zu lassen, und dieser Arbeit, bei müssigen Stunden, uns gar im geringsten nicht zu schämen willens waren.
Mit allen diesen Reichtümern nun, landeten wir glücklich bei Curacao an, der Gouverneur daselbst empfing uns, nachdem wir ihm unsere Pasporte gezeiget, auch von ein und andern, richtigen rapport abgestattet hatten, mit grossen Freuden, zumahlen da er von uns ein ansehnliches Præsent empfieng. Jedoch nachdem unsere Capitains die damalige Beschaffenheit der Sachen und der Zeit etwas genauer überlegten, befanden wir auf einraten des Gouverneurs vor nützlicher, die Insul Bonatry zu unserm Ruhe-Platz zu erwehlen, und unsere Schiffe daselbst auszubessern. Es wurde desswegen aller möglichste Fleiss angewendet, nachher aber beschlossen, eine rechte Niederlage daselbst aufzurichten, weswegen wir, mit Hülffe der daselbst wohnenden nicht ungeschickten Indianer, anfiengen, kleine Häuser zu bauen, auch vor den Anlauff eine gar artige Festung anlegten, und dieselbe nach und nach immer zu verbessern willens waren. Die Indianer erzeigten sich ungemein Dienstfertig gegen uns, wir gaben ihnen von dem unserigen, was sie brauchten, und wir entbehren konnten, hergegen waren sie wiederum fleissig das Feld zu bauen, und Mahis, James, Palates, auch Guineisch Korn zu
~
zeuge, welches uns trefflich wohl zu statten kam, nächst dem legten sie sich auch mehr, als sonsten, auf die ordentliche Hausshaltung und Viehzucht, denn es gab daselbst Ochsen, Kühe, Pferde, Schweine, vor allem andern aber Ziegen im Uberfluss, so dass nicht nur wir zulängliche Nahrungs-Mittel hatten, sondern auch unsere Lands-Leute auf den benachbarten Insuln, mit eingesaltzenen Fleische und andern Sachen besorgen konnten. Anbei taten wir manchen Stich in die See, und bereicherten uns nicht allein mit lauter Spanischen und Frantzösischen Gütern, sondern taten beiden Nationen allen ersinnlichen Schaden und gebranntes Hertzeleid an.
Ich vor meine person, hatte mir einen ziemlichen Schatz an Gold, Silber, Perlen, und andern kostbaren Sachen gesammlet, wovon ich das meiste auf der Insul an unterschiedliche Oerter vergrub, wo ich nicht leicht befürchten durffte, dass es ohne meine Anweisung jemand finden würde. Ubrigens lebten wir ingesamt so vergnügt auf der Insul, dass es, nachdem wir 3. Jahr lang darauff zugebracht, das Ansehen hatte, als sehnete sich kein eintziger wieder nach seinem vaterland.
Nach so langer Zeit wurde Kundschafft eingebracht, dass die Spanier abermals mit einer reich beladenen Silber-Flotte zurück nach Europa seegeln wolten, also machten wir einen Anschlag, etwas davon zu erhaschen, gingen mit zwei der Besten und wohl ausgerüsteten Schiffe, auch der resolutesten Mannschafft in See, und laureten um die Gegend der Caribischen Insuln auf dieselbe, brauchten anbei alle möglichste Vorsicht, um nicht entdeckt zu werden. Unsere Bemühung war dessfalls so wenig als sonsten vergebens, indem wir eines Morgens sehr frühe, nach vorher ausgestandenen ziemlichen Sturme, ein von der Flotte verschlagenes Spanisches Schiff mit List erhaschten, mit Gewalt eroberten, und an gediegenen Silber, auch andern Kostbarkeiten mehr darauff antraffen, als wir uns fast hätten einbilden können. Die Flotte hatte aus dem hefftigen Donnern des Geschützes, Unrat vermerckt, und erraten, dass eins von ihren Schiffen in Action begriffen sei, deswegen auch zwei von ihren Schiffen zum Succurs dahin geschickt, allein wir waren mit unserer Prise allbereit zur Richtigkeit gekommen, da wir den succurs noch ganz von ferne erblickten, hielten aber nicht vor ratsam dessen Ankunfft zu erwarten, sondern nahmen die Flucht auf recht verwegene Art, bei Porto Ricco hindurch, und gelangeten mit vielen Vergnügen wieder, bei unserer zurückgelassenen Mannschafft, auf der Insel Bonatry an.
nunmehr waren wir erstlich eifriger als jemals beflissen, nicht allein unsere Wohnungen, Feld-Bau und Vieh-Zucht, mit Beihülffe der Indianer, in vollkommen bequeme Form zu bringen, sondern avancirten auch in weniger Zeit mit unsern Vestungs-Bau dermassen, dass wir diese Insul wider alle feindliche Anfälle ungemein sicher machten. Etliche von den Unsern hatten bei gelegenheit Spanische und Frantzösische ledige Weibes-Personen erwischt, sich mit selbigen verheiratet, und Kinder gezeuget, dieses erweckte bei vielen andern eben dergleichen Begierde, weswegen sie unsern kapitän, als selbst erwehlten Gouverneur unserer Insul forcirten, eine Landung auf Hispaniola zu wagen, weil sich daselbst ungemein schönes, so wohl Spanisches als Frantzösisches Frauenzimmer befinden sollte.
Ob nun schon der kapitän dieses Unternehmen anfangs vor allzu verwegen und gefährlich erkañte, so sah er sich doch letzlich fast gezwungen, dem eifrigen Verlangen der verliebten Venus-Brüder ein Genüge zu tun, und zwei Schiffe hierzu auszurüsten, deren eines ich als Unter-Hauptmann commandirte. Wir lieffen aus, und kamen auf Hispaniola, glücklich an Land. Es erreichten auch die Verliebten ihren erwünschten Zweck, indem sie etliche 30. junge WeibsPersonen zu Schiffe brachten, ich aber, der ich hiebei die Arrier-Guarde führte, war so unglücklich, von den nachsetzenden Spaniern einen gefährlichen Schuss in die rechte Seite, und den andern durch die lincke Wade zu bekommen, weswegen ich, nebst noch zweien der Unsern, von den Spaniern erhascht, gefangen genommen und zu ihrem Gouverneur gebracht wurde.
Ein grosses Glück war es bei unserm Unglück, dass uns derselbe in der ersten furie nicht gleich auffhencken liess, weil er ein verzweiffelt hitziger Mann war. Jedoch wurden wir nach völlig erlangter Gesundheit wenig besser, ja fast eben so schlimm als die Türckischen Sclaven tractiret. Am allerschlimsten war die ses: dass ich nicht die geringste gelegenheit finden konte, meinem redlichen kapitän Nachricht von meinem wiewol elenden Leben