. Selbiges war etwa 14. biss 16. Meilen von meiner liebsten Charlotte Auffentalt entlegen, doch weilen so gleich keinen Uhrlaub bekommen konte, eine persönliche Visite bei ihr abzulegen; muste ich die Zuflucht zu meinem Correspondenten in Halle nehmen, und in dessen Brieff ein Schreiben an meinen Engel einlegen, allein 14. Tage darauff erhielt von ermeldten guten Freunde die sichere Nachricht, dass sich meine Schöne nicht mehr bei dem Herrn von V.** aufhielte, sondern an einem andern, ihm unwissenden Ort, geschafft wäre.
Mir war hierbei nicht bange, sondern ich vermeinete wenn ich nur einen Brieff an den alten Herrn von V.** ingleichen an dessen Söhne schriebe, mich um ihrer allerseits, und beiläuffig um Charlottens gutes Auffbefinden erkundigte, so würde doch wohl einer von ihnen, ungefähr auf die gedanken geraten, mir Charlottens Auffentalt zu vermelden, zumahlen da ich glaubte: dass sie nunmehr um so viel desto mehr Estim gegen meine Personalität bezeugen würden, weiln ihnen zugleich avisirte dass ich Hoffnung hätte: binnen wenig Wochen in die Lieutenants Charge zu treten, aber weit gefehlt, denn in einigen Tagen lieff folgender verzweiffelt eckele Brieff bei mir ein:
Monsieur,
und Insonders Hochgeehrter Herr Fähndrich.
Derselbe nehme mir nicht übel, dass ich auf expressen Befehl meines gestrengen Herrn, des Wohlgebohrnen Herrn von V.** welcher das Jus Patronatus in unsern Dorffe hat, diese eigenhändige Zeilen an Denselben absenden tue. Sintemahl und demnach es nunmehr leider schon vor etlichen Wochen ans Licht gekommen, dass Er die Wohlgebohrne fräulein Charlotte verführen, und wie vermutet wird, wohl gar um ihre Fräuleinschafft bringen wollen, doch sit ferbis fenia, wo ich mich irre, hat es nach dem Ausspruche des Terentius wohl recht geheissen: Tambus omnia padefacit, welches in deutschen Reimen also klingen und lauten tut:
Es ist so kleine nichts gesponnen,
Das nicht käm mit der Zeit zur Sonnen.
Der wohlgebohrne Herr nebst seiner ganzen Hoch schlechts ist grausam erbittert und im Zorne ergrimmet auf ihn, und so gar etliche bauern selbst wollen das Ding gar nicht billigen, dass er als einer den der gestrenge Herr den Bettel Stabe entrissen, und ihn erstlich zum rechtschaffenen Kerl gemacht hat, ist so undanckbar gewesen, und hat aus dem Staube seine Augen an den Hoch Adelichen Stern-Himmel gehoben, und mit einem solchen Venus-Sterne geliebäugelt. Aber Amor fincit omnia, das heist die Liebe ist blind. Ich habe solches wohl dem gestrengen Herrn auch vorgehalten, allein ich bekam ein zorniger gesicht, als wenn ich seinen Retten-Hund mit einem Steine geworffen hätte. So wahr ihr ein ehrlicher Cantor bin, Herr Fähndrich Litzberg, der Juncker August und der Juncker Ferdinand haben euch alle beide den tot geschworen, ich rate euch nicht, dass ihr ihnen auf den feld begegnet, denn sie gehen mit unsern jüngsten Juncker alle Tage mit der Flinte spaziren herum. Cavete vos, Das heisst hütet euch. Aber doch will euch noch der gestrenge Herr, die Gnade erzeigen und tun, und euch euren Ruffert, den ihr hier stehen gelassen, hin schicken lassen, wo ihr ihn hin haben wollet, denn ich habe den Ruffert schon in meinem haus unter meinem Bette stehen, da soll ihn leichtlich kein Dieb hervor langen, ich will nur wissen wo ich ihn hin schicken soll, auf der Post oder durch einen Boten, welchen ihr aber bezahlen müsset, denn es heisst ein Arbeiter, also auch ein Bote ist seines Lohnes wehrt. Ja ich hätte es bald vergessen, ich soll euch auch schreiben, dass ihr nur nicht gedencken sollet das fräulein Charlotte wieder zu sehen, ehe sie einen Edelmann gekriegt hat. Denn eine solche schöne fräulein soll nun durchaus vor keinen andern Menschen als vor einen Edelmann gewachsen sein, welches auch niemand verdencken wird, denn es heist simulus similus gautet auf Teutsch:
Gleich und gleich gesellt sich gern,
Ein' Qvetschk hat keinen Schleen-Kern.
Ich sollte zwar auch was neues berichten, aber ich weiss nichts sonderliches, doch ja, vor 3. Vertel Jahren da ich Toffel Zaunsteckens Tochter Annen, welche mit Melcher Trutahns Sohne Tönnigesen in ein christlich Ehe-Gelöbniss getreten war, in die BrautMesse läuten sollen, fuhr der Klöppel aus der Glocke zum Schall-Loche heraus, und hat Nachbar Erbs Micheln ein jung Schwein tot geschlagen, das war aber nur eins, mir aber sind diesen Winter 3. Ferckel auf einmal erfroren, wodurch in sehr grosses Leidwesen gesetzt worden, doch was hilffts hodie michi cras tibe. Mein lieber Sohn ist von dem Hällischen Gymnastio wieder nach haus gekommen, er hat zwar nur biss in quinda gesessen, kan aber mehr als der beste Primanner, die Leute sprechen nun, ich soll ihn auf die Unverstædt schicken, aber er hats nicht nötig, ich will ihn lieber mir substiren lassen, denn ich werde doch alle Tage älter, bin ich in den Dienste nicht verhungert, wird er auch nicht verhungern. Ich schriebe gerne noch etwas mehr, habe aber gewiss und wahrhafftig kein Schnippelgen Pappier mehr im haus, und in der Schencke sind sie schon zu Bette. Wenn ich anfanges was geschrieben habe, dass euch etwa verdriessen tut, so rechnet es mir nicht zu, denn ich bin ein Mensch dazu der Obrigkeit untertan, die hat mir es befohlen fein Teutsch raus zu schreiben. Tic cur hit pflegen wir Gelehrten an unsere Studier-Stuben zu schreiben, und also habe ich tun müssen, was mir der gestrenge Herr befohlen