beiderseits im Begriff waren, in sein, mir wohlbekandtes Logis zu gehen, kam uns die heroische Brüderschafft unverhofft über den Halss, mit Ausstossung dieser empfindlichen Worte: Canaille steh! Mein Begleiter sagte zu mir: Monsieur, ich bitte gar sehr, dass sie auf meine Verantwortung nur eiligst zu meinem blessirten Stuben-Purschen lauffen wolten, ich will diese Canaillen schon abfertigen. Allein ehe ich noch Zeit hatte ihm zu antworten, rieffen etliche Stimmen nochmahls: Hundsf: steh! Gedult! Gedult! rieff ihnen mein Compagnon entgegen, ich stehe schon. Unter diesen Worten aber, zohe er seinen Rock aus, legte denselben ohnfern des Superintendentens wohnung in eine Tor-Fahrt, entblösste seine Esquadronir-Klinge, und hieb, auf dermassen verzweiffelte Art, die creutze und die qveere in die heroische Brüderschafft hinnein, dass selbige an nichts weniger als an die Gegenwehr zu gedencken schien; sondern sich auf die Flucht begab. Hiermit aber war es noch nicht genug, sondern er verfolget dieselbe dermassen furieus, dass von 10. oder 12. Personen, nicht zwei bei einander bleiben dürffen, worauf er sans passion zurücke gehet, und seinen Rock wieder anziehet, mich aber bei seinen blessirten Stuben-Purschen antraff, und die ganze Geschicht ohne eintzige Prahlerei erzehlete. Dergleichen Courage hätte ich meines teils bei keinem Menschen, am allerwenigsten aber bei diesen gesucht, denn er schien eben der stärckste nicht zu sein, war aber doch mittlerer Taille ziemlich untersetzt, und etwas unter 3. Jahren auf der Universität, vorher aber auf dem Gymnasio zu Zeitz gewesen, wo er verschiedene mahl gelegenheit gehabt, sich mit den Soldaten herum zu schlagen, welches die hässlichen Narben auf seinem Kopffe des mehrern bezeugten. Wie gesagt, ich hätte dergleichen hertzhafften Streich nimmermehr geglaubt, wenn nicht das meiste selbst mit Augen gesehen, und in darauf folgenden Tagen die Confirmation von allen, die um selbige Gegend wohneten, gehöret hätte.
Inzwischen war die ganze heroische Brüderschafft zum grössten Gelächter aller Menschen auf einmal zerstreuet worden, ich aber machte mit diesem resoluten Studioso die vertrauteste Freundschafft, weil selbiger, meinen gedanken nach, mir zum Schilde wider alle dergleichen Verfolgungen dienen konte. Er hatte nicht sonderlich viel in bonis, da ich aber durch ihn in kurtzen zu schönen Geld-Verdienste gelangete, wurde er von mir nicht allein nach meinem Vermögen dann und wann mit Gelde fournirt, sondern in allen Compagnien, wo er bei mir war, frei gehalten. Jedoch auf solche Manier, lernete ich wöchentlich zwei, drei, auch wohl 4. mahl auf die Dörffer spaziren, und meinen bissherigen Fleiss, der wegen täglicher LiebesGrillen ohnedem schon einigen Abbruch gelitten, noch weit stärcker hemmen. Aber was wurde draus? erstlich ein lustiger Pursche, hernach ein nasser Bruder, weiter ein Craqveler, und endlich ein desperater Kerl. Denn einsmahls, da ich mich auf einem nahgelegenen Dorffe unter lustiger Compagnie befand, kamen auch ihrer fünffe von der ehemahligen heroischen Brüderschafft in unsern Saal getreten. Mir machten sie keine sorge, denn da ich dero besondere Hertzhafftigkeit einmal auf der probe gesehen, trug mein, von Bier und Wein ziemlich angefeureter Geist, nicht das allergeringste Bedencken, mit ihnen anzubinden, ungeachtet mein ehemahliger Vorfechter dieses mahl nicht mit zugegen war. Es währete nicht lange, so wurden allerhand Stichel-Reden gewechselt, welche ich und meine Anhänger mit gleicher Müntze bezahleten, endlich aber, da die Worte fielen: dass sich heute zu Tage ein jeder Bartscheerer vom Doctor-hut wolte träumen lassen, wurde dem Fasse der Boden ausgestossen. Meine 3. Anhänger waren so glücklich, ihre 4. Gegner zur Tür hinnans zu fuchteln, ich aber so unglücklich, demjenigen, der mich touchirt hatte, einen solchen Circumflexum über den Hirnschädel zu schreiben, wovon er augenblicklich zu Boden sincken, und als ein halb-todter Mensch aufs Stroh gelegt werden muste.
Wäre ich so vernünfftig gewesen, gleich meines weges über die Gräntze zu gehen, so hatte es seiten meiner weiter nichts zu bedeuten gehabt, denn meine Sachen, die in lauter Büchern und Kleidern bestunden, würden meine guten Freunde gar bald in Sicherheit gebracht haben; Allein meine Torheit bildete sich, noch Recht überlei zu haben, ein, deswegen ging ich ohne Scheu in mein Logis, erzehlete die gehabten fatalitäten, trunck mit meiner Amasia noch einen Coffeé, und legte mich hernach aufs Ohr. Da aber mein guter Kramer kaum zwei oder drei Stunden geschlaffen hatte, meldete sich der Herr Pedell, nebst hinter sich habenden Handgreifflichen Anwalden, (denn solchen Titul haben sich in diesem Seculo die Herrn Häscher beigelegt) und führeten ihn in die Custodiam.
Es brauchte kein langes Kopffbrechens und Fragens nach den gewöhnlichen Oratorischen BehelffsWorten: Quis? quid? ubi? quibus auxiliis? cur? quomodo? quando? sondern ich konte mir leicht die Rechnung machen: dass mein kunstmässig gezogener Circumflexus, diese üblen Suiten nach sich gezogen, und vielleicht noch üblere nach sich ziehen könnte, zumahl da es hiess, dass an des Patienten Aufkommen gar sehr gezweiffelt würde. Man vergönnete mir zwar, aus meinem Logis die speisen zu empfangen, doch durffte der Uberbringer kein Wort mit mir reden, denn meine 4. Wächter, die allem Ansehen und Vermuten nach, in linea obliqva von des grossen Goliats Waffenträger herstammeten, waren in den ersten 9. Tagen, ich glaube, eines besonderen Aberglaubens wegen, dermassen unerweichlich, dass sie auch kaum einer Fliege vergönnen wolten, aus meinem Glase zu trincken, indem