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den Regeln der Kunst krum heilen werde. Ich werde aber auch viel Mühe haben das Glied-wasser zu stillen. Vors andere einen Hieb auf das Sinsciput und Ossa frondale über die sutura coronale her, es wird wenig fehlen dass die oberste dabula des Cranigums nicht gänzlich durch gehauen ist. Vors dritte weil er seit etlichen Jahren her ein Gewächse an Occiput gehabt, welchen tumor wir Chirurgos Anteroma, Steccatoma oder Glicirrice zu nennen pflegen, ist ihm dasselbe ebenfalls aufgeschlagen, dass es nunmehr auch vollends muss heraus geschnitten werden. Sonsten ist bereits an allen Vulnera starcke Geschwulst und imflamatio gewesen, die ich zu vertreiben grossen Fleiss Mühe und Kosten anwenden werde. Uhrkundlich habe diesen Wund-Zettel unter meiner eigenen Hand u. Perschafft ausgestellet Dat: ut sapra

(L.S.)

N.N.

(III.) Specificatigon was ich Endes Unterschriebener

wegen der glücklich getanen Curan N.N. vor

Medicamentis und Artzlohn zu fodern habe:

Vor Speciges zur Fomentation 1 Tlr. 16 gr. Vor Spec: per Tecoct: Vulneraria 3 Tlr. - gr. Vor innerliche Medicin die nach der medode medende eingerichtet gewesen 2 Tlr. 12 gr. Vor Balsamus vulneraria 1 Tlr. 8 gr. Vor Emplastrum und Ungevent. 2 Tlr. - gr. Pro lapora & studia 6 Tlr. - gr.

16 Tlr. 12 gr.

den 16. Decempr. 1711.

N.N.

(IV.) Recepte.

P. Succq Limonia lb ij

×

Bals. Sulpher: zj

Sal praunelli

saturnus. aa. Zij

Camolorat. Zss

Ol: Terepentin. q.s.

M.f. Mixtura dentur in Vitrum.

P. Rad. Hippekanne gr. 15.

×

Mercur: dulcius. gr. viij

Concerv: Ros. q.s.

M.d. in Schatulam.

Monsieur Kramer hatte zwar noch einen starcken Vorrat von dergleichen lächerlichen Scripturen dieses Künstlers, doch weil er sich dabei nicht lange aufhalten wolte, übergab er mir selbige auf mein Bitten ganz und gar, weil ich mir zuweilen daraus mit Herrn Wolffgangen und Litzbergen, einen lustigen Zeit-Vertreib zu machen suchte. Ich habe aber auch mit allem Fleisse allhier nichts mehr von dergleichen Possen anführen wollen, erstlich darum: weil dem gegen. Leser mit dem Uberflusse ein Eckel erweckt werden möchte, vors andere weil mir Mons. Kramer selbst gestanden, dass er die Abschrifft von allen diesen Raritäten, wenige Zeit hernach, einen guten Universitäts-Freunde anvertrauet, welcher dadurch bewogen worden, die Delicias Medicas & Chirurgicas des berühmten Leipziger Chirurgi Monetons alias Müntzer seel. zu continuiren, ob es geschehen weiss ich nicht, Mons. Kramer aber fuhr damahls in seiner Erzehlung also fort:

Meine Condition bei diesem mann war endlich noch so ziemlich passable, weil ich sehr selten zu haus auf der Barbier-stube sein konte, sondern von Morgen an biss gegen Abend mehrenteils meine bestellte Arbeit, an Barbiren und Verbinden bei der Hoffstatt, auch das meiste Brod auf dem schloss zu essen hatte, wohinnauf mein Herr sehr selten kam, als wenn er etwa gerufft wurde, denn deutsch von der Sache zu reden, so bekam er die Besoldung nur aus puren Gnaden und wegen seiner in den jüngern Jahren wohlgeleisteten Dienste, die er nunmehr, als ein gar zu starcker Liebhaber des Sauffens, nicht wie vor der Zeit, verrichten durffte und konte. Zu seinem desto grösseren Unglück starb der alte regierende Fürst, und weil mein Principal bei dessen Beisetzung sich ganz ausserordentlich liederlich aufgeführet hatte, bekam er wenig Wochen hernach seine völlige Dimission, mitin traten auch die besten Kund-Leute bei hof und in der Stadt zu einem andern über. Er wurde solchergestalt nur desto desperater im sauffen, spielen und andern liederlichen Streichen, ruinirte sich und die seinigen immer mehr und mehr, so dass ich den Jammer bei seiner sehr vernünfftigen Frau und 6. Kindern nicht mehr ansehen konte, sondern meinen Abschied nahm, und nachher erfuhr, dass ihn der Wein, Bier und Brandtewein, noch zu rechter Zeit ins Grab gebracht hatten, wie seelig er aber gestorben, weiss ich nicht.

Mich führte ein glückliches Fatum von dieser Residenz-Stadt hinweg und auf eine berühmte Universität, wo ich zwar so gleich keine Condition zu hoffen hatte, jedoch von einem genereusen LandsManne, auf seine stube genommen und ausser der Kost und Kleidung in allen defrayret wurde. Dieser mein Lands-Mann studirte Medicinam, und da ich kaum zwei Tage bei ihm gewesen, erwachte bei mir auf einmal wiederum die Lust zum Studiren. Mein Vormund wegerte sich nicht, mir nunmehr, da ich majorennis worden, und ihm doch nicht gleich zu Halse gelauffen kam, 100. Tlr. zu schicken, welches aber auch das letzte Geld war, welches ich von meinen Väterlichen und Mütterlichen Erbteile empfangen habe, ungeachtet ich meiner gemachten Rechnung nach, wenigstens noch 800. Tlr. rückständig zu haben vermeinete. Jedoch da ich mich weder einiges Betrugs, noch andern Unglücks befürchtete, machte sich mein, auf das Studiren so sehr erpichtes Gemüte dessfalls keinen Kummer oder Argwohn, sondern ich repetirte, mein bisshero immer sehr warm gehaltenes Latein, aufs allerfleissigste, mit einem zwar armen, jedoch gelehrten Studenten, welchen ich alle Tage einmal gratis mit zu Tische führte, und ausserdem, wöchentlich einen halben Taler Geld, vor tägliche 4. stündige Information, im Latein- und Griechischen, bezahlete. Solcher gestalt konte mich nun mit ziemlicher Renommeé in den