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edlen-Steine mit Gewalt abnehmen und hinweg führen wollen, jedoch, nachdem sie unsere Freund- und Höfflichkeit zur Gnüge verspüret, wurde uns nicht allein mit gleichmässiger Freundlichkeit begegnet, sondern wir hatten gelegenheit, auf dieser Insul erstaunliche Schätze und Kostbarkeiten einzusamlen, wie wir denn auch die an dern nahgelegenen besuchten, und solchergestalt fast mehr zusammen brachten, als unsere Schiffe zu ertragen vermögend waren.1 Meine Leute nahmen sich demnach vor, ein grosses Schiff zu bauen, in welchem wir sämmtlich bei einander bleiben, und unsere Güter desto besser fortbringen könnten, ich selbst sah dieses vor gut an, zumahlen wir nicht allein alle Bedürffnisse dazu vor uns sahen, sondern uns auch der Einwohner redlicher Beihülffe getrösten konnten. Demnach wurden alle hände an das Werck gelegt, welches in kürtzerer Zeit, als ich selbst vermeinte, zum stand gebracht wurde. Die Einwohner selbiger Insuln fuhren zwar selbsten auch in einer Art von Schiffen, die mit Seegeln und Rudern versehen waren, doch verwunderten sie sich ungemein, da das unsere ihnen, auf so sonderbare Art zugerichtet, in die Augen fiel. Wir schenckten ihnen zwei von unsern mit dahin gebrachten Schiffen, nahmen aber das dritte an statt eines Boots mit uns, wie wir denn auch zwei kleine Nachen verfertigten, um selbige auf der Reise nützlich zu gebrauchen.

Nachdem wir uns also mit allen Notdürfftigkeiten wohl beraten hatten, seegelten wir endlich von dannen, und kamen nach einer langweiligen und beschwerlichen Fahrt an ein festes Land, wo wir ausstiegen, und uns abermals mit frischen wasser nebst andern Bedürffnissen versorgen wolten, wurden aber sehr übel empfangen, indem uns gleich andern Tages mehr als 300. wilde Leute ohnversehens überfielen, gleich anfänglich drei der unsern mit Pfeilen erschossen, und noch fünff andere gefährlich verwundeten. Ob nun schon im Gegenteil etliche 20. von unsern Feinden auf dem platz bleiben mussten, so sahen wir uns doch genötiget, aufs eiligste nach unsern Schiffe zurück zu kehren, mit welchen wir etliche Meilen an der Küste hinunter fuhren, und endlich abermals auf einer kleinen Insul anländeten, die zwar nicht mit Menschen, aber doch mit vielerlei Arten von Tieren besetzt war, anbei einen starcken Vorrat an nützlichen Früchten, Wurtzeln und Kräutern zeigte. Allhier hatten wir gute gelegenheit auszuruhen, bis unsere Verwundeten ziemlich geheilet waren, fuhren hernachmahls immer Südwerts von einer Insul zur andern, sahen die Küsten des festen Landes lincker Seits beständig mit sehnlichen Augen an, wolten uns aber dennoch nicht unterstehen, daselbst anzuländen, weiln an dem Leben eines eintzigen Mannes nur allzu viel gelegen war, endlich, nachdem wir viele hundert Meilen an der Land-Seite hinunter geseegelt, liess sich die äuserste Spitze desselben beobachten, um welche wir herum fuhren, und nebst einer kalten und verdrüsslichen Witterung vieles Ungemach auszustehen hatten. Es war leichtlich zu mutmassen, dass allhier ein würckliches Ende des festen Landes der neuen Welt gefunden sei, deswegen machten wir die Rechnung, im Fall uns das Glück bei der Hinauf-Fahrt der andern Seite nicht ungünstiger, als bisshero, sein würde, entweder den rechten Weg nach Darien, oder wohl gar nach Europa zu finden, oder doch wenigstens unterwegs Portugisen anzutreffen, zu welchen wir uns gesellen, und ihres Glücks teilhafftig machen könnten, denn es lehrete uns die Vernunfft, dass die von den Portugisen entdeckte Landschafften unfehlbar auf selbiger Seite liegen müsten. Immittelst war die höchste Not vorhanden, unser Schiff aufs neue auszubessern, und frische LebensMittel anzuschaffen, deswegen wurde eine Landung gewagt, welche nach überstandener gröster Gefahr ein gutes Glücke versprach, daferne wir nicht ursache gehabt hätten, uns vor feindseeligen Menschen und wilden Tieren zu fürchten. Jedoch die allgewaltige Macht des Höchsten, welche aller Menschen herzen nach Willen regieren kan, war uns dermahlen sonderlich geneigt, indem sie uns zu solchen Menschen führte, die, ungeachtet ihrer angebohrnen Wildigkeit, solche Hochachtung gegen uns hegten, und dermassen freundlich aufnahmen, dass wir uns nicht genug darüber verwundern konnten, und binnen wenig Tagen alles Misstrauen gegen dieselben verschwinden liessen. Es war uns allen wenig mehr um Reichtum zu tun, da wir allbereit einen fast unschätzbarn Schatz an lautern Golde, Perlen und Edelgesteinen besassen, bemüheten uns deswegen nur um solche Dinge, die uns auf der vorhabenden langweiligen Reise nützlich sein könnten, welches wir denn alles in kurtzer Zeit gewünscht erlangten.

Die bei uns befindlichen 3. redlichen Indianer machten sich das allergröste Vergnügen, einige wunderbare Meer-Tiere listiger Weise einzufangen, deren Fleisch, Fett und sonderlich die Häute, vortrefflich nutzbar waren, denn aus den letzteren konnten wir schönes Riemen-Werck, wie auch Lederne Koller, Schuhe, Mützen und allerlei ander Zeug verfertigen.

So bald wir demnach nur mit der Ausbesserung und Versorgung des schiffes fertig, dasselbe auch, wo nur Raum übrig, mit lauter nützlichen Sachen angefüllet hatten, traten wir die Reise auf der andern LandSeite an, vermerckten aber gleich anfänglich, dass Wind und Meer allhier nicht so gütig, als bei der vorigen Seite, war. Zwei Wochen aneinander ging es noch ziemlich erträglich, allein, nachher erhub sich ein sehr hefftiger Sturm, der über 9. Tage währete, und bei uns allen die gröste Verwunderung erweckte, dass wir ihm endlich so glücklich entkamen, ungeachtet unser Schiff sehr beschädiget an eine sehr elende Küste getrieben war, wo sich auf viele Meilwegs herum, ausser etlichen unfruchtbaren Bäumen, nicht das geringste von nützlichen Sachen antreffen liess.

Etliche von meinen gefährten streifften dem ungeachtet überall herum, und kamen eines Abends höchst erfreut zurück