1731_Schnabel_088_161.txt

und dieselbe bei zeiten an ihren gehörigen Ort beilegen, wo sie vor der Verwesung lange Zeit verwahret sein kan, denn ich weiss nicht, wie bald mich der tot übereilen, und solchergestalt alle meine Bemühung nebst dem guten Vorsatze, meinen Nachkommen einen Gefallen zu erweisen, gänzlich zernichten möchte. Der GOtt, dem ich meine übrige Lebens-Zeit aufs allereiffrigste zu dienen mich verpflichte, erhöre doch, wenn es sein gnädiger Wille, und meiner Seelen Seeligkeit nicht schädlich ist, auch in diesem Stücke mein Gebet, und lasse mich nicht plötzlich, sondern in dieser meiner Stein-Höle, entweder auf dem Lager, oder auf meinem Sessel geruhig sterben, damit mein körper den leichtfertigen Affen und andern Tieren nicht zum Spiele und Scheusal werde, sollte auch demselben etwa die zukünfftige Ruhe in der Erde nicht zugedacht sein: Wohlan! so sei diese Höle mir an statt des Grabes, bis zur fröhlichen Auferstehung aller toten.

***

So viel ist es, was ich Eberhard Julius von des seeligen Don Cyrillo de Valaro Lebens-Beschreibung aus dem Lateinischen Exemplar zu übersetzen gefunden, kommt es nicht allzu zierlich heraus, so ist doch dem Wercke selbst weder Abbruch noch Zusatz geschehen. Es sind noch ausser diesem etliche andere Manuscripta, und zwar mehrenteils in Spanischer Sprache vorhanden, allein, ich habe bisshero unterlassen, dieselben so wohl als die wenigen Lateinischen ins Deutsche zu übersetzen, welches jedoch mit der Zeit annoch geschehen kan, denn sein Artzenei-Buch, worin er den Nutzen und Gebrauch der auf dieser Insul wachsenden Kräuter, Wurtzeln und Früchte abhandelt, auch dabei allerlei Kranckheiten und Schäden, die ihm und seinen gefährten begegnet sind, erzehlet, verdienet wohl gelesen zu werden, wie denn auch sein allerhand nützlichen Regeln wegen der Witterung nicht zu verachten ist.

Fussnoten

1 Es ist fast zu vermuten, dass der Autor solchergestalt auf die jetziger Zeit so genannten Insulas Salomonis gekommen, jedoch in Erwegung anderer Umstände können auch wohl nur die Peru und Chili gegen über gelegenen Insuln gemeinet sein.

Wunderliche FATA einiger See-Fahrer,

Zweiter teil,

oder:

fortgesetzte

Geschichts-Beschreibung

ALBERTI JVLII,

eines gebohrnen Sachsens,

und seiner auf der Insul Felsenburg errichteten

Colonien, entworffen

Von dessen Bruders-Sohnes-Sohnes-Sohne,

Mons. Eberhard Julio, Curieusen Lesern aber

zum vermutlichen Gemüts-Vergnügen

ausgefertiget, auch par Commission dem

Drucke übergeben

Von

GISANDERN.

Vorrede.

Geneigter Leser,

Promissa sunt servanda. Dieses löbliche Sprichwort heisst in deutschen ungezwungenen Reim-Worten so viel, als:

Versprechen und halten

Steht wohl bei Alt- und Jungen.

Wiewohl nun ich, mich noch zur Zeit weder unter die Alten noch Jungen rechnen kan, so befinde mich dennoch schuldig, deinen curieusen Augen diesen Zweiten teil der Felsenburgischen Geschichts-Beschreibung vorzulegen, zumahlen ich gewisser massen überzeugt bin, dass der erste teil, wenigstens von solchen Leuten, die quid Juris verstehen, vor passable erkannt und angenommen worden.

Es hat zwar Jemand, nachdem er Permission gebeten, meine Paruque ein wenig auf die Seite zu schieben, das Trommel-Fell meines Gehörs ziemlich gerühret, indem er mir das sonderbare Arcanum publicum anvertrauet: was massen dieser Andere teil vielen zum Plaisir, einem oder etlichen aber zum starcken Chagrin gereichen würde; Allein diese mit meiner schreibe-Feder poussirte Statue in octav (von deren groben oder subtilen Ausarbeitung jetzt die Rede nicht ist) flätzschet zwar eben die Zähne nicht, wenn ihr jemand in vorbei gehen eine freundliche Mine macht, ich aber kan doch auch nicht gut darvor sein, dass die darinnen versteckte Orgel-Pfeiffe nicht brummen sollte, wenn ein naseweiser, qveer Feld einblasender Wind deren Ventil mit Gewalt aufklappen wolte.

Per Tertium, Quartum & Quintum ist mir auch gesteckt worden, dass noch ein anderer Jemand (welchen man mir eben nicht nahmhafft machen wollen) wegen einer im ersten Teile mit angeführten liebes-Begebenheit, seinen unzeitigen Eiffer ausgeschüttet, dabei aber, ich weiss nicht, ob aus Einfalt oder Schein-Heiligkeit selbst gestanden, dass er dieserwegen so gleich einen Eckel am ganzen buch empfangen, und weiter nichts darinnen lesen wollen.

Wiewohl man nun mit Leuten, die sich in ihren Beurteilungen allzusehr zu übereilen gewohnt, ein billiges Mitleiden trägt, so sehe doch nicht, warum man sich eben scheuen dürffte, ihnen mit aller Höflichkeit eine Prise Schnupff-Toback zur Reinigung des Haupts anzubieten.

Demnach möchte doch ein dergleichen imbestallter Censor, solche Sachen nicht schlechterdings auf der lincken Seite betrachten, und erstlich dartun: ob die im ersten Teile pag. 35. seq. befindliche liebes-Geschicht des kapitän Wolffgangs, propter imitationem von ihm erzehlet, und von mir nachgeschrieben worden? Oder ob Herr Wolffgang, oder ein anderer dergleichen Ausschweiffungen approbiret habe? Ich glaube, wenn man sich bemünen will pag. 54. von lin 28. und pag. 85. von lin. 15. an, ein wenig fort zu lesen, so wird sich vermutlich die Sache selbst defendiren, und mich einer Mühe, die mir ohnedem nicht hinlänglich bezahlet werden möchte, überheben.

Sonsten mag es doch wohl nicht gänzlich unwahr sein, dass sich heutiges Tages in der Welt eine gewisse Art von Sonderlingen und Super-klugen Leuten auffhalten soll, welche, wenn es allein nach ihren Köpffen ginge, wohl gar verschiedene Capitel der Heil. Bibel ausmertzen, ja die ganze reine und lautere Teologie, in eine andere, nach ihrer Phantasie gemachte Forme giessen möchte; Also nimmt es mich gar kein Wunder, dass etwa