halten, und rieff: heraus aus dem Wagen, Mons. von P.**, und überlasset mir meine Braut, mit welcher ich seit längerer Zeit verlobet bin, oder greifft zum wenigsten nach euren Pistolen. Nun ritten zwar drei Hand-feste Kerls hinter dem Wagen her, allein meine Compagnons und die Diener hatten ein scharffes Auge auf ihre Bewegung. Der von P.** aber sprach zu Charlotten: Mein Engel, kennen sie diesen Herrn? Warum nicht? antwortete Dieselbe, es ist ja würcklich mein Schatz, mein Lieutenant Litzberg. Hierauf sprung er aus dem Wagen, und sagte: Ha! ha! Monsieur, so ist es doch wohl billig, dass wir um die Braut tantzen, stieg hiermit auf sein ReitPferd, welches ein Kerl an der Hand führte, ergriff seine Pistolen, und streiffte auf den ersten Schuss, meinen lincken Arm mit einer blutigen Wunde, ich hingegen traff ihn, indem sich sein Pferd etwas ungeschickt wendete, durch den hohlen Leib dermassen: dass er an seinen baldigen tod zu zweiffeln, wenig ursache haben mochte. Dem ungeachtet hatte der verzweiffelte Mensch noch die Macht, sein anderes Pistol zu spannen, womit er schändlicher weise auf Charlotten zielete, und diesen irrdischen Engel augenblicklich eine Kugel durch die rechte Brust jagte, wovon sie sogleich ohnmächtig vor sich nieder auf ihr Mägdgen fiel. Der von P.**, indem er seinen Leuten zurieff: Schiesset zu! gebt Feuer! rächet meinen tot! sanck ebenfalls vom Pferde herunter, jedoch von seinen Leuten unterstund sich kein eintziger, eine Hand aufzuheben, ihre Pistolen aber liessen sie ohne eintzige Widerrede von meinen Leuten ab- und in die Lufft schiessen, auch die Steine abschrauben, da ich mittlerweile die in jämmerlichen Zustande befindliche Charlotte, mit Beihülffe ihres Mägdgens, wiederum dahin brachte, dass sie ihren Mund und Augen öffnete, und mich mit diesen kläglichen Worten anredete: Ich sterbe, mein Litzberg! und zwar durch Mörders Hand, GOtt hat nicht gewolt, dass unsere Leiber also wie die Gemüter sollen vereinigt werden, deswegen fasset euch mit Gedult. Habet Danck vor eure getreue Liebe, nehmet diese Stücke zurück, dass sie nicht in andere hände kommen. Und hiermit zohe sie alle ihre Ringe von den Fingern, band das Diamant-Creutz vom Halse, langete die goldene Uhr, wie auch ihren Coffre-Schlüssel hervor, welchen letzteren sie ihrem Mägdgen gab, mit dem Befehle, ihre rote gestickte Sammet-tasche aus dem Coffre zu langen, welches denn augenblicklich geschahe, und also überreichte mir das getreue Hertze nebst vorerwehnten Kostbarkeiten, auch diese tasche, worin etliche Kleinodien nebst 56. spec. dukaten stacken, mit folgender Ansprache: Kräncket mich nicht, mein Engel! mit Verschmähung dieser Kleinigkeiten, welche ich in keinen andern als euern Händen wissen will, zu meinem Begräbniss und vor meine Getreue, wird sich noch hinlängliches Geld und Geldes wert in meinem Coffre finden. Lebet wohl und gedencket zuweilen an eure getreue Charlotte, die euch biss in den tot vollkommen keusch geliebet hat. Ich vermeinte bei diesen letzteren Worten gänzlich in Verzweiffelung zu fallen, nahm auch Dinge vor, die man sonsten wohl bei rasenden Personen, aber an keinem Christen wahrzunehmen pfleget. Da nun hierauf Charlotte mich um GOttes, ihrer Seelen-Seligkeit und getreuer Liebe wegen bat, dieses unglückliche Verhängniss mit besserer Standhafftigkeit zu ertragen, ihre Schmertzen nicht zu vergrössern, sondern die noch wenigen Augenblicke über, so sie noch zu leben hätte, ihr einige Ruhe zu gönnen, damit sie sich in ihren herzen mit GOtt versöhnen und zum seeligen Sterben anschicken könnte, wolte ich Anstalt machen, sie an den nächsten Ort führen zu lassen; allein sie verlangte: dass wir ihr aus dem Wagen, unter einen schattigen Baum verhelffen sollten, wo sie ein wenig ausgestreckt liegen könnte, wie nun dieses geschehen, und ich ihr Haupt auf meinen Schooss gelegt, sie aber eine gute halbe Stunde in stillen und eiffrigen Gebet zugebracht hatte, fing sie aufs hefftigste an Blut auszubrechen, und gab bald darauf mit fest zusammen gefaltenen Händen ihren Tugendhafft Geist auf.
Biss hieher hatte sich Mons. Litzberg bei Erzehlung seines jämmerlichen Zufalls, ungemein standhafft erzeigt, nunmehr aber traten die Tränen auf einmal plötzlich in seine Augen, so, dass er ziemlich lange inne halten, und unser aller Weichhertzigkeit ebenfalls gewahr werden muste, ehe er sein Gespräch also fortsetzen konte.
Sie werden, meine Herrn, ohne schwer selbst begreiffen, wie mir elenden und alles Trosts unfähigen Menschen zu Mute gewesen, deswegen will nichts davon gedencken. Der von P.** hatte sich einige Minuten eher als meine Charlotte verblutet, mitin zugleich die Bitterkeit des zeitlichen Todes überstanden, ob ihm vor seinem Ende diese verdammte Mordtat gereuet hat: weiss ich nicht, denn ich habe weiter kein Wort aus seinem mund gehört, doch soll er zu seinem Diener, der ihm die Wunde zustopffen wollen, gesagt haben: Lass mich in Ruhe, es ist alles umsonst, ich muss sterben.
Ich vor meine person, wolte durchaus den entseelten körper meiner hertzlich Geliebten in das nächste Dorff oder Stadt begleiten, und daselbst zur Erden bestatten lassen; Allein meine zwei Compagnons wandten allen Fleiss an, mich daran zu verhindern, vielmehr zur schleunigen Flucht zu bereden, selbst die Diener meines entleibten Mit-Buhlers sagten: Ach Monsieur! rettet in GOttes Nahmen euer Leben mit der Flucht, denn uns wird mit eurem Blute wenig gedienet sein, bekommt man euch in hiesigen Landen