meine person nicht zur Ursache des Zwiespalts, Zancks und Streits zu machen.
Meine Rückreise ging abermals zu dem offterwehnten Universitäts-Patrono, welcher nach Anhörung meiner Fatalitäten diesen Vigilianischen Vers ausrieff: Ah!
Discite justitiam, moniti, & non temnere divos.
der bei dieser gelegenheit auf Deutsch so viel zu verstehen geben sollte: Ihr Richter lernt das Recht, und gebet GOtt die Ehre, Verdammt nicht unerwegt gescheuter Leute Lehre. Dem allen ungeachtet war dieser mein grosser Patron sehr geflissen, ja ganz unermüdet, mich rechtschaffen unterzubringen, da aber bei allen Gelegenheiten ganz besonders scrupuleuse Umstände versirten, konte ich nicht anders dencken, als dass es GOttes Wille nicht sei, mich durch die Vorsorge dieses sonst sehr berühmten Mannes zu versorgen. Ihm also keine fernere Mühe mehr zu verursachen, nahm von demselben auf etliche Wochen Abschied, nachdem ich vor seine besondere Mühwaltung gehorsamst-schuldigsten Danck abgestattet, u. mich seines beständigen Wohlwollens bestens versichert hatte.
Meine Reise ging mit einem guten Freunde, der viel Lobens- würdiges an sich, und sehr fleissig Jura studiret hatte, in seine Geburts-Stadt, wo ich bei seinen vornehmen und überaus guttätigen Eltern, etliche Wochen als ein Gast zu verbleiben, mich fast gezwungen sah. Hieselbst fand nun mitlerweile gar leichtlich. gelegenheit, so wohl bei dem Ober-Pfarrer, als bei den andern Herrn Geistlichen, einen freien Zutritt zu erhalten, ja weiln nur gemeldter Ober-Pfarrer ein ziemlicher Valetudinarius war, liess ich mich per tertium bereden: um ein billiges Kost-Geld eine Zeitlang den Aufentalt in dessen haus zu suchen, an seinem Tische mit zu speisen, und ihm seine vielen Ammts-Verrichtungen, nach meinem Vermögen, und so viel als zulässig war, besorgen zu helffen. Der ehrliche Mann sah wohl, dass ich mir in keinem Stücke, auch so gar in einigen Hausshaltungs-Geschäfften, einige Mühe verdrüffen liess, wolte deswegen nicht das geringste von Kost-Gelde oder Stuben-Zinse annehmen, allein seine Ehe-Frau, die eine Dame von ganz wunderbarer Conduite, und schon ziemlich bei Jahren war, wuste sich dennoch meines Geld-Beutels auf so artige und uninteressirt-scheinende Art zu bedienen, dass sie zuweilen ein mehrers aus selbigem Zog, als das offerirte Honorarium austrug. Es war immer Schade um diesen sonst aller Ehren würdigen Mann, dass er ein Sclave der Affecten seines Weibes war, denn weil sie ihn betäubt hatte, den Bischoffs-Stab nach ihrem Willen, als eine Wünschel-Rute zu gebrauchen, so muste dieselbe bei Besetzung ein und anderer geistlichen Aemter nur auf diejenigen Personen schlagen, wo diese geitzige Frau, auf importante Spendagen sichere Rechnung machen konte. Hätte ich dieses vorher gewust, so würde mich vor diesem haus gehütet haben, so aber erfuhr alles nur nach und nach. Von vielen Exempeln nur etliche wenige zu erzehlen, so hatte um selbige Zeit ein gewisser vornehmer Herrn Diener die Unzucht begangen, sich mit einer Weibs-person fleischlich zu vermischen, welchen Flecken abzuwischen, er endlich die Copulation einging, und sich der gewöhnlichen Geld-Busse unterwarff. Wegen der Copulation wurde ihm zwar gewillfahret, andern teils aber wolte der Herr Ober-Pfarre aus ganz besonderen Ursachen beide Leute nicht eher zum heiligen Abendmahle lassen, biss sie die ordentliche Kirchen-Busse getan, und der christlichen Gemeine das gegebene Aergerniss, kniend abgebeten hätten. Der Herr des erwehnten Dieners wolte selbigen nicht gern vor allen Leuten prostituirt wissen, wandte deswegen viele Mühe an, von dem Ober-Pfarrer dasjenige Beneficium zu erhalten, welches bereits vielen andern privat-Personen vor baares Geld angediehen war; allein, ziemlich lange Zeit ganz vergebens, endlich schlug sich die Frau Primariin ins Mittel, liess erwehnten Herrn ersuchen, ihr vor ihren Sohn, der Auditeur unter der Soldatesque war, um Geld und gute Worte ein paar HirschHäute zum Collett und Hosen zu überlassen, da nun solchergestalt der Herr vermerckte, wo er Barteln müste Most holen lassen, gab er, dem im KirchenBann sich befindlichen Diener, zwei Hirsch-Häute, selbige der Frau Primariin als ein Geschenck zu überbringen, die ihm denn gleich augenblicklich völlige Abolition seines Verbrechens, nebst der erlaubnis zu wege brachte, noch selbigen Tages in den BeichtStuhl und morgendes tages zum Tische des HErrn zu kommen. Dieses hiess nun freilich seine Affecten mehr als zu stark verraten zu haben, allein, der gute Mann muste ja wohl den Binde- und Löse-Schlüssel nach seiner Frauen Anweisung gebrauchen. Zur andern Zeit hatte abermals ein im Ehestande lebender Mann sich gelüsten lassen, eine ledige Dirne zu Falle zu bringen, nachdem aber selbige die Zeichen ihrer Schwangerschafft, und über dieses leichtlich merckt: dass es am klügsten gehandelt sei, von ihrem EhrenSchänder ein Stücke Geld zu nehmen, und auf einen andern zu bekennen, findet sie bald gelegenheit, sich einem andern liederlichen Kerl zu unterwerffen, welchen sie auch hernach als Vater ihres Hur-Kindes angab. Beide Schand-Schwäger kommen hierauf mit einander zum Streite, so, dass immer einer dem andern das Vater-Recht an den Halss wirfft, biss die Sache endlich an die Geistlichkeit gelanget. Der vereheligte mag unfehlbar bessern Bescheid wissen als der andere, überbringt deswegen der Frau Primariin ein paar Päcklein feines Zeug, welches kaum mit der Elle ausgemessen, da schon der fröliche Geber von aller Schuld loss gesprochen ist, ja als der andere Mensch diesen Flecken nicht alleine wolle auf sich hafften lassen, gibt ihm der Herr Primarius