Schmarotzer halten konte, hatten einmal patroulliren und erkundigen wollen, ob Charlotte etwas ferneres von mir vernommen, oder ob ich mich etwa um selbige Gegend gezeiget, ihr auch vorgeschwatzt, ich hätte Regiments-Gelder angegriffen, und wäre mir dieserwegen der Degen, vom Stekken-Knecht vor dem Knie zerbrochen, um die Ohren geschlagen, ich also als ein Schelm vom Regiment verjagt worden, allein sie kommen in allen Stücken blind, Litzberg aber hatte das Vergnügen, damahls und nachher seine Feinde öffentlich zu schanden zu machen, denn mein, von dem General eigenhändig unterschriebener Reise-Pass, konte dissmahl Charlotten, mein Degen und Pistolen aber weiterhin allen andern das Gegenteil zeigen.
Auf solche Art wurde die Zeit unserer ersten Wiederzusammenkunfft, mit lauter ernstafften Gesprächen verbracht, doch weil ich meinen getreuen Engel umständig bat, mir wenigstens noch zweimahl an selbigen Orte eine Nacht Visite zu gönnen, um unsere fernern Anstalten zu überlegen, hatte ich dennoch die erwünschte Lust, auf ihren Rosen-Lippen die meinigen zu weiden, ausser diesen aber wurde von beiden Teilen die strengste Keuschheit observirt, denn Charlotte hatte in Wahrheit ein vollkommen Tugendhafftes Gemüte, und ich hätte lieber sterben, als mich mit dem geringsten Zeichen der Geilheit bei ihr verdächtig machen wollen. Unsere Abrede war demnach diese: dass ich sehr fleissig an sie schreiben, jedoch den Titul des briefes an ein ganz unbekandtes fräulein machen, die Briefe auch ohne Scheu an den Post-Meister des nächstgelegenen Städtgens addressiren, ihm aber nichts darvon melden sollte, weil sie bereit sei, um besserer Sicherheit willen, diesen Mann selbst auf ihre Seite zu ziehen, und ihm einzubilden: dass ihrer Baasen eine, ein Geheimes LiebesVerständniss mit einem gewissen Cavallier hätte, worin Charlotte Unterhändlerin wäre. Mit dem veränderten Nahmen und Petschafften, nahmen wir auch indessen völlige Abrede, und nachdem sie mir abermals 100. Tlr. baar Geld offerirt, ich aber selbiges ohne dringende Not nicht annehmen wolte, hingegen ihr eine, in Pohlen erbeutete goldene Uhr, nebst einem kostbaren Diamantenen Creutze einhändigte, wurde, um keinen besorglichen Verdacht zu erwecken, mit Endigung der dritten Nacht-Visite der Abschied gemacht. Die guten ehrlichen Bauers-Leute empfingen von mir, vor ihre gehabte Beschwerlichkeit, einen dukaten, und also reisete ich per Posto wiederum in mein Stand-Quartier.
Ich mercke, verfolgete hierbei Mons. Litzberg seine Rede, dass ich meine liebes-Händel ihnen, meine Herrn, vielleicht zum Verdruss etwas zu weit ausdehne, jedoch ich werde mich im Rest derselben desto mehr auf die Kürtze befleissigen, woferne dieselben sich bemühen wollen, mir noch ein halbes Stündgen zuzuhören. Der Alt-Vater Albertus versetzte hierauf: Mons. Litzberg! ihr macht mir diesen Abend eine besondere Ergötzlichkeit, ich gestehe, dass dergleichen Geschicht bei eurer so sehr stillen Gemüts-Art nicht gesucht hätte, nunmehr aber habt die Güte fortzufahren, denn mich gelüstet das Ende abzuwarten, sollte ich auch einen Excess begehen, und vor anbrechenden Tage nicht schlaffen, denn ich bin heute ohnedem ausserordentlich munter. Ich werde, replicirte Mons. Litzberg, dennoch von nun an allen Excess zu verhüten suchen, jedoch in meinem Fortsatze nicht zu viel, auch nicht zu wenig tun. Demnach fuhr er also fort:
Das Glücke favorisirte mir in so weit, dass ich zu Ende des 1717 den Jahres den Lieutenants-Platz erhielt, wie ich denn auch durch meine wenige Wissenschafft in der Matesi allein, mir nicht nur einigt vornehme gönner, sondern in kurtzen auf die 300. Tlr. erwarb, also um Ostern 1718. ein Capital von 800. Tlr. baar beisammen, und meine Eqvippage ohne diss, in vollkommen guten Stand gesetzt hatte. Mitlerweile ging die Correspondenz mit meinem liebsten fräulein nach Wunsche von statten, da ich aber eben im Begriff war, eine frische Reise zu ihr vorzunehmen, lieff die ängstliche Nachricht von derselben ein, wasmassen der Herr von V.** einen Cavalier, Nahmens A.W.v.P.** als Bräutigam zu ihr gebracht, und weil sie selbigen zu verwerffen, keine erhebliche Ursachen vorbringen können, wäre sie gezwungen worden: sich mit ihm zu verloben, doch auf solche Art, dass ihr Vormund, ihre Hand mit Gewalt in des Cavaliers Hand gelegt, und da sie sich geweigert, das JaWort zu geben, er an statt ihrer Ja gesagt hätte. Binnen 14. Tagen sollte sie demnach wieder zurück auf des Herrn v.V.** Güter geholet werden, wolte ich also sie nicht auf ewig verliehren; müste ich eiligste Anstalten zu ihrer Entführung machen.
Bei solchen Umständen war nun nicht lange zu zaudern, deswegen setzte mich nebst meinem Bedienten noch selbigen Abends, ohne Uhrlaub und alles, zu Pferde, und jagte binnen drittehalb Tagen, ohne gewechselte Pferde, zu dem, Charlotten sehr getreuen Post-Meister. Darauf folgende Nacht, machte ich Anstalten: dass meine Charlotte von meiner Anwesenheit Nachricht bekam, wir sprachen einander in der andern Nacht, nahmen Abrede, wie wir unsere Sachen aufs klügste einfädeln wolten; in der dritten Nacht aber die Flucht, weil ich ohnweit von dem Dorffe eine Extra-Post bestellet, und so wohl meine als ihre Sachen darauf geschafft harte. Es ging alles, gebrauchter Vorsicht nach, glücklich von statten, und ich brachte vermittelst verschiedener Extra-Posten meine Geliebte glücklich zu meines Vaters Schwester-mann dem oben-erwehnten Secretario, selbiger hatte die Beschaffenheit des ganzen Handels kaum uberlegt, da er