, in vielen Jahren weder an Kleider, Wäsche, noch andern unentbehrlichen Dingen Mangel zu haben, befürchten dürffte, daferne nur GOtt solche Sachen vor Feuer und wasser bewahret; Allein ich weiss, dass es ihm verdrüsslich fällt, seinen Ruhm selbst mit anzuhören. Welcher Mensch auf der Welt sollte nun wohl zweiffeln, dass ein solcher PfarrDienst, wie der meinige, als der allervergnügteste in der ganzen Welt zu achten sei? ich vor meine person, spüre nicht die geringste Lust, mit dem allervornehmsten Teologo, er sei ein Königl. oder Fürstl. Hof Prediger, ein General-Superintendens, Doctor oder Professor, oder was er sonsten wolle, Ammts, Ehre oder Einkünffte halber umzutauschen, habe also die gröste Ursache, gleichwie bei allen, mir zugestossenen Fatalitäten, also auch bei meinem itzigen vergnügten Zustande, und zum Beschluss meiner bissherigen Lebens-geschichte dieses mein Symbolum auszuruffen: Der Nahme des HErrn sei gelobet.
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Hiermit endigte unser wertester Seelsorger vor dieses mahl seine Erzehlung, und vergönnete uns allen, die wir ihm aufs alleraufmercksamste zugehöret hatten, noch ein und andere gespräche darüber zu führen, wobei wir sonderlich die wunderbaren Wege des himlischen Verhängnisses betrachteten, endlich aber, um Mitter-Nachts Zeit, unsere Ruhe-Städten suchten, und auf selbigen biss zu Aufgang der Sonnnen verweileten. So bald demnach dieses grosse WeltLicht, den 3ten Tag des Wolffgangischen HochzeitFests zu beleuchten angefangen, vertrieben wir uns, nach verrichteter Morgen-Andacht, meistenteils die Zeit mit spatzieren gehen, hielten hernach, so bald sich die samtlichen Einwohner herbei gefunden hatten, dieses mahl die Mittags-Mahlzeit etwas früher als gewöhnlich, um hernach desto länger Zeit zu haben, den Rest von dem höltzernen Kropff-Vogel herab zu schiessen. Selbiger aber liess sich durch den ernstaftē Fleiss der lustigen Schützen, binnen 4. Stunden bewegen, völlig herunter zu fallen, demnach wurden die vor die Crone empfieng ein Simons-Raumer Junggeselle, eine saubere leichte Vogel-Flinte. 2.) Vor den Kopff ein Stephans-Raumer, einen ziemlich grossen küpffernen Kessel. 3.) Vor den Kropf-Hals, ein Johannis-Raumer, eine schöne zinnerne 6. Maas-Flasche. 4.) Vor den rechten Flügel, abermals ein Simons-Raumer Junggeselle: ein künstlich ausgearbeitetes schreibe-Zeug, nebst allen zur Schreiberei gehörigen Instrumenten. 5.) Vor den lincken Flügel, Herr Chirurgus Kramer: ein Futterall mit Messer und Gabel, nebst einen silbernen Löffel. 6.) Vor den rechten Fuss, ein Davids-Raumer junger Geselle: 2. grosse zinnerne Schüsseln. 7.) Vor den lincken Fuss: 6. zinnerne Teller, ein junger Geselle aus Roberts-Raum. 8.) Vor den Schwantz, Mons. Litzberg, einen schönen mittelmässigen grossen Spiegel. 9.) Das letzte Stück aber, als den Haupt-Gewinst, schoss eben derselbe junge Geselle aus Roberts-Raum herunter, welcher allbereits den lincken Flügel-Gewinnst überkommen hatte, und empfieng davor: ein feines Zeug zum neuen Kleide, nebst im Feuer verguldeten Knöpffen, und allen andern Zubehör, ausser diesem verschiedene Stücke allerlei höchst-nützlichen haus-Geräts, wie auch die Ehre, das ganze Jahr über, der Schützen König genennet zu werden. Hiernächst wurden auch etliche 20. Span-Gewinste ausgeteilet, welche ich Weitläufftigkeit zu vermeiden, nicht Specificiren will, sie bestunden aber mehrenteils in verschiedenen zur haus-Wirtschafft dienlichen Instrumenten, als Aexten, Sägen, Schnittemessern, Hämmern, Zangen, Meisseln, Grabscheitern, Schauffeln und dergleichen, welches alles Herr Wolffgang von den mitgebrachten Sachen, durch seine Liebste Sophie austeilen liess, hernach noch eine köstliche Abend-Mahlzeit gab, auch sonsten allerhand Confecturen und andere Sachen unter die Tisch-Gesellschafften verteilen liess, worauff der Freuden-Becher noch einmal herum ging, und so dann ein jeder seinem Logis zu eilete, welches etliche kaum um Mitternacht erreichen konnten, jedoch weil es um diese Zeit die ganze Nacht hindurch ungemein helle ist, kam es niemanden sonderlich beschwerlich vor.
Der hierauff folgende Sonnabend, wurde zum Ausruhen, und der Sonntag mit welchem zugleich das fest der Heil. 3. Könige einfiel, mit eifrigem GottesDienste zugebracht. Dienstags, nämlich den 8. Januar. feireten wir sämtl. Insulaner den Geburts- und Vereheligungs-Tag unseres liebsten Altvaters, welcher an eben diesem Tage, vor nunmehr 98. Jahren das Licht dieser Welt erblickt, und sich vor 78. Jahren mit der Stamm-Mutter Concordia verehligt, also einen glückseeligen Anfang zur Bevölckerung dieses gesegneten Landes gemacht hatte.
Es wurden, dieses fest zu beehren, früh Morgens 12. Stück-Schüsse getan, der Altvater tractirte auf seiner Burg die Stamm-Väter und letzt angekommenen Europäer mit einer guten Mahlzeit, wobei verabredet wurde, dass von nun an der Kirchen-Bau mit allen ernstlichen Fleisse fortgesetzt, und jede Gemeinde alltäglich 4. Manns- und 2. Weibs-Personen zur Bau-Arbeit stellen sollte, die andern aber möchten zu haus bleiben, und die Feld-Früchte, wie auch übrigen Hausshaltungs-Geschäffte besorgen.
Allein es blieb bei dieser gemachten Ordnung nicht, denn diese Leute, welche etwas weniges von den Europäischen Kirch-Gebäuden erzehlen hören, waren dermassen begierig, ihr Gottes-haus in behorigen stand zu sehen, so dass sie häuffig ja fast überflüssig herzu gelauffen kamen, und eher die sonst gewöhnlichen Feierabend-Stunden, zu ihrer haus-Arbeit und