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informiren, ich aber muste täglich zwei Stunden zum Latein, eine Stunde zum schreiben, und eine Stunde zum rechnen mit ihnen anwenden, so dass diese Knaben früh von 6. biss 10. Uhr, und Nachmittags von 1. biss 5. Uhr, in beständigen Fleisse verharren mussten, also hatte ich früh von 8. biss 10. Uhr das Latein, Mittags von 1. biss 2. Uhr das Schreiben, und von 2. biss 3. Uhr das Rechnen mit ihnen vor. Es kostete gewiss ein wenig Mühe, allein der Nutzen war dieser, dass aus diesen Knaben solche Leute werden sollten, welche hernachmals vermittelst ihrer erlangten habiliteé in ihren Geschlechtern wiederum die andere Jugend lehren könnten. Ausser diesen hielt Herr Mag. Schmeltzer nicht allein alle Sonntage Nachmittags, sondern auch Mittwochs, auf Herrn Wolffgangs Taffel-platz, oder in der Davids-Raumer Alleé, vor die Simons-Alberts-Davids- und Stephans-Raumer- und Freitags im grossen Garten vor die Christians-Roberts-Christophs-Johannis- und Jacobs-Raumer Jugend, eine 3. stündige Kinder-Lehre, um selbige von zarter Kindheit an, in den Glaubens-Articuln der christlichen Lehre recht zu gründen. Mons. Litzberg hatte gleichergestallt 4. geschickte Knaben zu sich in seine wohnung genommen, welchen er nach und nach die Mattesin von Stück zu Stück, nebst der Latinität beizubringen suchte, als in welcher letzteren ihm Herr Wolffgang nach Vermögen hülffliche Hand reichte.

Der Chirurgus Mons. Kramer, welcher seinen Sitz in Alberts-Raum genommen hatte, war ungemein eiffrig, die Kräffte und Tugenden, der auff dieser Insul befindlichen Dinge, so wohl in regno animali als minerali und vegetabili auszuforschen, und eben hierzu wurden ihm so wohl des Don Cyrillo de Valaro, als des Altvaters Alberti Schrifften und Observationes communiciret. Er sagte öffters, sein, obschon sehr starcker Vorrat an Medicamenten, den er auf Vorschub Herrn Wolffgangs mitgebracht hätte, könnte dennoch wohl mit der Zeit, teils verderben, teils alle werden, ob er schon nicht wünschen oder hoffen wolte, dass GOtt diese Insul, wegen der frommen Einwohner, mit bösen Seuchen oder besonderen Schäden straffen würde, es wäre inzwischen aber keine Sünde, sondern höchst nötig, in seiner Profession immer mehr und mehr zu untersuchen. Zu dem Ende hatte er sich 3. habile Knaben zur Hand gewöhnet, mit welchen er täglich botanisiren ging, und sich nebst dem die gröste Mühe gab: ihnen die Teoriam von seiner Profession bei zu bringen, weil es damahliger Zeit in Praxi vor ihn nicht viel zu tun gab als wovor wir GOtt besondere ursache zu dancken hatten, sintemahl es kein grosses Wunder gewesen, wenn bei dergleichen schweren Bau jemand zu Schaden kommen wäre.

Ausser seiner Profession war Mons. Kramer ein grosser Liebhaber vom Garten-Werck und ViehZucht, weswegen Mons. Litzberg die Helffte, von dem aus Europa mitgebrachten Vieh und Geflügel, unter seiner Auffsicht in Alberts-Raum überliess, die andere Helffte aber war nach Christophs-Raum gebracht worden, wo Herr Wolffgang nebst Litzbergen, ihr Vergnügen hatten: dessen ordentliche Verpflegung ihren Freunden zu lehren. Weiln aber doch voritzo eben von unsern Tieren zu schreiben im Begriff bin, wird es vielleicht nicht allzu unangenehm sein, wenn ich beiläuffig melde, wie stark sich dieselben binnen der ersten Jahres-Frist unseres daseins, vermehret haben. Von rechtswegen hätte zwar erstlich von Vermehrung der Menschen gedencken sollen, allein ich spare solches nicht unbillig biss zum Beschluss des Kirchen-Jahres, da Herr Mag. Schmeltzer christlicher Gewohnheit nach, die Specification der gebohrnen, gestorbenen, copulirten und confirmirten, öffentlich von der Cantzel verlass. Demnach gebe zu erwegen, dass der Göttliche Macht-Spruch: Seid fruchtbar und vermehret euch etc. sich auch in diesem kleinen Welt-Teile, dessen Erde wohl dergleichen Tier-Arten noch niemals getragen, noch eben so kräfftig, ja recht wunderbar Seegenreich erzeiget. Denn 1.) Von den jungen Zucht-Stuten waren 2. Füllen gefallen. 2.) 4. Kühe hatten so viel Kälber gebracht. 3.) 3. Zucht-Sauen hatten ingesammt 33. junge Schweine geworffen, und 4.) Fünff Schaafe 7. Lämmer erzeugt, die übrigen wann verunglückt. 5.) Zwei Eselinnen gaben auch so viel junge Esel. 6.) 4. Welsche Hüner hatten ingesammt ohne die verunglückten, 42. junge aufgebracht. 7.) Von 18. HaussHünern waren 4. Stück umkommen, und bei denen noch übrigen 14. alten, und 3. Hähnen, befanden sich ingesammt 123. junge Hühnlein. 8.) Bei 6. alten Gänsen, lieffen 39. junge Gänse herum. 9) 6. alte Endten führeten 34. junge. 10.) 6. paar alte Tauben hatten 14. paar lebendige junge geheckt. 11.) Zwei Hündinnen hatten 9. junge Hunde, und 12.) 2. Katzen 8. junge Kätzlein. 13.) Wie viele junge aber die 3. paar Caninichen zur Welt gebracht, konte man nicht wohl bemercken, denn sie waren alle weiss, und kamen niemals auf einmal zum Vorscheine.

Demnach hatten wir im November 1726. an Europäischen Viehe, 6. Pferde, als nämlich 3. Hengste und 3. Stuten, 10. Stücken Rind-Vieh, und zwar 2. Ochsen, und ein Ochsen-Kalb, 4. Kühe und 3. ZuchtKälber. 15.