er auch so gleich in Gegenwart des Capitains bewerckstelligte, doch ich vor meine person wolte meine Grossmut sehen lassen, und gab ihm seine 10. Tlr. wieder zurück, liess ihm auch seine Abbitte bei mir nicht kniend, sondern stehend verrichten.
Da also dieser verdrüssliche Handel zu allerseits ziemlichen Vergnügen geschlichtet war, und wir uns in Freiheit von dem kapitän hinweg begeben wolten, nötigte mich derselbe, noch etwas bei ihm zu bleiben, bat mit den allerhöflichsten Worten um Verzeihung, dass er auf Angeben eines wunderlichen Menschen fast gezwungen worden, mich solchergestalt zu prostituiren, und versprach mir, in Zukunfft desto grössere und stärckere Marquen seines Eftims zu geben, weil er bei dieser Affaire meiner (wie ihm zu reden beliebte) vortrefflichen Conduite erstlich vollkommen überzeugt worden. Er gab mir anbei mit einem freundlichen Lächeln den Beutel, worin sich meine 150. dukaten befanden, wieder zurück, nebst der Nachricht, wie zwar der Gouverneur schon Wissenschafft von einer mit dem Adjutanten vorgefallenen Rencontre erhalten, auch dass die 2. Hottentotten fast tödtlich blessirt wären, der Täter sei ihm aber annoch unbekandt, und müste man nun erstlich erwarten, was weiter passiren würde. Inzwischen gab er mir den getreuen Rat, alle meine Sachen nach und nach heimlich in sein des Capitains Logis zu schaffen, auch mich selbst bei ihm verborgen aufzuhalten, biss man fernere Mittel erfände, der zu befürchten habenden Gefahr zu entkommen.
Es wurde noch selbigen Tages, des redlichen Capitains Mutmassungen gemäss, nicht ein geringes Lermen wegen dieser Affaire, man hatte mich als den Täter dermassen accurat beschrieben, dass niemand zweiffelte, Monsieur Wolffgang sei derjenige, welcher den Signor Canengo, als er von ihm bei seiner Maitresse erwischt worden, zu schanden gehauen, zweien Hottentotten tödtliche Pillen eingegeben, und welchen der Gouverneur zur exemplarischen Bestraffung per force ausgeliefert haben wolte.
Jedoch der redliche kapitän vermittelte die Sache dergestalt glücklich, dass wir einige Tage hernach ohne die geringste Hinderniss von dem Cap abseegeln, und unsere Strasse nach Ost-Indien fortsetzen konnten. Ich weiss ganz gewiss, dass er dem Gouverneur meiner Freiheit und Sicherheit wegen ein ansehnliches Præsent gemacht, allein, er hat gegen mich niemals etwas davon gedacht, vielweniger mir einen Stüver Unkosten abgefordert, im Gegenteil, wie ich ferner erzehlen werde, jederzeit die gröste Consideration vor mich gehabt.
Inzwischen führte mir die auf dem Cap gehabte Avanture zu Gemüte, was vor Gefährlichkeiten und üble Suiten daraus entstehen können, wenn man sich durch eine geile liebes-Brunst auf verbotene Wege treiben lässt. Meine bräunlich-schöne Prinzessin klebte mir zwar noch ziemlich am herzen, da ich sie aber auf der andern Seite als eine Heidin und Hure eines alten Adjutanten betrachtete, verging mir, zugleich mit Wiedererlangung meines gesunden Verstandes, auf einmal der Appetit nach solcher falschen Müntze, doch stunde ich noch lange nicht in dem gradu der Heiligkeit, dass ich mein bei ihr erworbenes Geld den Armen ausgeteilet hätte, sondern verwahrete es zum Gebrauch, und wünschete ihr davor viel Vergnügen, bedaurete auch zum öfftern der schönen Brunette feine Gestalt, wunderliche fata, und sonderlich das zu mir getragene gute Gemüte.
William van Raac mochte, nachdem er mich recht kennen lernen, etwas an mir gefunden haben, das ihm gefiele; weswegen er sich öffters bei mir aufhielt, und seinen Zeitvertreib in ein und andern politischen Gesprächen suchte, auch bei gelegenheit mit besonders guter Manier allerhand Raritäten verehrte. Ich revangirte mich zwar mit diesen und jenen nicht weniger artigen Sachen, verspürete aber doch, dass er nicht eher ruhete, biss er wieder so viel bei mir angebracht, das den Wert des Meinigen vielfältig überstieg.
Ein gewisser Sergeant auf dem Schiffe, Nahmens David Böckling, mit welchem William vorher starcke Freundschafft gehalten, seit meinem Arrest aber sehr mit ihm zerfallen war, sah unser öffteres Beisammensitzen mit gröstem Verdrusse an, brauchte auch allerhand Räncke, uns zusammen zu hetzen, weil er ein sehr wüster Kopff und eben derjenige war, welcher mich am Meer-Ufer, da ich meine dukaten gezehlet, und oberwehnte Worte gesprochen, beschlichen und verraten hatte, wie mir van Raac nunmehr solches alles offenhertzig gestund. Doch alle seine angestiffteten Bossheiten waren nicht vermögend unsere Freundschafft zu trennen, sondern es schien als ob dieselbe hierdurch immer mehr befestiget würde, ich aber hatte mir fest vorgesetzt, dem Sergeanten bei erster bequemer gelegenheit den Kopff zu waschen, doch ich ward dieser Mühe überhoben, weil er, da wir uns eine Zeitlang in Batavia auf der Insul Java aufhalten mussten, daselbst von einem andern erstochen, und ich von dem kapitän an dessen Stelle als Sergeant gesetzt wurde.
Weiln ich solchergestalt doppelte Gage zoge, konte schon Etaat machen, in wenig Jahren ein ziemlich Capital zu sammlen. Nechst dem so marchandirte zwar so fleissig, doch nicht so schelmisch als ein Jude, und erwarb damit binnen 3. Jahren, ein feines Vermögen. Denn so lange waren wir auf dieser meiner ersten Reise unterweges. Sonsten begegnete mir dabei nichts eben sehr ungewöhnliches, weswegen auch, um Weitläufftigkeit zu vermeiden, davon weiter nichts gedencken will, als dass wir auf dem rückwege, um die Gegend der Canarischen Insuln, von zweien Saleeischen Raub-Schiffen attaquiret wurden. Das Gefechte war ungemein hitzig, und stunden wir in gröster Gefahr nebst unserer Freiheit, alles Gut, wo nicht gar das Leben zu verlieren. Endlich wendete sich das Blat, nachdem wir den grimmigsten Widerstand getan, so, dass sie zwar die Flucht, aber dabei unsere reich beladene Barque