andern Handschrifften deutlicher beschrieben habe. Nach einem erleidlichen Winter und angenehmen Frühlinge, wurde im Sommer unser Getrayde reiff, welches wir wiewohl nur in weniger Menge einerndten, jedoch nur die probe von dem künftig wohlschmeckenden Brodte machen konnten, weil das meiste zur neuen Aussaat vor 9. Personen nötig war, allein gleich im nächstfolgenden Jahre wurde so viel eingesammlet, dass wir zur Aussaat und dem notdürfftigen Lebens-Unterhalt völlige Genüge hatten.
Mittlerweile war mein Chascal so weit gekommen, dass er nicht allein sehr gut Castilianisch reden, sondern auch von allen christlichen Glaubens-Articuln ziemlich Rede und Antwort geben konte, deswegen nahm ich mir kein Bedencken an diesem abgelegenen Orte einen Apostel abzugeben, und denselben nach Christi Einsetzung zu tauffen, wobei alle meine 5. christlichen gefährten zu Gevattern stunden, er empfieng dabei, wegen seiner besonderen Treuhertzigkeit, den Nahmen Christian Treuhertz. Seine beiden gefährten befanden sich hierdurch dermassen gerühret, dass sie gleichmässigen Unterricht wegen des christentum von mir verlangten, welchen ich ihnen mit grössten Vergnügen gab, und nach Verfluss eines halben Jahres auch beide tauffte, da denn der erstere Petrus Gutmann, der andere aber Paulus Himmelfreund genennet wurde.
In nachfolgenden 3. oder 4. Jahren, befand sich alles bei uns in dermassen ordentlichen und guten stand, dass wir nicht die geringste ursache hatten über appetitliche Lebens-Mittel oder andern Mangel an unentbehrlichen Bedürffnissen zu klagen, ich glaube auch, meine Gefährte würden sich nimermehr aus die ser vergnügenden Landschafft hinweg gesehnet haben: wenn sie nur Hoffnung zur Handlung mit andern Menschen, und vor allen andern Dingen, WeibsLeute, ihr Geschlechte fortzupflantzen, gehabt hätten. Da aber dieses letztere ermangelte, und zu dem erstern sich ganz und gar keine gelegenheit zeigen wolte, indem sie nun schon einige Jahre vergeblich auf vorbeifahrende Schiffe gewartet hatten, gaben mir meine 5. Lands-Leute ziemlich trotzig zu verstehen: dass man Anstalt machen müste ein neues Schiff zu bauen, um damit wiederum eine Fahrt zu andern Christen zu wagen, weil es GOtt unmöglich gefallen könnte, dergleichen kostbare Schätze, als wir besassen, so nachlässiger Weise zu verbergen, und sich ohne eintzigen Heil. Beruff und Trieb selbst in den uneheligen Stand zu verbannen, darbei aber aller christlichen Sacramenten und Kirchen-Gebräuche beraubt zu leben.
ungeachtet nun ich sehr deutlich merckte, dass es ihnen nicht so wohl um die Religion als um die Weiber-Liebe zu tun wäre, so nahm mir doch ein Bedencken ihrem Vorhaben zu widerstreben, zumahlen da sie meinen vernünfftigen Vorstellungen ganz und gar kein Gehör geben wolten. Meine an sie getane fragen aber waren ungefähr folgendes Innhalts: Meine Freunde bedenckt es wohl, sprach ich,
1. Wie wollen wir hiesiges Orts ein tüchtiges
Schiff bauen können, das uns etliche hundert, ja
vielleicht mehr als 1000. Meilen von hier hin
weg führen und alles Ungemach der See ertragen
kan. Wo ist gnugsames Eisenwerck zu Nägeln,
Klammern und dergleichen? Wo ist Pech,
Werck, Tuch, Strickwerck und anders Dinges
mehr, nach Notdurfft anzutreffen?
2. Werden wir nicht GOTT versuchen, wenn wir
uns auf einen übel zugerichteten Schiffe unter
stehen einen so fernen Weg anzutreten, und wer
den wir nicht als Selbst-Mörder zu achten sein,
daferne uns die Gefahr umbringt, worein wir uns
mutwillig begeben?
3. Welcher unter uns weiss die Wege, wo wir hin
gedencken, und wer kan nur sagen in welchem
Teile der Welt wir uns jetzt befinden? auch wie
weit die Reise biss nach Europa ist?
Solche und noch vielmehr dergleichen fragen die von keinem vernünfftig genug beantwortet wurden, dieneten weiter zu nichts, als ihnen Verdruss zu erwekken, und den gefasseten Schluss zu befestigen, deswegen gab ich ihnen in allen Stücken nach, und halff den neuen Schiff-Bau anfangen, welcher langsam und unglücklich genug von statten ging, indem der Indianer Paulus von einem umgehauenen Baume plötzlich erschlagen wurde. Dieser war also der erste welcher allhier von mir begraben wurde.
Im dritten Sommer nach angefangener Arbeit war endlich das Schiff so weit fertig, dass wir selbiges in den Fluss, zwischen denen Felsen, wo es gnugsame Tieffe hatte, einlassen konnten. Weiln aber zwei von meinen Lands-Leuten gefährlich Kranck darnieder zu liegen kamen, wurde die übrige wenige Arbeit, nebst der Einladung der Güter, biss zu ihrer völligen Genesung versparet.
Meine gefährten bezeigten allerseits die gröste Freude über die ihrer Meinung nach wohlgeratene
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Arbeit, allein ich hatte an dem elende Wercke nur allzuviel auszusetzen, und nahm mir nebst meinem getreuen Christian ein billiges Bedencken uns darauff zu wagen, weil ich bei einer so langwierigen Reise dem tod entgegen zu lauffen, ganz gewisse Rechnung machen konte.
Indem aber nicht allein grosse Verdriesslichkeit, sondern vielleicht gar Lebens-Gefahr zu befürchten war, soferne meine gefährten dergleichen gedanken merckten, hielt ich darmit an mich, und nahm mir vor auf andere Mittel zu gedencken, wodurch diese unvernünfftige Schiffahrt rückgängig gemacht werden könnte. Allein das unerforschliche Verhängniss überhob mich dieser Mühe, denn wenig Tage hierauff, erhub sich ein grausamer Sturm zur See, welchen wir von den hohen Felsen-Spitzen mit erstaunen zusahen, jedoch gar bald durch einen ungewöhnlichen hefftigen Regen in unsere Hütten getrieben wurden, da aber bei hereinbrechender Nacht ein jeder im Begriff war, sich zur Ruhe zu begeben, wurde die ganze Insul von einem hefftigen Erdbeben gewaltig erschüttert, worauff ein dumffiges Geprassele folgete, welches binnen einer oder zweier Stunden Zeit noch 5. oder 6. mahl zu hören war