, ich aber wuste anfänglich nicht wie mir geschahe, doch da ich vermerckte, dass es Ernst war, machte ich das gebräuchliche Gegen-Compliment, und liess mir immerhin belieben Lieutenant zu sein.
kurz drauff gelangten wir, nebst unserer gemachten Prise, glücklich wieder in Amsterdam an. Ich bekam nicht allein die Confirmation meiner Charge, sondern über dieses einen unverhofften starcken Recompens, ausser meiner zu fordern habenden doppelten Gage, die mir teils die Feder, teils der Degen verschafft hatte. Die, aus meinen mitgebrachten Waaren, gelöseten Gelder, schlug ich dazu, tat die helffte davon, als ein Capital, in Banco, die andere helffte aber wandte zu meinem Unterhalt an, nächst diesen, die Equippage auf eine frische Schiffart anzuschaffen.
Biss hierher war der kapitän Wolffgang damals in seiner Erzehlung kommen, als er, wegen einbrechender Nacht, vor dieses mal abbrach, und versprach, uns bei erster guten gelegenheit den übrigen Rest seiner Avanturen wissend zu machen. Es suchte deswegen ein jeder von uns seine gewöhnliche Ruhe-Stelle, hatten aber dieselbe kaum 3. Stunden gedrückt, als, wegen eines sich erhebenden Sturmes, alle ermuntert wurden, damit wir uns gegen einen solchen ungestümen Stöhrer unserer Ruhe in behörige positur setzen könnten. Wir verliessen uns zwar auf die besondere Stärcke und Festigkeit des getreuen Paridis, als welchen Nahmen unser Schiff führte; da aber das grausame wüten des Windes, und die einmal in Raserei gebrachten Wellen, nachdem sie nunmehr 2. Nacht und 2. Tage ohne einzuhalten getobet, auch noch keinen Stillstand machen wolten, im Gegenteil, mit hereinbrechender 3ten Nacht, ihre Wut vervielfältigten, liessen wir die Hoffnung zu unserer Lebensrettung gänzlich sincken, bekümmerten uns fast gar nicht mehr, um welche Gegend wir wären, und erwarteten, teils mit zitterenden, teils mit gelassenen herzen, die erschreckliche Zerscheiterung des schiffes, und das mehrenteils damit sehr genau verknüpffte jämmerliche Ende unseres Lebens. Allein die ErhaltungsKrafft des himmels zeigte sich weit kräfftiger, als die Krafft des Windes, und der berstenden Wolcken, denn unser Schiff muste nicht allein ohne besonderen HauptSchaden bleiben, sondern auch zu unserer grössten Verwunderung wieder auf die rechte Strasse geführt werden, ungeachtet es Wind und Wellen bald hier bald dortin verschlagen hatten; denn etwa 2. Stunden nach Mitternacht legte sich das grausame Brausen, die dicken Wolcken zerteilten sich, und bei anbrechenden schönen hellen Tage machten die BootsLeute ein Freuden-Geschrei, aus Ursachen; weil sie den Pico so unverhofft erblickten, und wir uns ganz nahe an der Insul Teneriffa befanden. Vor meine person wuste nicht, ob ich mehr Freude oder Erstaunung hegte, da mir diese ungeheure Machine in die Augen fiel. Der biss in den Himmel reichende entsetzliche Berg schien oben herum ganz weiss, weiln er Sommers und Winters hindurch mit Schnee bedeckt ist, man konte den aus seinem Gipffel steigenden Dampff ganz eigentlich observiren, und ich konte mich an diesem hochmütigen gegenstand meiner Augen die ganze Zeit nicht satt sehen, biss wir gegen Abend an die Insul anfuhren, um so lange daselbst auszuruhen, biss die zerrissenen und beschädigten Sachen unsers schiffes wieder ausgebessert wären.
Ich fand ein besonderes Vergnügen: die raritäten auf dieser Insul zu betrachten, sonderlich aber den Pico, an dessen Fuss eine Art von Bäumen stunde, deren Holtz in keinem wasser verfaulen soll. Jedoch die Spitze des berges mit zu erklettern, und dessen Rauch-Loch, so Kaldera genennet wird, in Augenschein zu nehmen, konte mich niemand bereden, ungeachtet es annoch die schönste Jahrs-Zeit dazu sein mochte. Entweder war ich nicht so sehr neugierig, als Cajus Plinius Secundus beim Vesuvio gewesen, oder hatte nicht Lust mich dergleichen fatalitäten, wie er gehabt, zu exponiren, oder war nicht Willens eine Historiam naturalem aus eigener Erfahrung zu schreiben. kurz, ich war hierbei entweder zu faul, zu furchtsam, oder zu nachlässig.
Hergegen kan ich nicht läugnen, dass ich mir bei dem kapitän den Canari-Sect vortrefflich gut schmecken liess, welcher mir auch besser bekam, als andern der Schwefel-Dampf auf dem Pico bekommen war, wir nahmen eine gute quantität dieses berühmten Getränckes, nebst vielem Zucker und andern delicatessen von dieser Insul mit, und fuhren den 12. 7br. recht vergnügt auf das Cabo Verde zu.
Es war um selbige Zeit ungemein stille See und schönes Wetter, weswegen der kapitän Wolffgang auf unser hefftiges Ansuchen sich gefallen liess, seine Geschichts-Erzehlung folgender massen zu continuiren.
Wo mir recht ist, Messieurs, fing er an, so habe letztens gemeldet, wie ich mich in Stand gesetzt, eine neue Reise anzutreten, allein weil die Herrn General Etaaten seit kurtzen mit Franckreich und Spanien in würcklichen Krieg verwickelt waren, kriegten alle Sachen eine ganz andere Gestalt, ich hielt mich zwar beständig an meinen Wohltäter, nämlich an denjenigen kapitän, der mich biss hieher glücklich gemacht hatte, konte aber die Ursache seines Zauderns so wenig, als sein künfftiges Vornehmen erraten. Doch endlich brach er loss, und eröffnete mir, dass er treffliche Pasporte erhalten, gegen alle Feinde der Republique, als ein Frei-Beuter zu agiren, weswegen er sich auch allbereit, durch Zuschuss anderer Wagehälse, ein extraordinair schönes Schiff mit allem Zubehör angeschafft hätte, so dass ihm nichts fehlete, als genungsame Leute. Wolte ich nun, setzte er hinzu, als sein Premieur-Lieutenant mit reisen, so müste mich Bemühen zum wenigsten 10. biss 12. Freiwillige aufzutreiben, wo mir dieses aber