Kirche zu spatzirten, kam ein frischer, Alberts-Raumer Junggeselle, hinter uns her gelauffen, und brachte an: Wie Monsieur Kramer nebst seinen Europäischen Cameraden und einigen andern, sich die erlaubnis ausbitten liessen: dem Altvater und Herr Mag. Schmeltzern einen besonderen Vortrag zu tun. Es wuste niemand von uns zu erraten was sie damit haben wolten, da aber der Altvater den JungenGesellen mit lächlenden mund und der Antwort abgefertiget: dass sie in GOttes Nahmen kommen und ihr Verlangen zu verstehen geben möchten; selbiger auch kaum bei dem Trouppe angelanget war, kam Mons. Kramer, mit einem Frauenzimmer an der Hand, voran gezogen, dem die andern Europäer und noch etliche Felsenburgische Junggesellen auf gleiche Art, jeder ein Frauenzimmer an der Hand führend, in richtiger Ordnung folgeten. Hinter ihnen her, kam auch noch ein grosser Hauffe von alten und jungen Leuten, ebenfalls ganz ordentlich gezogen. Herr Mag. Schmeltzer sagte lachend: Ich wolte fast raten, dass diese 22. Paar, so ich zehle, ebenfalls so viel ehelige Verbindungen zu stifften, erlaubnis suchen werden. GOtt gebe, versetzte hierauff der Altvater mit einer frölichen Geberde, dass es wahr ist, und dass ein jedes von ihnen wohl gewehlt habe. Mittlerweile kamen die 22. Paar heran, und schlossen einen Kreiss um uns herum, Mons. Kramer, trat nach gemachten Reverenz etwas näher zum Altvater, und gab mit wohlgesetzten Worten ungefähr folgendes zu vernehmen: Nachdem nämlich die Fügung des himmels und kluge Führung des Herrn Wolffgangs sie auf diese unvergleichliche Insul gebracht, welches ihre herzen nunmehr binnen Jahr und Tag als eine ganz besondere Glückseeligkeit zu erwegen gnungsame gelegenheit, nur aber allzuwenig Vermögen gehabt ihre Danckbarkeit dagegen vollkommen abzulegen; der teure Altvater auch, nebst allen seinen werten Angehörigen, ihnen nicht nur bisshero alle unbeschreibliche Liebe und Treue erzeiget, sondern über dieses bei allen Umständen mercken lassen: wie ihm zum sonderbaren Vergnügen gereichen würde, wenn die sämmtlichen vor Jahres-Frist angekommenen Europäer, beständig auf der Insul Felsenburg verbleiben wolten, so wären sie nun allhier gegenwärtig, nicht nur selbst nochmahls um dasjenige zu bitten: was ihnen so gutertzig angeboten worden, und da es verlangt würde einen heiligen Eid zum Pfande ihrer beständigen Liebe, Treue und Redlichkeit abzulegen, sondern ausserdem, von dem lieben Altvater als dem Ober-haupt dieser Insul, gütige erlaubnis zu bitten: dass sich ein jedweder mit demjenigen Frauenzimmer, welches er an der Hand führte, durch ihren allgemeinen Seelsorger Herrn Mag. Schmelzern öffentlich und ehelich dürffe zusammen geben lassen. Immassen biss auf diese Condition, die Bräute, deren Eltern und Verwandte, ihr Ja-Wort bereits von sich gegeben hätten. Wird nun unser Suchen (setzte er hinzu) vor billig erkandt, so getrösten wir uns baldiger geneigter Willfahrung, und zwar noch vor Eintritt der Heil. Advents-Zeit, in welcher man bei den Luteranern, löblicher Gewohnheit gemäss, nicht leichtlich zu heiraten pflegt; Ist aber an einem oder dem andern unter uns etwas auszusetzen, so bitten wir ihm seine Fehler in Liebe und Güte zu entdecken, denn in dem Stücke sind wir alle eines Sinnes: unser Leben immer tugendhaffter anzustellen, damit wir desto eher den frommen eingebohrnen Felsen-Bürgern gleich werden mögen.
Der gute Altvater, fing unter Mons. Kramers wohlgegebenen Reden, vor Freuden hertzlich an zu weinen, und gab hernach zur Antwort: Lieben Freunde, ich finde an eurer keinem eintzigen, seinem verstand und Wesen nach, nicht das geringste auszusetzen. Habet Danck vor alle Liebe, Treue und Redlichkeit, so ihr mir bisshero erwiesen, und Zeit Lebens zu erweisen versprechet, doch erlaubet, dass ich vorher, eines jeden getane Wahl etwas genauer betrachte. Hiermit ging er von einem Paare zum andern, und da er jedes sehr wohl zusamen treffend befand, Küssete er alle im ganzen Creise herum, und sagte nach ausgesprochenen Väterlichen Seegen: Es soll geschehen, meine Kinder, was ihr wünschet, machet euch diese Woche geschickt, heute über 8. Tage geliebtes GOtt, wird euch Herr Mag. Schmelzer ehelich zusammen geben, und Tages darauff sollet ihr euer Hochzeit-fest ingesammt auf Herrn Wolffgangs dazu bestimmten Platz celebriren. Hierauff stattete Mons. Kramer in einer abermahligen wohl gesetzten doch kurtzen Rede, im Nahmen aller, verbindliche Dancksagung ab, und nachdem sie den Altvater auf die Burg begleitet, einen Trunck Wein zu sich genommen und sich beuhrlaubt hatten, führte ein jeder seine Braut in Gesellschafft ihrer Befreundten nach haus.
Herr Wolffgang blieb nebst seiner liebsten Sophie und kleinen Sohne noch in etwas bei uns, und weiln er sonderbare Lust zu schertzen hatte, brach er in diese belachens-würdigen Reden aus: Wenn alle Jahre eine Anzahl solcher dreusten Europäer auf diese Insul käme, dürfften die Jungfrauen bald rar werden, mein Rat wäre: Herr Mag. Schmeltzer, Mons. Litzberg und Mons. Eberhard suchten sich bei zeiten etwas liebes aus, damit sie nicht hernach etwa das Nachsehen haben müssen. Herr Mag. Scmeltzer muste selbst über dessen Worte lachen, sagte aber: Mein Herr Wolffgang! eure treuhertzige Sorgfalt sollte mich fast dahin verleiten, euch zu meinem Vorsprecher bei der artigen Christiana Virgilia anzunehmen, denn ich bin in liebes-Sachen sehr blöde, über dieses weiss auch nicht, ob ich es wagen dürffte, dem werten Altvater seine klügste haus-Wirtin abspenstig zu machen. Der Altvater lächelte hierzu, Herr Wolffgang aber fragte ganz dreuste: Ob es Ernst wäre? so wolte er die Commission