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Freunde, das Seil über die Hörner werffen, und mich durch die Heirat mit einer von meines Patrons Töchtern in ein gar honorables und austrägliches Amt ziehen wolten; verging mir auf einmal alle Lust, länger in Coppenhagen zu bleiben, nahm daher plötzlich Abschied, und war gesinnet, nach Stockholm zu reisen, allein, wie ich nachher erwogen, muste ich mich durch den Schluss des unergründlichen Verhängnisses, zu meinen nachherigen grössten Vergnügen, von einem guten Freunde, ich weiss aber selbst nicht warum, ganz leicht bereden lassen: mit ihm über Lübeck, abermals eine Reise nach Amsterdam anzutreten, welche schöne Stadt ich doch schon vor 3. Jahren gesehen hatte. Dieser gute Freund ist niemand anders als Mons. Plager gewesen, als mit welchem ich, wegen seiner besonderen Geschicklichkeit in Verfertigung Matematischer Instrumente seit 2. Jahren her eine genaue Freundschafft errichtet hatte. Unterwegs, nämlich in Lübeck, gerieten wir als Passagiers in einige Bekandtschafft mit dem Herrn kapitän Wolffgang, und setzten die weitere Reise in seiner vergnügenden Gesellschafft fort, nachdem er aber uns, ein und anderes von seinen curieusen Avanturen, und wir im gegenteil, ihm das meiste von unsern biss daherigen LebensLaüfften erzehlet, tat er uns endlich mit guter Manier den Vortrag: dass, weil wir beiderseits wenig Vergnügen in Europa zu finden vermeineten, würde kein besserer Rat sein, als in seiner Gesellschafft die Reise in ein ander Welt-teil vorzunehmen, kämen wir glücklich an denjegen Ort, wohin er gedächte, so möchten wir uns binnen 2. oder 3. Jahren entweder zum beständigen Dableiben, oder da solches nicht beliebig, zur Rück-Reise resolviren, und vollkommen versichert sein, dass er einem jeden, vor jedes Jahr 1000. Tlr. baar Geld geben, und zwar ohne das, was wir selbst erwerben könnten, auch die freie Rückreise befördern wolte.

Ich kan nicht läugnen, dass Mons. Plagern und mir dergleichen profitable Promessen anfänglich etwas verdächtig vorkamen; wir baten uns also Zeit zur Uberlegung aus, und endlich da Mons. Wolffgang unser Verständniss etwas besser öffnete, sein redliches gesicht auch eine sattsame Caution gegen alles Misstrauen stellte, wurde der Handel völlig geschlossen, ehe wir noch nach Amsterdam kamen.

Hieselbst legten Plager und ich ausser denen 1000. dukaten, die uns Mons. Wolffgang zu Erkauffung allerlei Kunst- und Handwercks-Zeuges auszahlete, unser meistes Vermögen an eben dergleichen, wie auch an nützliche Bücher und andere notdürfftige Sachen, welche so wohl als unsere Personen auf dieser schönen Insul glücklich angekommen sind.

nunmehr dancke ich dem Himmel, allen meinen gegenwärtigen Wohltätern und guten Freunden aus treuem herzen und von grund meiner Seelen vor das bisshero und noch jetzt geniessende Vergnügen. Ich schwere, dass mein Hertz vollkommene Zufriedenheit empfunden, so bald ich dieses gesegnete Erdreich betreten habe, von welchen mich, ob GOtt will, weder zeitliche Ehre, Wollust, Reichtum, oder was nur angenehmes genennet werden kan, hinweg, und in ein ander Land reitzen soll. Ich habe nach dem kläglichen Abschiede von dem körper meiner seeligen Charlotte ganz ein ander Leben angefangen, mein Dichten und Trachten auf beständige wahre Busse gerichtet, stehe auch, GOtt Lob, noch täglich darinnen, und zweiffele nicht im geringsten an Göttlicher Vergebung der grossen Sünden und Fehler meiner Jugend. Andere Specialia von meiner heutigen summarischen, jedoch ziemlich lange gewährten Erzehlung, werde, wie schon gemeldet, zu anderer Zeit kund zu machen gelegenheit haben, vorjetzo aber schliesse dieselbe mit meinem jederzeit im herzen tragenden GedenckSpruche:

O quam fausta viro labuntur sidera, tali,

Qui tempestivis crimina delet aquis!

Wie glücklich steht es nicht um einen solchen Mann, Der seine Sünden läst, wenn er noch sünd'gegen kan!

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Wir danckten allerseits dem guten Mons. Litzberg, vor das, durch seine mühsame Erzehlung, uns gemachte Vergnügen, wünschten ihm in folgenden Lebens-Jahren alle erspriessliche Gemüts- und Leibes Ruhe, wolten hierauff von Herrn Wolffgangen und seiner geliebten Wöchnerin Abschied nehmen, und auf die Burg zurück fahren, allein dieselben hatten so wohl vor den Altvater als vor uns, in einem andern Gemache, das trefflichste Nacht-Lager zubereiten lassen; weswegen sich der Altvater zum dableiben bereden liess, und erstlich folgenden Tages, nach eingenommenen Früh-Stücke wiederum zurücke fuhr, so dann fast alle Tage von Morgen an biss gegen Abend, den fleissigen fortsatz des Kirchen-Baues betrachtete. Weilen aber die hauptsächlichsten Anstallten desselhabe, unnötige Weitläuffigkeiten zu machen Bedencken trage, und von damahliger Zeit, keine besonders merckwürdige Sachen zu erinnern weiss, so will ohne weitere Umstände melden, dass unser neues GottesHauss accurat in derjenigen Woche fertig wurde, in welcher wir Europäer nunmehr vor einem vollen Jahre, dieses Land betreten hatten. Zwar will nicht läugnen, dass an den Zieraten und einigen andern, zu besserer Beqvemlichkeit gereichenden Stücken noch verschiedenes auszubessern übrig geblieben, allein solches alles war eben so besonders nötig nicht, und konte mit guter Musse vollends zugerichtet werden. genug, dass nicht die geringste Hinderniss mehr im Wege lag, den Gottes-Dienst aufs ordentlichste darinnen abzuwarten. Nun hatte zwar der Altvater mit Herr Mag. Schmeltzern verabredet: dass die Einweihung biss auf den 1. Advent ausgestellet sein sollte, allein folgender Umstand veranlassete sie, selbige 8. Tage früher anzustellen, denn am 17den Novembr. Sonntags den 22. post Trinitatis, da gegen Abend nach verrichteten Gottes-Dienste der Altvater, Herr Mag. Schmeltzer, Herr Wolffgang, Mons. Litzberg und ich nach der