, wurde ich dergestalt zerlästert, ja fast halb tot auf den Wagen getragen, und muste, den darauff folgenden Tag über rechte Höllen-Marter ausstehen, denn die beiden jungen Satans-Engel, traten und stiessen nicht allein, fast alle Augenblicke auf meinen, ganz mit Blut unterlauffenen Leib, sondern taten mir ausserdem alle nur ersinnliche Schmach an, welches die zwei Ehrwürdigen Herrn Patres nicht nur geschehen liessen, sondern auch ihre hertzliche Freude darüber bezeugten. Selbigen ganzen Tag über, gönnete mir ihre Grausamkeit nicht das allerwenigste von Speise und Tranck, sie hergegen hatten etliche Flaschen Ungarischen Wein aufgetrieben, und soffen sich darinnen rasend voll. Abends im Logis gab mir der Kutscher etwas Brod und wasser, zum Nach-Tische aber 30. Streiche mit vorerwehnten knotigen Stricke, welches unsäglich schmertzhaffte Tractament mir alle Nacht-Ruhe verwehrete, so dass ich gegen Morgen, ohne einem eintzigen Augenblick geschlaffen zu haben, abermals auf den Wagen geschleppt wurde.
ungeachtet ich nicht schlafen konte, so hatte doch vor meinen Peinigern in etwas Ruhe, weiln alle 4. des gestrigen Tages und Nachts in Uberfluss gesoffenen Weins wegen, in einen tieffen Schlaff verfallen waren. Die auffgehende liebliche Sonne schickte einen eintzigen von ihren erwärmenden Strahlen, durch eine geringe Oefnung des Wagens auff mein Gesicht und hände, welches indem mir als etwas seltsames vorkam, mich von der Sonne bescheint zu sehen, ein inner- und äuserliches Vergnügen verursachte. Ich verrichtete deswegen mein andächtiges MorgenGebet, und bat GOTT mit heissen Zähren, daferne es sein Heil. Wille wäre, mich armes Schlacht-Schaaf, auf was vor Art ihm beliebte, aus den Händen meiner Feinde zu reissen, damit ich bei so starcken Anfechtungen, nicht etwa in Verzweiffelung fallen, oder gezwungener Weise, den wahren, allein seeligmachenden Glauben verläugnen möchte.
Dieses mein heimliches Schreien war also noch ehe ichs vermutete erhöret, und der Tag meiner Erlösung erschienen, denn ehe noch eine Stunde verlief, hielt unser Kutscher plötzlich stille, riss den Wagen auff, und fragte mit ängstlichen Gebärden in Pohlnischer Sprache: Was er anfangen sollte, indem er von ferne eine Schwedische Partei zu Pferde auf uns zu kommen sähe? Ich verstund alles sehr wohl, ohne dass es meine Feinde vermeinten, wünschte also von herzen, dass uns die Herrn Schweden anhalten möchten. Die Patres so wohl als ihre jungen Henckers-Buben, liessen deutlich mercken dass ihnen das Hertz im leib zittere, wenn sie nur das Wort, Schweden, nennen höreten, wurden auch sämtlich so blass wie Leichen, fasseten aber einen kurtzen Schluss und sagten: Der Kutscher solle nur Lincks um machen, und aufs schnelleste dem dicksten wald zu eilen. Dieserwegen schien die Hoffnung meiner Erlösung in den Brunnen zu fallen, allein die guten Herrn Patres hatten sich mit ihren Aussweichen selbst verdächtig gemacht, also vermerckten die Herrn Schweden Unrat, gaben ihren Pferden die Sporn, jagten Quer-Feld ein, ertappten also unsern Wagen kurz vor dem wald.
Wie ich nach der Zeit vernommen, haben wir uns damahls eben in Pohlen auf der Land-Strass zwischen Kruswick und Gnesen befunden, so bald aber die Herrn Patres merckten, dass ihnen die Schweden auf dem Halse waren, und bereits dem Kutscher mit aufgezogenen Carabinern bedroheten, ihn, bei verweigerten Stand halten, vom Pferde herunter zu schiessen, stiegen alle beide aus dem Wagen, und vermeinten sich mit List von den Schweden loss zu wickeln, indem sie vorgaben: dass sie Kruswikische Geistliche, und in einigen daherum liegenden Dörffern Zinsen eintreiben wolten, hätten aber noch zur Zeit keinen Choustack, (welches eine Pohlnische Müntz-Sorte ist) einbekommen, allein der commandirende Officier, nahm zwar diesen Bericht taliter qualiter an, liess sich aber dennoch die Lust ankommen zu sehen, ob sonsten etwas verdächtiges im Wagen anzutreffen sei. Als er demnach die Leder zurück risse und hinein schaute, raffte ich mich eiligst auf und schrye ihm entgegen: Ach mein Herr! ich zweiffele fast nicht, dass ihr ein guter Evangelischer Christ seid, deswegen habt die Barmhertzigkeit einen armen Evangelischen Priesters Sohn, aus den Händen dieser grimmigen Leute zu erretten, welcher schon viele Wochen daher, von ihnen entsetzliche Marter erdulden müssen, weil er dem Evangelisch-Luterischen Glauben nicht abschweren will. Ja mein Herr, fuhr ich fort, ihre Reise ist voritzo hauptsächlich darum angestellet: mich in ein abgelegenes Closter zu stecken, wo ich gewiss durch weit mehr Quaal und Marter zum Abfall gezwungen werden, oder darinnen jämmerlich sterben soll.
Wie klinget dieses, meine schönen Herrn Patres? fragte hierauff der Officier, indem er sie beide mit einer martialischen Mine ansahe, hierauff gab der eine, welcher ein ausgelerneter Ertz-Vogel war, dem Scheine nach, ganz unpassionirt und lächelnd zur Antwort: Gestrenger Herr! Sie können nicht glauben, was massen dieser Bube eine rechte Quinta Essentia aller Schelmen ist, die nur auf der Welt leben können. Man bedencke nur, was vor eine verzweiffelte Lügen derselbe sogleich vorbringen kan, indem er eines Römisch-Catolischen Kauffmanns Sohn ist. Sein Vater hat sehr viel an ihn gewendet, der Bube hat auch so ziemlich was gelernet, dabei aber mit stehlen, rauben, huren, spielen, sauffen, ja mit allen Lastern seinem Vater dermassen viel Hertzeleid zugefügt, dass dieser endlich die Patres de Societate Jesu um GOttes willen gebeten, ihn in ihre Zucht zu nehmen, damit er bekehret, und zuletzt nicht etwa an den Galgen gebracht werde.
Mentiris Cain! ja du