hat, wir bleiben desswegen doch gute Freunde, ihr habt mir nichts zu Leide getan, und ich euch auch nicht, ein Schelm ders böse meint. Fale amice ich verbleibe desselben.
Monsieur
und Insonders Hochgeehrter Herr Fähnrich
Dienstwilliger Freund
N.N.R.
Cantor und Ludimoder: in N.
Wer gläubts wohl nicht, (sprach hierauf Mons. Litzberg, nachdem er uns diesen Brieff nochmahls vorlesen und Zeit lassen müssen, die von lachen ganz zerschüttelten körper wieder in Ordnung zu bringen,) dass ich über diese verzweiffelte schreibe-Art hätte halb toll und halb närrisch werden mögen, doch ich will mich mit Wiederholung meiner entsetzlich verwirrt-aufgestiegenen Affecten ganz und gar nicht aufhalten, sondern nur die listigen Anschläge entdekken, welche ich Tag und Nacht schmiedete, um den gewissen Auffentalt des Fräuleins Charlottens zu erfahren. Der Schulmeister, den ich wegen seines schändlichen Briefes in der ersten Furie den Hals zerbrochen, jedoch wenn ich ihn nur erstlich bei mir gehabt hätte, wurde nach und nach in meinen Augen und gedanken eine vortrefflich nützliche Creatur, kurz! ich war auf lauter Streiche bedacht, durch ihn zu erfahren, wohin man meine andere Seele geschafft hätte, setzte mich deswegen auf die Post, und richtete meine Reise also ein: dass ich accurat Freitags Abends in demjenigen Sächsischen Städtgen eintraff, welches nur eine kleine Meil weges von des Herrn von V.** Gute entlegen war. Ich hatte mich mit allen Dingen, welche ich zu Ausführung meines Vorhabens nötig hielt, sehr wohl versehen, und weiln gewiss versichert war, dass sich der vertrackte Cantor gemeiniglich des Sonnabends, einen guten halben Tag, in dem Städtgen zu machen pflegte, wenn er nämlich den Communicanten Wein von darselbst abholete, und sich den Rantzen bei solcher gelegenheit recht voll gutes Stadt-Bier soff, so verfärbte mein gesicht so schwartz-braun, als es sich schickte, zog einen braunen Rock an, setzte eine schwartz-braune liederliche Peruqve über meine zusammen gebundenen Haare, legte einen grossen Schwedischen Degen auf die Schulter, und einen grünen Qveer-Sack drüber, band auch einen mit etwas versilberten Messing beschlagenen Streich-Riemen vorn an die Brust, machte also eine Figur, wie ein liederlicher Scheer-Knecht oder Barbier-Geselle, ging Vormittags um 10. Uhr, des halben weges, auf diejenige Strasse, wo ich wuste, dass der Schulmeister von rechts wegen herkommen muste, legte mich hinter ein Gesträuche, und wartete mit Schmertzen auf dessen Ankunfft, war auch um 12. Uhr so glücklich, denselben zu erblicken, stunde deswegen auf, und ging sachte vorher, weil mir seine Art bekandt, dass er sehr neugierig war, und jederman gern kennen und ausfragen mochte. Es schlug mir in diesem Stücke nichts fehl, denn er verdoppelte seine Schritte so lange, biss er mich einholte, auf Befragen: Wer ich sei, und wo ich hin wolte? Bekam er zur Antwort: Ich sei ein ehrlicher Barbiers-Geselle, eines Schulmeisters Sohn aus Westphalen, und suchte Condition, aber in keiner kleinen, sondern in einer grossen Stadt, weiln ich ungeachtet meiner liederlichen Kleidung etliche 20. dukaten bei mir hätte, die ich ihm auch zeigte, und bat: mich in einen Gastoff zu führen, wo ich eine stube allein haben könnte. Er erbot sich in allen zu meinen Diensten, zumahl da ich mich verlauten liess, es müsse heute ein dukaten in Wein und Biere versoffen werden, und wenn ich auch den Nacht-Wächter zum Sauff-Bruder herzu ruffen sollte. Allein der Herr Schulmeister, den ich seit langen Jahren aus- und inwendig, er aber vor dissmahl mich nicht kannte, versicherte mich, dass es an Compagnons nicht fehlen würde, und sollte er auch allenfalls selbst einen abgeben, deswegen eileten wir fort ins Quartier, wo ich so gleich eine besondere stube bekam, und zum Willkommen 6. Maass Wein, so viel Bier, nebst andern Delicatessen, die in der Eil zu haben waren, herbei bringen liess, die Stuben-Tür abschloss, und mich mit dem Herrn Schulmeister en deux rechtschaffen lustig machte. So bald ich einen halben Tummel bei ihm verspürete, rieb ich mein Gesicht mit einen besonderen Pulver ab, liess meine Haare, nach weggeworffener Peruqve, herab fallen, weswegen er mich augenbilcklich erkandte, und vor Angst nicht wuste, wie ihm geschahe. Allein ich machte ihm alle ersinnliche Caressen, neñete ihn meinen allerliebsten Freund und Vater, drückte einen spec. dukaten in seine Hand, soff den Hansen brav aufs Leder, machte sein Hertze zur welcken Rübe, und erfuhr endlich, nicht nur meiner liebsten Charlotte wahrhafften Auffentalt, sondern auch alles andere, was er von meinen und ihren Affairen vernommen hatte. Hierauf inponirte ich ihm altum silentium, versprach in zukunfft davor weit bessere Erkänntlichkeit zu erzeigen, und liess ihn durch einen zugegebenen Boten mit aufgehenden mond, biss vor sein haus begleiten.
Noch selbige Nacht nahm ich eine Extra-Post, und reisete wiederum meinem Quartier zu, weiln nicht länger als auf 5. oder 6. Tage Uhrlaub genommen hatte, nunmehr aber, bat auf einen oder 2. monat Uhrlaub aus, muste jedennoch 14. Tagen warten, ehe mir abzureisen erlaubt wurde, binnen dieser Zeit, schrieb ich einen abermahligen Brief an den Herrn von V.** excusirte das, mir so hoch aufgemutzte Verbrechen, schützte vor: dass es gar nichts unerhörtes sei, wenn ein fräulein einen Officier heiratete, der