilst du lange raisoniren, schrye er hierauf, und schlug mich dermassen mit dem Stocke über den Kopff dass mir augenblicklich das Blut über die Nase lieff, weswegen ich von einem recht rasenden Eiffer angestammt, augenblicklich meinen Pallasch zohe, dem schändlichen Bluts-Freunde etliche Hiebe in den Kopff und Schultern versetzte, letztlich aber die rechte Hand dergestalt streiffte, dass sie nur noch an einer eintzigen Flächse behangen blieb. Dieserwegen kam ich erstlich in Arrest, bald hernach aber ins Verhör und Krieges-Recht, wo mir das tröstliche Urteil gefället wurde: drei Tage nach ein ander, und zwar alle Tage 12. mahl durch die SpitzRuten zu lauffen. Dieses kam meiner Seele weit unerträglicher vor, als der Tod selbsten, ja der Satan war so geschäfftig, mir einzugeben, dass ich mich lieber selbst ermorden, als dergleichen Marter ausstehen sollte, weil ich doch so wohl davon crepiren müste als ein anderer, der nur vor wenig Tagen eben dergleichen Straffe erlitten. Jedoch dieser desperate Entschluss wurde noch bei zeiten von christlichern gedanken erstickt, hergegen fiel mir ein anderer Hazard ein, der doch zum wenigsten nicht so gar verzweiffelt und sträfflich zu achten war. Diesemnach, da ich wuste, dass bei dem heimlichen Gemache, welches zu der Corps de Garde, da ich gefangen sass, gehörete, eine schmale Schlufft den Wall hinab, nach dem WasserGraben zu, ging, observirte ich Sonntags, nämlich des tages vorher, da ich Spitz-Ruten lauffen sollte, alle gelegenheit, wie auch die Gegend jenseit der Vestung sehr genau, simulirte Nachts ein hefftiges Reissen im leib, liess mich etliche mahl hinaus bringen, so lange biss meine Begleiter darüber verdrüsslich wurden, und mir alleine an den Ort zu gehen erlaubten, wo man seinen Vortrag mit gebogenen Knien zu tun obligirt ist, in Meinung, dass ich doch unmöglich entwischen könnte, weiln ohnedem 4. Schild-Wachen um diese Gegend stünden, die man nicht so leicht vorbei passiren könnte. Allein ich ersahe meinen Vorteil, Nachts gegen 12. Uhr, rutschte durch die enge Schlufft den Wall hurtig hinnab, sprung eine 8. biss 9. Elen hohe Mauer hinunter in den Graben, so, dass mir das wasser über den Kopffe zusammen schlug, rieff den Höchsten, um Erhaltung meines Lebens, an, begab mich aufs Schwimmen, kam glücklich hindurch, und erreichte endlich nach Ubersteigung vieler Abschnitte und Pallisaden die freie Landstrasse.
Vor allen Dingen fiel ich nunmehr erstlich nieder auf meine Knie, und bat GOtt um gnädige Vergebung meiner Sünden, indem mich die gröste Not getrieben hatte, einen, obschon aufgezwungenen, Eid zu brechen, hiernächst dass mich derselbe ferner gnädiglich führen, und lieber mit anderweitigen väterlichen Züchtigungen belegen, als wiederum in die hände meiner tyrannischen und unmenschlichen Lands-Leute geben wolle. Da nun unter diesen eiffrigen Gebete ein wenig verschnaubt hatte, begab ich mich aufs Lauffen, weilen allbereit ausgekundschafft hatte, dass die Gräntze des benachbarten Landes-Herrn nicht über 4. Meilen von dieser Stelle entlegen sei. Wie mir zu Mute gewesen, da ich einen, oder, wo mir recht ist, zwei kanonen-Schüsse aus der Stadt, und dann in allen umliegenden Dörffern, die Sturm Glokken läuten hörete, lasse ich ihnen, meine Herrn, selbst erwegen, denn dieses war das gewöhnliche Zeichen, dass ein Deserteur aus der Vestung entsprungen, und dass jede Dorffschafft obligirt sei, denselben zu verfolgen. Früh Morgens gegen Aufgang der Sonnen