Schmertzen ausgestanden, und zwar so lange, biss wir endlich nach angebrochenen Tage, eine mittelmässige Stadt erreichten, und uns von einem daselbst wohnhafften Chirurgo und dazu beruffenen Medico, konnten zu Hülffe kommen lassen.
Ich war der elendeste unter allen, wurde zwar am Arm und Beinen behörig verbunden, empfand auch an selbigen einige Linderung, jedoch die starcke Contusion am Rückgrad, mochte eine innerliche Inflammation verursacht haben, weswegen mich wenig Tage hernach ein hitziges Fieber überfiel, woran ich biss in die 4te Woche höchst gefährlich darnieder lag. Die Heilung meines zerbrochenen Arms, wie auch der angeschellerten Beine, wurde hierdurch um ein merckliches verzögert, endlich aber befand mich in der siebenden Woche wiederum kräfftig genug, die fernere Reise anzutreten. Mitlerweile hatte zwar zwei Briefe an euern Herrn Vater, mein liebster Eberhard, schreiben lassen, und demselben mein zugestossenes Unglücke, so wohl auch nachgehends die ziemliche Besserung zu wissen getan, allein ich habe nicht erfahren, ob dieselben richtig eingelauffen oder verlohren gegangen sind, denn bei meiner Ankunfft fand ich alles verändert in eures Vaters haus, derselbe war bereits verreiset, niemand aber konte mich berichten wohin. Dieses sonst mehr als zu redlichen Mannes besondere Fatalität kränckte mich fast noch mehr, als mein eigenes gehabtes Unglück, welches doch zugleich verursacht hatte: dass ich abmermahls um eine schöne Condition gekommen, weil selbige wegen meines allzulangen aussen bleibens allbereit mit einem andern Subjecto besetzt war.
Wer hätte wohl bei dergleichen offt wiederhohlten Streichen des falschen Glücks nicht endlich ungeduldig und zaghafft, ja gar zweiffelhafft an seiner Beförderung werden wollen? Doch GOTT sei Lob, ich bin in geziemender Gelassenheit verblieben, und habe beständig geglaubt: dass die rechte Stunde zu meiner Beförderung noch nicht erschienen sei. Nun hatte mir zwar vorgenommen, nur wenige Tage von der kümmerlichen Reise auszuruhen, hernach zu meinen, in Elbing befindlichen Geschwister zu reisen, allein es fügte sich unverhofft, dass ich vorher von gegenwärtigen Herrn Wolffgang muste ins Predig-Ammt beruffen werden. Es hat derselbe mir neulichst alles umständlich erzehlet, was zwischen und mit uns vorgegangen, deswegen will Weitläuftigkeit zu vermeiden, solches nicht noch einmal wiederholen, sondern nur melden, dass so bald unter uns alles richtig verabredet worden, ich die Reise zu meinem Geschwister aufs eiligste vornahm. Dieselben fand ich zwar nicht alle beisammen, denn der nach mir folgende Bruder, welcher die Handlung erlernet hatte, war nach Coppenhagen gereiset, und daselbst so glücklich gewesen, eine sehr begüterte junge Wittbe zu heiraten, die zweite Schwester, war allbereits dem substituirten Sohne des jenigen Priesters angetrauet, der meinen seel. Vater in der Pfarre succedirt hatte, der jüngste Bruder aber befand sich schon seit andertalb Jahren auf der Universität, dem ungeachtet erfreute ich mich hertzlich Nachricht zu erhalten, dass es einem jeglichen meiner Geschwister wohl ginge. Die älteste und jüngste Schwester empfiengen mich so wohl als mein Schwager selbst, mit freudigen Tränen, selbige aber wurden in Jammer und Klagen verwandelt, so bald sie meinen Vorsatz vernommen, eine sehr weite Reise zur See anzutreten, deswegen suchte ich sie aufs möglichste zu besänfftigen, reisete auch gleich folgendes Tages nach meiner Ankunfft, in ihrer Gesellschafft zur mittlern Schwester aufs Land. Daselbst gingen die hertzlichen Freuden-Bezeugungen aufs neue an, und ich hatte noch selbigen Abend das Vergnügen, meine jüngste Schwester an einen jungen wohlhabenden Frei-Gassen zu verloben, welcher schon seit etlichen Wochen bei ihren Geschwister um sie geworben, jedoch bisshero eintzig und allein auf meine schrifftliche Einwilligung vertröstet worden. Nach diesen teilete ich mein weniges Vermögen, nebst noch 500. Tlr. von demjenigen Gelde, so mir Herr Wolffgang geschenckt hatte, unter meine Geschwister in so weit zu gleichen Teilen aus, dass nur der jüngste Bruder 200. Tlr. mehr als die andern bekam, um seine Studia desto besser fortzusetzen. Diesem übersandte, bei dem schrifftlich von ihm genommenen Abschiede, eine sorgfältige Instruction wie er seine Zeit auf Universitäten nützlich anwenden und sich in den Stand setzen sollte, mit der Zeit ein rechtschaffener Arbeiter in dem Weinberge GOttes zu werden. Von dem Coppenhagner Bruder nahm ich ebenfalls schrifftlichen Abschied, der Mündliche aber bei den Schwestern und Schwägern war desto zärtlicher, jedoch ich sah mich verbunden dem Göttl. Ruffe zu folgen, liess mich deswegen nichts anfechten, sondern brachte alle diejenigen Sachen, so ich mitzunehmen vor höchst nötig erachtete eiligst in Ordnung, und reisete mit guten Winde zur See biss Lübeck, weiln mich aber daselbst muste ausssetzen lassen, und vernahmen: dass dem Winde nicht allerdings zu trauen, von ihm zwischen dato und Johannis-Tage nach Amsterdam geführt zu werden, also viel besser getan wäre, die Reise zu land fortzusetzen; versuchte ich solches biss Hamburg, jedoch da mich selbiges Orts andere Leute versicherten, dass ich am allergeschwindesten und beqvemsten zu Schiffe fortkommen würde, liess ich mich abermals zur Einschiffung bereden, gelangete auch solchergestallt am 22. Jun. gegen Abend, glück ich in Amsterdam an. Den folgenden Tag wendete zu Ausschiffung meiner Sachen, und nach diesen, höchst ermüdet, zum Ausruhen an, am fest-Tage Johannis des Täuffers aber, begab mich zu dem ehrlichen Herrn Wolffgang, bei dem ich meinen ehemaligen Schüler, den lieben Eberhard, mit allergrösten Vergnügen antraff, und so wohl von einem als dem andern recht hertzlich bewillkommet wurde. Nun sollte zwar noch erwehnen, welchergestallt mich Herr Wolffgang in Amsterdam, mit verschiedenen kostbaren und höchstnötigen Sachen, recht im Uberflusse beschenckt, so dass ich, nur seiner damahligen Gütigkeit wegen