mit Freuden auff sich nehmen, indem er sich zum voraus versichert hielte, dabei nicht unglücklich zu sein. Ja, ja! Antwortete der Herr Magister, es ist der wahrhaffte Ernst, Ernst Gottlieb Schmeltzers, die schöne und tugendhaffte Christiana Virgilia zu heiratē, daferne sich dieselbe dazu entschliessen will, und gegenwärtiger werte Altvater, nebst ihren leiblichen Eltern darein consentiren. Auf diese Worte reichte der Altvater Herr Mag. Schmeltzern, die Hand, und sagte: Mein liebster Herr! Christiana ist euch seiten meiner zugesagt, welche sich nicht wegern wird, einen solchen schätzbaren EheGatten anzunehmen, morgen geliebtes GOTT will ich, nebst Herr Wolffgangen, bei ihren Eltern so wohl, als bei ihr selbst, vor euch werben, daferne sie sonsten von eurer keuschen Liebe noch keine nähere Kundschafft hat. Dass nun dieses letztere unmöglich sein könne, versicherte Herr Mag. Schmeltzer sonderlich, indem, wie er sagte: auch seine Augen so behutsam gewesen, ihr nicht das geringste mercken zu lassen. Da aber hierauff Herr Wolffgang seinen Schertz mit Mons. Litzbergen fortsetzte, brach der letztere endlich unverhofft freimütig heraus: dass er sich in die, ihm vor allen andern gefällige Helena, der Sophien ältesten Bruders, zweite Tochter verliebt, auch bereits ihrer Gegengunst versichert wäre, in so ferne es ihre Eltern, der Grossvater Christian, und vornehmlich der liebe Altvater Albertus erlauben würden. Des Altvaters Consens erhielt also Mons. Litzberg gleich auf der Stelle, demnach reichte ihm Herr Wolffgang die Hand und sagte: So seid mir demnach willkommen mein lieber Herr Schwager, Vetter und guter Freund, ich mercke fast, dass ihr auf der Christians-Raumer-Erde meine Schliche gefunden, und fein selbst auf die Heirat gegangen seid, damit euch nicht etwa der Bote betrügen möchte. Was aber, fuhr Herr Wolffgang fort, werden wir uns nun von unsern lieben Eberhard zu getrösten haben? Alles guts mein Herr! antwortete ich, meine Geliebte ist bereits nicht allein in die Augen, sondern auch ins Hertze gefasset, jedoch wegen ihrer an noch ziemlich zärtlichen Constitution, werde mich noch 3. oder 4. Jahr gedulden, denn mittlerweile wird mein Ansehen vielleicht auch etwas männlicher, zu dem so raten die Physici, dass es nicht allezeit wohl getan sei, wenn zwei gar zu junge Leute einander heiraten, allermassen selbige der hitzigen Liebe nicht allemahl mit behörigen verstand Einhalt zu tun wissen. Ich habe wieder eure vernünfftigen Reden nichts einzuwenden, versetzte Herr Wolffgang, allein verzeihet meiner Curiositeé, welche unmöglich ruhen kan, biss sie den Nahmen eurer Geliebten erfahren. Wiewohl ich nun anfänglich nicht Willens war, selbige heutigen Abend zu befriedigen, so quäleten mich doch alle Anwesenden so lange: biss ich endlich ausbeichten muste: dass es die niedliche kleine Cordula, aus dem Robertischen Geschlechte sei, mit welcher ich mich in ein tugendhafftes liebes-Versprechen eingelassen, jedoch da wir uns beiderseits beredet, die Vollziehung desselben wenigstens noch 3. oder 4. Jahr hinaus zu setzen, hätten wir auch aus Schamhafftigkeit, bisshero noch nicht um den Consens unserer Vorgesetzten Ansuchung tun können. Der Altvater tadelte meine getroffene Wahl so wenig als Herr Wolffgang und Mons. Litzberg, welche mich vor einigen Tagen mit meiner Schöne am Canal spatzieren gehend angetroffen hatten, und bekräfftigten sonderlich, dass man nicht leichtlich ein Frauenzimmer von angenehmer Gesichts-Bildung und netteren Gewüchse antreffen könne, ja der Altvater gab hierbei zu vernehmen: dass sie dass vollkommene Bildniss ihrer Grossmutter, nämlich seiner überaus schön gewesenen, nunmehr aber seel. Stief-Tochter, der jüngern Concordia, in ihren Gesichts-Lineamenten vorstellete. Wie denn Cordula auch erstlich von ihrer Aelter-Mutter, der ältern Concordia, biss in ihr 4tes Jahr, so dann von der Grossmutter, nämlich der jüngern Concordia, biss in ihr siebendes Jahr wohl erzogen worden, ehe beide die Schuld der natur bezahlet hätten.
Unter solchen Gesprächen ruckte endlich die Nacht heran, weswegen Herr Wolffgang nebst seiner Liebste, und Mons. Litzbergen nach haus, wir aber bald darauff zur Ruhe gingen. In folgender Woche wurden nicht allein alle Anstallten zu Beruhigung der Verliebten herzen, sondern hauptsächlich zu Einweihung des Gottes-Hauses gemacht, so dass Sonnabends vor dem 23. Sonntage p. Trinit. noch mehr aber des darauff folgenden Sonntags, mit der solennen Einweihung selbst, unser aller Arbeit und sorgfältige Bemühung den höchst gewünschten Endzweck erreichte.
Es ist nicht zu beschreiben was des Herrn Mag. Schmeltzers religieuse Anordnung und selbst eigenes andächtiges Bezeugen beim Altar und auf der Cantzel, vor ganz ausserordentlichen Eindruck in aller gegenwärtigen herzen tat. Ich und viele andere mussten offenhertzig bekennen, dass wir die geistlichen Lieder: Komm heiliger Geist HErre Gott etc. Allein GOtt in der Höh sei Ehr etc. O HERRE Gott dein Göttlich Wort etc. den christlichen Glauben etc. Das Te Deum laudamus und dergleichen noch niemals bedachtsamer und auffmerksamer gesungen hätten, als in dieser, gegen andere, ganz einfältig aussehenden Kirche, ja es kam mir vor, als wenn ich nunmehr erstlich zu erkennen anfienge, was ein rechtschaffener Gottes-Dienst sei. Herr Mag. Schmeltzer verlass und erklärete nebst dem gewöhnlichen Sonntags-Evangelio, das 6te Cap. des 2. buches der Chron. worin das Gebet entalten, welches Salomo bei der Tempel-Weihe zu GOtt abgeschickt, anbei wuste derselbe das Capitel und Evangelium ungemein erbaulich und gelehrt zu vereinigen, denn er nahm zu:
Propos. Den Zins-Groschen welchen ein jeder
Mensch dem höchsten GOtte zu geben