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mitnehmen wolten; Allein da wir ihre Absicht zeitig merckten, und allbereit in Avantage sassen, ward nicht allein ihre Arbeit und Vorhaben zunichte gemacht, sondern das beste Schiff, mit allen dem, was darauff war, erobert.

Wenn mein naturell so beschaffen wäre, dass ich mich selbst gern lobte, oder loben hörete, könnte bei dieser gelegenheit schon etwas vorbringen, das einen oder den andern überreden sollte: ich wäre ein ganz besonderer tapfferer Mann, allein ich versichere, dass ich niemals mehr getan als ein rechtschaffener Soldat, dessen Ehre, Leben und Freiheit, nebst allen bei sich habenden Vermögen, auf der Spitze stehet, bei dergleichen Affairen zu tun schuldig ist.

Jedoch man kan unter dem prætext dieser Schuldigkeit, auch der guten Sache zuweilen zu viel oder zu wenig tun, mein Beispiel zum wenigsten, kan andern eine vernünfftige Behutsamkeit erwecken; denn als wir uns an dasjenige Raub-Schiff, welches wir auch nach diesen glückl. eroberten angehengt, und bloss noch mit dem Degen in der Faust wider einander agirten, hatte sich ein eintziger Räuber, auf seinem in letzten Zügen liegenden Schiffe, einen eigenen Kampff-Platz erwehlet, indem er, durch etliche gegenund übereinander gesetzte Kasten, seinen rücken frei machen lassen, und mit seiner Mord-Sense dergestalt hausete, dass alle von unsern Schiffe überspringenden Leute, entweder tot niederfallen, oder sich stark blessirt reteriren mussten.

Ich war unter dem kapitän mit etwa 12. Mann von den Unserigen auf dem vorderteil des feindl. schiffes beschäfftiget, rechtschaffen Posto zu fassen, merckte aber, dass wir mehr Arbeit fanden, als wir bestreiten konnten, indem der eintzige Satan unsern succurs recht übermenschlich abzuhalten schien, deswegen drang als ein Blitz durch die Feinde hindurch nahm meinen Vorteil ohngefehr in Obacht, und vermeinte sogleich meinen Pallasch in seinen Gedärmen umzuwenden; allein der Mord-Bube war überall stark geharrnischt und gepantzert, daher ich nach abgeglitschten Stosse, mich selbst in der grössten Lebens-Gefahr sah, doch fassete ihn in dieser Angst von ohngefehr in das weit aufgesperrete Maul, riss die rasende Furie zu Boden, suchte am Unter-leib eine öffnung, und stiess derselben meinen Pallasch so tieff in den Rantzen hinein als ich konte.

Kaum war dieses geschehen, als nach einander etliche 20. und immer mehr von den Unserigen in das Feindl. Schiff gesprungen kamen, mich secundirten, und noch vor völlig erhaltenen Siege, Victoria! schryen. Doch es verging nicht eine halbe Stunde, so konnten wir dieses Freuden-Wort mit Recht, und in vollkommener Sicherheit ausruffen, weil wir überhaupt Meister vom Schiffe, und die annoch lebenden Feinde, unsere Sclaven waren. Ich vor meine person hatte zur ersten Beute einen ziemlichen Hieb über den Kopff, einen über die lincke Schulter, und einen Piquen-Stich in die rechte Hüffte bekommen, dazu hatte der irraisonable Flegel, dem ich doch aus besonderen staates-Ursachen, ins Maul zu greiffen, die Ehre getan, mir die vordersten Gelencke zweier Finger lincker Hand, zum Zeitvertreibe abgebissen, und da dieselben, wie man siehet, noch biss dato fehlen, ich dieselben auch auf der Wahlstatt nirgends finden können; so kan nicht anders glauben, als dass er sie par hazard verschlungen habe.

Ich konte ihm endlich diese teuer genug bezahlte zwei Bissen noch so ziemlich gönnen, und war nur froh, dass an meinen zeitero gesammleten Schätzen nichts fehlete, über dieses wurde ich noch mit dem grössten Ruhm und Ehren fast überhäufft, weiln nicht nur der kapitän, sondern auch die meisten andern Mitarbeiter und Erfechter dieses Sieges, mir, wegen des eintzigen gewagten Streichs, den besten Preiss zu erkandten. Mein Gemüte wäre der überflüssigen Lobes-Erhebungen gern entübriget gewesen, und hätte an dessen statt viel lieber eine geschwinde Linderung der schmertzenden Leibes-Wunden angenommen, weil ich, als ein auf beiden Seiten blessirter, kaum auf dem rücken liegend, ein wenig rasten konte, doch ein geschickter Chirurgus, und meine gute natur brachten es, nächst Göttl. Hülffe, so weit, dass ich in wenig Tagen wiederum auf dem obern schiffes-Boden herum zu spatzieren vermögend war. Der kapitän, so mir gleich bei meiner ersten Ausflucht entgegen kam, und mich so munter sah, sagte mit lachen: Monsieur Wolffgang, ich gratulire zum aussgange, und versichere, dass nichts als der Degen an eurer Seite fehlet, uns zu überreden, dass ihr kein Patient mehr seid. Monseigneur, gab ich gleichfalls lächelnd zur Antwort, wenn es nur daran fehlet, so will ich denselben gleich holen? Bemühet euch nicht, versetzte er, ich will davor sorgen. Hiermit gab er seinem Diener Befehl, einen Degen vor mich zu langen, dieser brachte einen propren silbernen Degen, nebst dem Gehencke, und ich muste denselben, meinen gedanken nach zum Spass, umgürten. So bald dieses geschehen, befahl er das schiffes-Volck zusammen zu ruffen, und da selbiges in seiner gehörigen Ordnung war, sagte er: Monsieur Wolffgang! ihr wisset so wohl als alle Gegenwärtigen, dass in letzterer Action unsere beiden Lieutenants geblieben sind, deswegen will euch, en regard eures letztin erwiesenen Helden-Muts, hiermit als Premieur-schiffes-Lieutenant vorgestellet haben, jedoch biss auf confirmation unserer Obern, als wovor ich guarantire. Inzwischen weil ich weiss, dass niemand von Gegenwärtigen etwas hierwider einzuwenden haben wird, will auch der erste sein, der euch zu dieser neuen Charge gratuliret. Hiermit reichte er mir die Hand