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Mittlerzeit aber, da ich diese Straf-Predigt gehalten, hatten die zwei frommen Indianer Christianus und Petrus, auf meinen Befehl die drei verfluchten Affen-Huren glücklich erwürget, so bald nun die bestialischen Liebhaber dieses Spectacul ersahen, schienen sie ganz rasend zu werden, hätten auch meine Indianer unfehlbar erschossen, allein zu allem Glücke hatten sie zwar Gewehr, jedoch weder Pulver noch Blei, weiln der wenige Rest desselben in meiner Hütte verwahret lag. In der ersten Hitze machten sie zwar starcke Gebärden, einen Krieg mit mir und den Meinigen anzufangen, da ich aber meinen Leuten geladenes Gewehr und Schwerdter gab, zogen die schändlichen Buben zurücke, daher ich ihnen zurieff: sie sollten auf guten Glauben herzu kommen, und diejenigen Gerätschafften abholen, welche ich ihnen aus Barmhertzigkeit schenckte, nachher aber sich nicht gelüsten lassen, über den Nord-Fluss, in unser Revier zu kommen, widrigenfalls wir sie als Hunde darnieder schiessen wolten, weil geschrieben stünde: Du sollst den Bösen von dir tun.

Hierauff kamen sie alle drei, und langeten ohne ein eintziges Wort sprechen diejenigen Geschirre und andere höchstnötigen Sachen ab, welche ich durch die Indianer entgegen setzen liess, und verlohren sich damit in das Ostliche teil der Insul, so dass wir in etlichen Wochen nicht das geringste von ihnen zu sehen bekamen, doch war ich nebst den Meinigen fleissig auf der Hut, damit sie uns nicht etwa bei nächtlicher Zeit überfallen und erschlagen möchten.

Allein hiermit hatte es endlich keine Not, denn ihr böses Gewissen und zaghaffte Furchtsamkeit mochte sie zurück halten, jedoch die Rache folgte ihnen auf dem fuss nach, denn die Bösewichter mussten kurz hernach einander erschröcklicher Weise selbsten aufreiben, und den Lohn ihrer Bossheiten geben, weil sich niemand zum weltlichen Richter über sie aufwerffen wolte.

Eines Tages in aller Frühe, da ich den dritten teil der Nacht-Wache hielt, hörete ich etliche mahl nach einander meinen Nahmen Don Valaro von ferne laut ausruffen, nahm deswegen mein Gewehr, ging vor die Hütte heraus, und erblickte auf dem gemachten Damme des Nord-Flusses, einen von den dreien Bösewichten stehen, der mit der rechten Hand ein grosses Messer in die Höhe reckte. So bald er mich ersahe, kam er eilends herzu gelauffen, da aber ich mein aufgezogenes Gewehr ihm entgegen hielt, blieb er etwa 20. Schritt vor mir stehen und schrye mit lauter stimme: Mein Herr! mit diesem Messer habe ich in vergangener Nacht meine Cameraden ermordet, weil sie mit mir um ein junges Affen-Weib Streit anfiengen. Der Weinbeer und Palmen-Safft hatte uns rasend voll gemacht, sie sind beide gestorben, ich aber rase noch, sie sind ihrer grausamen Sünden wegen abgestrafft, ich aber, der ich noch mehr als sie gesündiget habe, erwarte von euch einen tödtlichen Schuss, damit ich meiner Gewissens-Angst auf einmal loss komme.

Ich erstaunete über dergleichen entsetzliche MordGeschicht, hiess ihm das Messer hinweg werffen und näher kommen, allein nachdem er gefragt: Ob ich ihn erschiessen wolle? und ich ihm zur Antwort gegeben: Dass ich meine hände nicht mit seinem Blute besudeln, sondern ihn GOTTES zeitlichen und ewigen Gerichten überlassen wolle; fassete er das lange Messer in seine beiden Fäuste, und stiess sich selbiges mit solcher Gewalt in die Brust hinein, dass der verzweiffelte körper sogleich zur Erden stürtzen und seine schandbare Seele ausblasen muste. Meine verschiedenen Gemüts-Bewegungen presseten mir viele Tränen aus den Augen, ungeachtet ich wohl wuste, dass solche lasterhaffte Personen derselben nicht wert waren, doch machte ich, mit Hülffe meiner beiden Getreuen, sogleich auf der Stelle ein Loch, und scharrete das Aass hinein. Hierauff durchstreifften wir die Ostliche Gegend, und fanden endlich nach langem Suchen die Hütte, worin die beiden Entleibten beisammen lagen, das teufflische Affen-Weib sass zwischen beiden inne, und wolte durchaus nicht von dannen weichen, weswegen ich das schändliche Tier gleich auf der Stelle erschoss, und selbiges in eine Stein-Klufft werffen liess, die beiden ViehischMenschlichen körper aber begrub ich vor der Hütte, zerstörete dieselbe, und nahm die nützlichsten Sachen daraus mit zurück in unsere Hausshaltung. Dieses geschahe in der Weinlese-Zeit im Jahre 1527.

Von nun an führte ich mit meinen beiden Getreuen christlichen Indianern die allerordentlichste LebensArt, denn wir beteten täglich etliche Stunden mit einander, die übrige Zeit aber wurde teils mit nötigen Verrichtungen, teils aber in vergnügter Ruhe zugebracht. Ich merckte an keinen von beiden, dass sie sonderliche Lust hätten, wiedrum zu andern Menschen zu gelangen, und noch vielweniger war eine Begierde zum Frauen-Volck an ihnen zu spüren, sondern sie lebten in ihrer guten Einfalt schlecht und gerecht. Ich vor meine person empfand in meinem herzen den allergrösten Eckel an der Vermischung mit dem Weiblichen Geschlechte, und weil mir ausserdem der Appetit zu aller weltlichen Ehre, Würde, und den darmit verknüpfften Lustbarkeiten vergangen war, so fassete den gäntzlichen Schluss, dass, wenn mich ja der Höchste von dieser Insul hinweg, und etwa an andere christliche Oerter führen würde, daselbst zu seinen Ehren, vermittelst meiner kostbaren Schätze, ein Closter aufzubauen, und darinnen meine Lebens-Zeit in lauter GOttes-Furcht zuzubringen.

Im Jahr Christi 1538. starb auch der ehrliche getauffte Christ, Petrus Gutmann, welchen ich nebst dem Christiano hertzlich beweinete, und ihn aufs ordentlichste zur Erde bestattete. Er war ungefähr etliche 60. Jahr alt worden, und bisshero ganz gesunder natur gewesen, ich glaube aber, dass ihn ein