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biss ich überall mit meinem Blute gefärbt war. Ich schrye und winselte dergestalt erbärmlich, dass die Steine hätten mögen zum Mitleiden bewogen werden, meine Felsenharten Peiniger aber, trieben ihr Gespötte drüber, und sagten endlich, da ihr Henckers-Knecht vom zuhauen Krafftloss war: Nun könnte ich aus der Erfahrung reden, ob die Jesuiten gute oder böse Leute wären, und dasselbe in weitläufftigern Versen aussführen, gingen hiermit ingesamt davon, und liessen mich in der allerdicksten Finsterniss, im grössten Schmertzen alleine zurückke, doch kam nach Verlauff etlicher Stunden der Knecht, und brachte ein Stück Brodt, nebst einem Topffe wasser zu meiner kümmerlichen Lebens-Erhaltung, wiewohl ich vor Angst und Schmertzen wenig oder gar nicht an die Nahrungs-Mittel gedachte.

Man sollte zwar wohl meinen, dass diese grimmigen

Furien solchergestallt ihr Mütlein sattsam an mir gekühlet hätten; allein nichts weniger als dieses, denn des andern Tages kamen dieselben um vorige Zeit wieder, und trieben eben dasselbe Mord-Spiel mit meinem schwachen körper. Am dritten Tage geschahe dergleichen, so dass nunmehr fast gar nichts gesundes am ganzen leib zu finden, sondern die etliche tausendmahl zerkerbte Haut überall mit Eiter und Blut unterlauffen war. Ach wie Betete ich so fleissig: dass mich ein baldiger seliger tot, aus diesem peinlichen Zustande erlösen möchte, weil auf anderweitige Befreiung ganz und gar nicht zu gedencken war. Jedoch kein Selbst-Mörder zu werden, nahm ich in der dritten Nacht zum ersten mahle etwas Brod und wasser zu mir, konte aber selbiges nicht bei mir behalten, sondern muste es (s.v.) wiederum hinweg brechen, weswegen meine Schwachheit in wenig Stunden dermassen zunahm, dass ich nicht noch eine Nacht zu leben vermutete, gleich wohl kamen die Barbarn am 4ten Tage ebenfalls wieder mich zu quälen, deswegen redete ich sie ganz behertzt also an: So schlaget denn zu ihr Tyrannen, und weidet eure Augen an meiner zeitlichen Marter, wisset aber, dass dieser Tag vielleicht der letzte meines Lebens sein wird, und dass ihr euch werdet bequemen müssen, mir dieses Tractaments wegen vor GOttes Richter-Stuhl Rede und Antwort zu geben. Die Lotter-Buben lachten dieserhalb überlaut, und stiessen über dieses die schändlichsten Gotteslästerlichsten Reden aus ihren vermaledeiten Hälsen, befahlen auch dem Knechte, sein Amt nur getrost zu verrichten. Nachdem nun dieser, mein in die verwundete Haut ganz eingebackenes Hemde, mit Gewalt abgerissen, so dass ganze Flatschen daran hangen blieben, ich aber nicht die geringste Empfindung spüren liess, sprach er: Meine lieben Herren, meine Mühe ist vergebens, der verteuffelte Ketzer fühlet voritzo nichts mehr, der Satan hat ihn abgehärtet, lasset ihn so lange Ruhe, biss er halb wiederum heil worden, was gilts, hernach sollen meine Streiche um so viel desto hefftiger anziehen.

Hierauff redete mich einer von der jungen Basilisken-Brut also an: Höre Hund! wilstu dich entschliessen deinem Ketzerischen Glauben abzuschweren, so wollen wir alle vor dich bitten, dass dir die annoch zugedachten übrigen gerechten Strafen geschenckt werden; wo nicht, so wirstu in wenig Tagen empfinden müssen dass alles bissherige Verfahren ein blosses Kinder Spiel gegen diejenigen Martern zu achten sei, die dir annoch vorbehalten sind. Da behüte mich GOTT vor, gab ich zur Antwort, dass ich meinen allein seligmachenden Glauben verläugnen und verschweren sollte, macht mit mir was ihr wollet, GOTT kan und wird mich eher aus euerm Mord Klauen erlösen als ihrs vielleicht glaubet. Dieser Worte wegen stiess mich einer mit dem fuss dermassen in die Seite, dass mir fast aller Otem verging, meine Peiniger aber verliessen mich also vor dissmahl, ohne mir fernere Marter anzutun. Ich verhoffte ganz gewiss, dass die folgende Nacht die Letzte meines Lebens sein würde, allein selbige mochte kaum eingetreten sein, da mich zwei Knechte aus dem finstern Keller herauff trugen, und in eine ziemlich gute Cammer zu Bette brachten. Nachdem mir ein alter Chirurgus ein weisses Hembde angezogen, und meinen ganzen Leib mit einer Schmertzstillenden und heilenden Salbe bestrichen hatte, brachte man mir auch eine gute warme Suppe, eine halbe gekochte Taube, ingleichen etwas Wein, von welchen allen ich ein sehr Weniges zu mir nehmen konte, jedoch in selbiger Nacht einige Ruhe genosse.

Folgenden Morgen kam nebst dem alten Chirurgo, auch ein alter Jesuite mit vor mein Bette, da denn so bald mich der erste abermals mit der guten Salbe bestrichen, der andere so gleich ein Gespräch von meiner Religions-Veränderung anfieng. Selbiges währete länger als 2. Stunden, weil er aber dessfalls lauter unwichtige Bewegungs-Gründe aufs Tapet brachte, blieb ich endlich bei dem Schlusse: dass mir ganz unmöglich, eine andere Religion zu ergreiffen, so lange ich nicht der Unrichtigkeit von der meinen vollkommen überzeugt sei. Dem ungeachtet gab mir der alte Pater, so wohl als der Chirurgus, lauter gute Worte, weil sie mich hiermit um so viel desto eher zu gewinnen vermeineten, wolten auch sagen: es hätten ihre Schüler wieder der Ehrwürdigen Patrum Wissen und Willen, mich elenden Menschen gefangen nehmen, und dermassen zurichten lassen, nachdem es aber einmal geschehen, stünde es nicht zu ändern, jedoch sollten sie nachdrücklich genug darvor gestrafft, mir aber alles Glück und Wohlsein befördert werden, daferne ich mich nur gutwillig zu ihrer Religion bekennen, und denen Ketzereien auf ewig abschweren wolte. Allein ich glaubte von allen so viel als ich nötig zu sein erachtete, und weiln meine Resolution bereits mehr als zu deutlich ausgesprochen war, übrging ich