ich mich mit aller Gewalt bequemen, auf den Wagen zu steigen und die Reise mit Sack und Pack zurück in seine Behausung anzutreten. Ich merckte daselbst in kurtzen, dass er gesinnet sei mich nur zu einem haus-Püffel aufzuziehen, denn ich wurde täglich zum Bier-Brauen, Branteweins-Brennen, Vieh-Mästen und anderer groben haus-Arbeit angewiesen, allein dergleichen kam mit meiner schwachen Leibes-Constitution schlecht, und mit meinem Genie noch schlechter überein, deswegen begehrte ich durchaus meine Bücher, des Willens, wiederum auf vorige Schule zu lauffen, verlangte auch weder Geld noch Kleid dazu, sondern hatte das gute Vertrauen: GOTT würde schon Leute erwecken, die einen Knaben, der so grosse Lust zum studiren bezeugte, mit guten Rat und würcklicher Hülffe begegneten. Allein mein Suchen war vergebens, hergegen schlug man mir, da ich mich durchaus um die Oeconomie nicht mehr bekümmern wolte, bald dieses bald jenes Handwerk vor, jedoch alle solche waren mir zu schlecht. Man brachte mich zur Handlung auf die probe, bei einen sehr bemittelten Kaufmann, da ich aber gleich in den ersten 6. Wochen als ein Hund aus einem Winckel in den andern gestossen wurde, und diese Marter 6. Jahr gedultig auszustehen Befehl bekam, lieff ich darvon. Man brachte mich zu einem Gold-Schmiede, da ich aber merckte, dass mir in künfftigen Jahren, das sitzen so beschwerlich als die gegenwärtige schmutzige Arbeit fallen würde, über dieses in Gefahr stehen müste ganz frühzeitig blind zu werden, lieff ich darvon. Man brachte mich auf die Apoteke, hieselbst war die Arbeit vor den jüngsten Jungen noch schmutziger, meine hände wurden so garstig, dass ich mich selbst scheuete daraus zu essen, muste auch den ganzen Tag biss in die späte Nacht, die gröste Kälte an Händen und Füssen ausstehen, und durffte, bei allen meinen Schmertzen, nicht einmal eine betrübte Mine machen, deswegen lieff ich auch da darvon. kurz! Mein Vormund mochte mich hinbringen, wohin er wolte, ich lieff darvon und wolte nirgends bleiben als auf der Schule, da aber selbiger dennoch bei seinem Schlusse blieb: mich durchaus nicht studiren zu lassen, sondern meine Kleider verschloss, und mich mit Stuben-Arrest, Schlägen, Hunger und andern Plagen so lange quälete, biss ich endlich versprach mir selbsten eine Profession auszusinnen und darbei gut zu tun, erwehlete ich endlich die Chirurgie und Barbier-Kunst, und wurde zu einem berühmten Meister derselben gebracht, in dessen Gegenwart mich mein Vormund aufs ernstlichste ermahnete und bedrohete, so ferne ich auch allhier darvon lieffe, mich alsofort in ein Zucht-haus zu bringen. Besondere Ursache hatte ich nun eben nicht an Erfüllung dieses tröstlichen Versprechens zu zweiffeln, deñ meine Frau Vormundin die mir so feind als einer Spinne war, lag ihm dieserwegen beständig in Ohren, und hätte lieber gesehen wenn ich nur ihres Hundes wegen, berits etliche Jahr im Zucht-haus gesessen hätte. Jedoch da mir die erwehlte Profession nach und nach, und zwar je länger je besser zu gefallen begunte, der Herr auch nur zuweilen etwas wunderlich, sonsten aber ein ziemlich gütiger Mann war, suchte ich mich, so viel als möglich, unter die Hand meines Verhängnisses zu demütigen, und befand das gemeine Sprichwort: Lust und Liebe zum Dinge, macht alle Arbeit geringe, in der Tat wahr zu sein. Denn ich fassete nicht allein alle bei dieser Profession mir gezeigten Vorteile, weit leichter als andere so mit mir certirten, sondern machte mir die treffliche gelegenheit, in Anatomicis einen guten Grund zu legen, sehr wohl zu Nutze, wendete die, wiewohl selten müssigen Tages-Stunden, auf Lesung nützlicher Bücher, brach auch nicht selten früh Morgens ein paar Stunden vom Schlafe ab, um nur bei zeiten was rechts zu begreiffen.
Inzwischen, machte nun zwar, welches nicht zu läugnen, auch in meiner Lehre allerhand lustige Possen, jedoch weil keine Bossheit, noch besonderes Nachteil des nächsten darunter versirte, liess es mein Vorgesetzter, so dann und wann ohne Strafe hingehen, und wenn zuweilen etwas ingenieuses passirt war, merckte er es zwar, und tat doch als ob er es nicht merckte. Ich trage ein billiges Bedencken viel von solchen Jugend- und Jungens-Possen zu recapituliren, doch einen einzigen nicht gar wohl überlegten lustigen Streich, muss ich wohl melden, weil selbiger die einzige Ursache war, dass mich mein Herr zum ersten und letzten mahle mit dem Spanischen Rohre, und zwar wohl verdienter massen tractirte.
Ich muste einmahls in aller Frühe bei dem KohlenVerkauffer einen Handkorb voll Schmiede-Kohlen holen, da mich nun unter weges jemand in sein haus ruffte, setzte ich vorher meinen mit Kohlen gehäufften Korb, am rataus in einen Winckel, und ging davon, muste aber bei meiner Zurückkunfft, den Korb über die Helffte ausgeleeret erblikken, daher Not halber zurück gehen, und denselben vor mein eigen Geld wieder häuffen lassen. nachher legte starcke Kundschafft auf diesen Diebstahl, und erfuhr: dass die am Marckte, täglich sitzenden und allerhand Nasch-Waaren verkauffenden, naseweisen Mägde, benebst den alten Weibern, sich vereiniget hatten, mir diesen Streich zu spielen, welches um so viel desto eher zu glauben war; weil, so oft ich diesen Weg sonsten mit Kohlen ging, und ein oder zwei aus dem Korbe fallen liess, selbige gleich herzu lieffen wie die Katzen nach den Mäusen, denn sie wusten diese guten Kohlen, gar zu wohl in den unter sich