, im Jahr 1694. am 17. Octobr. in der Käyserlichen Residentz-Stadt Wien, einem Evangelisch-Luterischen Vater und einer RömischCatolischen Mutter, zu verwutlich nicht geringen Vergnügen, als die erste Frucht ihrer ehelichen Liebe, zur Welt gekommen. Mein Vater war ein guter Ingenieur und dabei Stück-Lieutenant bei der Käyserlichen Artollerie, da sich aber der Russische Czaar im Jahr 1698. kurtze Zeit in Wien aufhält, lässt er sich auf zureden desselben gelüsten, seine Dimission zu fordern, und dem Czaar mit Weib und zweien Kindern nach Moscau zu folgen. Nun hatte sich zwar mein Vater nicht allein wegen der höhern Charge, sondern auch wegen der Gage um ein wichtiges verbessert, allein es wäre vielleicht besser vor ihn und uns gewesen, wenn er die Käyserlichen Dienste nicht quittiret hätte. Denn als wir uns mit ihm in der Belagerung Narva befanden, und der König in Schweden diese Vestung im Novembr. Ao 1700. mit 8000. Mann entsetzte, und das ganze Russische Lager, nebst aller Artollerie eroberte, wurde mein guter Vater, von den Schweden, in der ersten Hitze so wohl als andere darnieder gehauen. Wo meine Mutter nebst der kleinen 4. jährigen Schwester hingekommen, habe nach der Zeit niemals erfahren können, wie gross auch dessfalls meine Bemühung gewesen. Ich vor meine person aber, der ich unter währenden grausamen Blutvergiessen aus dem Lager gelauffen, und meine Sicherheit in einem hohlen Graben gesucht hatte, wurde, nachdem ich die ganze Nacht darinnen gelegen, Hunger und Durst gelitten, auch fast gänzlich erfroren war, von zweien Schwedischen Musquetiern aufgehoben, zum Feuer geführt, und mit gnungsamer Speise und Geträncke erquickt. Hierauf wurde ich ihrem Obristen vorgestellet, welcher einem Marquetener Befehl gab, mich zu sich zu nehmen, und so gut, ja noch besser als seine eigenen Kinder zu halten, weiln er, der Obrister, davor bezahlen wolte. Ich konte, ungeachtet meiner Jugend, diesem Obristen dennoch hinlängliche Nachricht von meinen Eltern, und von meines Vaters Charge geben, deswegen liess er unter allen gefangenen Russen, fleissig nach meinen Eltern forschen, allein, dadurch erfuhr ich eben die jämmerliche Zeitung, dass mein Vater unter den toten gelegen, von der Mutter aber konte niemand von allen gegenwärtigen das geringste berichten. Mittlerweile da wir selbigen Winter wenig Wochen in Quartieren stunden, liess mir der Obriste ein sauberes Schwedisches Soldaten-Kleid nach meinen, kleinen körper machen, nahm mich in sein eigen Quartier, wo ich aufs beste verpflegt wurde, und weil mich gern um sich leiden konte, durffte mir kein Mensch eine scheele Mine machen. Der Obriste verstund und redete zwar sehr gut Deutsch, sonsten aber waren sehr wenige unter seinen Leuten anzutreffen, die meine Sprache verstehen konnten, vor mich aber war es desto elender, dass ich die ihrige gleichfalls nicht verstund. Nun hätte sich dieses zwar wohl mit der Zeit gelernet, allein der vortreffliche Obriste, war so gnädig, nicht allein zu Beförderung dessen, sondern auch wegen meiner anderweitigen Information einen feinen Menschen von einer andern Compagnie zu sich zu nehmen. Es war selbiger, wo ich nicht irre, von Geburt ein Holsteiner, und hatte einige Jahre auf deutschen Universitäten zugebracht, ich glaube aber, nachdem ich seinem ganzen Wesen etwas weiter nachgedacht, dass er vielleicht jemanden erstochen, oder eine andere sonderbare Fatalität gehabt, weswegen er seine Sicherheit unter der Schwedischen Armee in Pohlen gesucht, wie ich denn auch zweiffele, dass der Nahme Schwedeke, sein rechter Zunahme hergegen vielmehr ein selbst angenommener Nahme gewesen.
Jedoch es ist nicht nötig, dieserwegen eine genaue Untersuchung anzustellen, genug, weiln dieser Mensch gut Schwedisch, Deutsch, Lateinisch und Französisch verstund, nahm ihn der Obriste zu seinem Secretario und zu meinem Informatori an. Ich konte (es meinem seel. Vater nicht zur Schande nachzureden) zur selben Zeit, wenig mehr beten als das Vater Unser, und etliche Reim-Gebetlein, im A.B.C.buch aber war mir noch kein eintziger Buchstabe bekandt, vielweniger andere Sachen, worin sonst andere 6. biss 7. jährige Knaben schon ziemlich geübt sind. Allein, weil Mons. Schwedeke die gelegene zeiten und Stunden vortrefflich wohl in acht zu nehmen und zu nutzen wuste, ich auch eine grosse Begierde zeigte, lernete ich binnen einem Jahr vollkommen Deutsch, Lateinisch und Schwedisch lesen, auch in allen drei Sprachen ziemlich schreiben, welches letztere aber in folgenden Jahre sich weit verbesserte. deswegen muste nunmehr auch anfangen die Lateinische Sprache fundamentaliter zu erlernen, worin ich denn meinen Fleiss nicht im geringsten sparete, ungeachtet die starcken Märsche und andere Fatiguen, wie auch die blutigen Schlachten in Pohlen, viele Verhinderungen darein brachten. Ich blieb zwar mit meinem Informatore beständig bei der Bagage, jedoch weil die Schweden mehrenteils siegten, hatten wir nicht selten gelegenheit, den allererschrecklichsten und jämmerlichsten Zustand auf den Wahlstädten zu betrachten. Zeit Lebens aber werde ich an den grausamen Anblick des Wahlplatzes, bei einem Gross-Pohlnischen Städtgen, Fraustadt genannt, gedencken, wo die guten Sachsen eine erbärmliche Niederlage erlitten hatten. Meine Haut schaudert sich noch, wenn ich daran gedencke. Ich wolte meine Augen immer davon abwenden, jedoch wohin? denn überall zeigte sich Blut und Mord. Die erschlagenen Russen und Sachsen jammerten mich weit mehr, als die Leichen der Schweden, und zwar aus keiner andern Ursache: als weil die letzteren meinen seel. Vater ermordet hatten, und in Erwegung dessen konte nicht umhin, auf diesem Wahl-platz häuffige