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ein oder anderer von dieser Sorte an meinen guten Capit. Wolffgange und andern Seefahrern zum Ritter werden will, indem sie sich, wie mir gesagt ist, ungemein gern in alle und allerlei Handel mengen. Jedoch nicht zu hitzig meine feine Herrn, mein Rat wäre, ihr liesset die Seefahrer und Felsenburgischen Einwohner, ihrer Lebens-Art und gemachten Anstallten halber, immer zu frieden, denn sie befinden sich im stand ihre eigenen Verteidiger zu sein.

Was diesem Geschicht-buch auch von Jemanden vor ein sauberer Titul durch Briefe beigelegt und sonsten mit gemeldet worden, will dem Verleger zu Gefallen so deutlich nicht anführen. Aber mein Freund, sage mir, wer hat dich zum Ausgeber oder Wagmeister der göttlichen Gnade gemacht? oder wer bist du, dass du einen frembden Knecht richtest.

Deinen Principiis nach dörfften solchergestalt gar keine Historien von allerlei Lastern, Mord, Diebsstreichen und dergleichen geschrieben werden, und zwar unter dem läppischen Vorwande, dass nicht etwa ein oder anderer zu dergleichen Lastern angereitzet werden möchte. Jedoch zur Zeit höret man nicht, dass sich jemand über etwas anders aufgehalten, als wenn etwa die Species facti eines Fehltritts über das 6te Gebot, ob schon in den allerverantwortlichsten Terminis aufs Tapet gekommen, hierbei aber werden die gezeigten üblen Folgerungen, Straffen, Erkänntniss und Reue über dergleichen Sünden, als der eigentliche Spiegel in keine Consideration gezogen.

könnte es denn aber auch wohl möglich sein, dass sich manche Leute in eingebildeter vollkomener Weissheit und Erkäntniss, von ihren schwermenden Affecten regiren liessen? Solle denn bei einem oder dem andern etwa der Pfahl gerüttelt sein, der ihm im Fleische steckt? Man sagt zwar sonst: Wer gern tantzt, dem ist leicht gepfiffen. Wer ausserordentlich verliebt ist, findet leicht was in seinen Krahm dienet. Wer gern stiehlt, macht sich die gelegenheit auch auf den schlechtesten Wochen-Märckten zu Nutze. Aber was kan denn ein Geschichtschreiber davor, wenn lasterhaffte Leute sein vorgestecktes Ziel mit Fleiss verfehlen, andere hingegen alles zu Poltzen drehen wollen.

Es würde zwar eben keine Herculeische Arbeit kosten, diese Materie etwas deutlicher, gründlicher und weitläufftiger auszuführen, jedoch weil ich eben jetzt bald Mittags-Ruhe zu halten gesonnen bin, auch ausserdem den geneigten Leser nicht mit einer solchen Vorrede aufhalten mag, welche durchzulesen, kaum der 20te Tag des Monats Junii lang genug sein möchte, so will obgemeldten censirenden Mückenseigern an statt der Felsenburgischen geschichte, das 23. Cap. Matæi zum desto fleissigern Durchlesen und sich selbst zum aufrichtigen erklären freundlich an recommendiret haben, sonsten aber versichern, dass es bei künfftigen Attaquen einiger Grillenfänger oder Mocqueurs halten werde, wie der weiland ehrliche Weidemann Erasmus. Denn dieser konte, jedoch sans comparaison, seinen Haasen nach belieben schiessen, oder auch lauffen lassen.

Tityre, tu patulae recubans sub tegmine fagi.

Liege nur immer stille und lass mich mit meiner Felsenburgischen Geschicht ungepfoppt, denn man wird zu weilen auch im Schatten von kleinen Mücken gestochen, welche sich nicht so leicht fangen und erdrücken lassen.

Basta! Ich muss aber noch mit wenigen melden, dass wenn 1) ja jemand so curieus sein sollte zu fragen: Warum ich einige Nahmen der Länder, Städte und Menschen entweder gar aussen gelassen, verkehrt oder nur mit den Initial Buchstaben und dazu gesetzten Sternleins ausdrucken lassen? ihm ad interim, bis wir einander mündlich sprechen, schrifftlich zur Antwort dienet: wie ich meine gewissen Raisons dazu gehabt, welche nach eingezogenen umständlichern Berichte hoffentlich kein Vernünfftiger tadeln wird. 2.) Dürffte vielleicht sich ein oder anderer an die im ersten Teile mit eingeschlichenen Druck-Fehler gestossen haben, weil aber hoffe, dass dadurch eben keine blauen Flecke an den Schienbeinen oder verdrüssliche Excrescenzen an der Stirn verursacht worden, so bezeuge hingegen meine Unschuld, indem das Manuscript hoffentlich ziemlich Ortographice gewesen, der beste Setzer und Corrector aber auch leichtlich etwas übersehen kan. Im übrigen werden es wohl gar kleine Kleinigkeiten sein, welche der Hauptsache keinen besonderen Abbruch tun. 3). Sage ich noch einmal und bleibe dabei, dass es mir gleich viel gilt, es mag ein oder ander, viel, wenig, oder gar nichts von der Wahrheit dieser geschichte glauben, oder darauf bestehen bleiben, dass ich mich in der Vorrede ziemlich verdächtig gemacht, als ob ich selbst nicht viel davon glaubte. Genug, es ist keine Gewissens-Sache, und ausserdem des Heil. Römischen Reichs Wohlfart gar nicht damit verknüpfft. Bei Leuten aber, die mit läppischen Vorurteilen schwanger gehen, auch so gar das, was doch vor aller Menschen Augen probabel ist, nicht einmal in ihr viereckigtes Gefässe des Gehirns fassen können, nähme ich mir nicht einmal die Mühe einen ad hunc actum notwendigen Policischen Staar-Stecher abzugeben.

Noch etwas kommt mir, indem ich dieses schreibe zu Ohren, es sollen sich nämlich ein paar Gelehrte über die in der Vorrede des ersten Teils auf der vierdten Seite lin. 10 & seq. befindliche Zeilen: Wo mir recht ist, halten – – sapienti sat: aufgehalten und dieselben als etwas zu leichtsinnige beurteilet haben; Allein an statt darauf zu antworten, will dieselben ganz freundlich auf die Vorreden des seeligen Herrn Doct. Luteri über das Buch Judit und Tobiä verweisen, und damit Holla!

Ubrigens will diesen Andern teil der Felsenburgischen geschichte nicht weiter recommandiren, als nachdem ihn der geneigte Leser nach seinem Geschmack befinden möchte, zumahlen ich voritzo nicht mehr Zeit zu verliehren habe, als meiner Schuldigkeit nach annoch zu versichern, dass ich sei

Des geneigten Lesers

den