2. Dec. 1731.
bereitwilligster Diener
so weit es ratsam und möglich ist
GISANDER.
Kaum hatte Hn. Leonhard Wolffgangs kostbare Englische Uhr, welche nach Mons. Litzbergs in Felsenburg verfertigten Sonnen-Zeiger aufs accurateste gestellet war, Nachts zwischen dem 31. Dec. und 1. Jan. durch zwölff hellklingenge Schläge den völligen Abschied des 1725sten Jahres angemeldet, als nur erwehnte zwei werten Freunde, so wohl als ich Eberhard Julius, unsere bereits brennenden Zünd-Ruten ergriffen, und 6. von den auf dem Alberts-Hügel gepflantzten stärcksten kanonen, binnen einer Stunde 4. mahl nötigten: ihre scharff eingepresste Ladung mit Blitz und Donnern von sich zu sprühen, da uns denn bei jeglicher Salve von den 4. Wacht-Häusern auf den Felsen-Höhen, jedes Orts aus 3 kanonen geantwortet wurde; wiewohl die auf der Nord- und Ost Gegend stehenden, wegen eines starcken Süd-WestWindes sehr dumpffig, im Gegenteil die gegen Süden und Westen desto schärffer knalleten.
Nachdem aber solchergestallt das Neue 1726ste Jahr erfreulich bewillkommet und dessen Eintritt allen Felsenburgischen Einwohnern kund getan worden, legten wir uns noch einige Stunden zur Ruhe berufften aber früh Morgens um 6. Uhr, durch 3. abermahlige kanonen-Schüsse, alle andächtige herzen zum eiffrigen GOttes-Dienste; welchen Herr Mag. Schmeltzer in einer herrlichen Predigt als die allervortrefflichste Sache zur Erneuerung im Geist unseres Gemüts, nach den Worten Pauli Ephes. 4. v. 23. 24. aufs Beste recommendirte und damit gewisslich bei allen und jeden starcken Eindruck tat.
Gleich nach vollbrachten zweimahligen GottesDinste, liess Herr Wolffgang, nochmahls alle Insulaner auf morgenden Tag, zu einer erlaubten christlichen Ergötzlichkeit, wegen seiner vor wenig Wochen getroffenen Heirat, einladen, welche denn alle, so wohl grosse als kleine, nicht ermangelten, sich gegen die Mittags-Zeit in ihrer reinlichsten Kleidung einzustellen. Es waren hierzu bereits seit etlichen Tagen mit gröstem fleisse alle behörige Anstallten gemacht worden, weswegen sich in jedem Stücke die schönste Ordnung zeigte. Denn auf der schönen Ebene am fuss des Alberts-Hügels zwischen beiden Alleeen hatte Herr Wolffgang die Sitz-Städten in die Erde eingraben, die Tische mit grünen Rasen erhöhen und besetzen, rings herum aber alles mit grünen Laubwerck verzäunen, und vor den heissen Sonnen-Strahlen oben verdecken lassen, so dass es recht mit Lust anzusehen war. Es wird dem geneigten Leser nicht zuwieder sein, dass ich einen kleinen Grund-Riss davon beifüge.
A. Die Braut-Tafel.
B. Der Christians-Raumer Tisch.
D. Der Stephans-Raumer Tisch.
E. Der Johannis
F. Der Christophs
G. Der Jacobs
H. Der Simons
I. Der Davids
K. Der Roberts-Raumer Tisch.
L. 4. Koch- und Brat-Städten.
M. 3. tieffe und oben verdeckte Gruben, worin
der Wein und ander köstlich Geträncke vorrätig
war.
An der Braut-Tafel lassen: 1. Herr Wolffgang, 2. dessen Liebste Sophia, 3. Der Alt-Vater Albertus. 4. Der Braut-Vater Christian Julius, 5. Hr. M. Schmeltzer, 6. 7. Albertus Julius II. und dessen Ehe-Frau Judit, 8. 9. Stephanus Julius und dessen Ehe-Frau Sabina, sen Ehe-Frau Christina, 13. Mons. Litzberg. 14. Mons. Kramer, 15. Mons. Plager, 16. Ich Eberhard Julius. Jedoch wir 4. letzteren blieben die kurtzeste Zeit sitzen, halffen vielmehr aus Liebe gegen den Herrn Wolffgang, unsern andern letzt mit gekommenen Cammeraden, die einheimischen Gäste bewirten, welche sich, wie aus dem gemachten Abrisse zu ersehen, Geschlechter weise, jedes an einen besonderen Tisch, rangiret hatten. Der Alt-Vater aber hatte aus jedem Geschlechte einige Manns- und Weibs-Personen, die sich am besten auf die zubereitung der speisen verstunden, auserlesen; weil nun an allerhand feisten Wildpret, zahmen und wilden Ziegen-Fleisch, grossen und kleinen Vögeln, vielerlei arten von Fischen, Schildkröten, See-Kälbern, Vögel- und Schildkröt-Eiern, allerhand frischen und eingemachten Kräutern, Wurtzeln und köstlichen Früchten kein Mangel, sondern vielmehr alles zum überflusse bei Handen war, wurde gewisslich eine dermassen delicate Mahlzeit angerichtet, dass wir sämtl. Europäer zur Verwunderung gnungsame Ursache fanden. Ob nun gleich das Tafel-Zeug und andere Gerätschafften nicht so zierlich und überflüssig als in Teutschland und anderen wollüstigen Ländern bei dergleichen Gastereien anzutreffen; so ging doch alles sehr reinlich, ordentlich und vergnügt zu, zumahlen da eitler Pracht, Hoffart, Ehr-Geitz, Uppigkeit nebst der schändlichen Mocquerie von dieser Insul gänzlich verbannet zu sein schiene, hergegen lauter treuhertzigkeit und fromme Einfalt die dasige Lebens-Art desto lieblicher machte. Ich will aber eben keine unnötige Beschreibung von den aufgesetzten vielerlei speisen Gebakkens, Confituren und mancherlei Arten von Geträncke machen, indem ich die Zeit, Dinte, Federn und Pappier an merckwürdigere geschichte zu spendiren habe, also nur kürtzlich nochmahls bekräfftigen, dass bei der Mahlzeit alles vergnüglich, ehrbar und ordentlich zuging.
Nach der Mahlzeit, welche über 4. Stunden lang gehalten war, stellte Herr Wolffgang vor die jungen Leute beiderlei Geschlechts, ein Wettlauffen an, indem er etliche niedrige grüne Bäume aufrichten, und dieselben mit allerlei artigen Europäischen Waaren behängen lassen, da denn die Hurtigsten ihre Mühe mit den besten Stücken belohnet fanden, die übrigen aber mit den geringern Sachen vorlieb nehmen mussten