Gewehr wusten sich diese Leute nicht den geringsten Begriff zu machen, ungeachtet unsere Indianer ihnen bedeuteten, dass diese Werckzeuge Donner, Blitz und Feuer hervor bringen, auch sogleich tödtliche Wunden machen könnten, da aber einige Tage hernach sich eine ziemliche Menge mittelmässiger Vögel auf einem Baume sehen liessen, von welchen der König Madan in grössester Geschwindigkeit zwei mit einem Pfeile herunter schoss, ergriff ich ihn bei der Hand, nahm meine Flinte, und führte ihn biss auf etliche 30. Schritt, gegen einen andern Baum, auf welchen sich diese Vögel abermals nieder gelassen hatten, und schoss, vermittelst eingeladenen Schrots, auf einmal 6. von diesen Vögeln herunter. Kaum war der Schuss getan, als dieser König nebst allen seinen anwesenden Untertanen plötzlich zu Boden fiel, da sie denn vor Schrecken sich fast in einer halben Stunde nicht wieder erholen konnten. Auf unser freundliches und liebreiches Zureden kamen sie zwar endlich wiederum zu sich selbst, bezeugten aber nach der Zeit eine mit etwas Furcht vermischte Hochachtung vor uns, zumahlen da wir ihnen bei fernerer Bekandtschafft zeigten, wie wir unsere Schwerdter gegen böse Leute und Feinde zu entblössen und zu gebrauchen pflegten.
Immittelst hatten wir gelegenheit, etliche Pfund Gold, das auf eine wunderliche Art zu Halss- und Armbändern, Ringen und Angehencken verarbeitet war, gegen allerhand elende und nichts-würdige Dinge einzutauschen, auch einen starcken Vorrat von gedörreten Fleisch, Fischen, Wurtzeln und andern nahrhafften Früchten einzusammlen. Nachdem wir aber 3. von den allerdicksten Bäumen umgehauen, und in wenig Wochen so viel Schiffe daraus gezimmert, die da weit stärcker als die vorigen, auch mit Seegel-Tüchern von geflochtenen Matten und zusammen gedreheten Bast-Stricken versehen waren, suchten wir mit guter gelegenheit von diesen unsern Wohltätern Abschied zu nehmen, und nach dem Furt St. Michael zurück zu kehren, allein, da meine gefährten von den Einwohnern dieser Insul vernahmen, dass weiter in See hinein viel grössere bewohnte Insuln anzutreffen wären, worin Gold, Edle-Steine, und sönderlich die Perlen in gröster Menge befindlich, gerieten sie auf die Verwegenheit, dieselben aufzusuchen. Ich setzte mich zwar so viel, als möglich, darwieder, indem ich ihnen die gröste Gefahr, worein wir uns begäben, sattsam vorstellete, allein, es halff nichts, ja es trat alsobald einer auf, welcher mit gröster Dreustigkeit sagte: Don Valaro, bedencket doch, dass Valboa nebst unsern andern Cameraden im Meere begraben worden, also dürffen wir uns auf unsere geringen Kräffte so wenig, als auf die ehemahligen Bündnisse und Freundschafft der Indianischen Könige verlassen, welche ohne Zweiffel des Valboa Unglück zeitig genug erfahren haben, diesemnach uns Elenden auch bald abschlachten werden. Lasset uns also viellieber neue Insuln und Menschen aufsuchen, welche von der Grausamkeit und dem Geitze unserer Lands-Leute noch keine Wissenschafft haben, und seid versichert, dass, so ferne wir christlich, ja nur menschlich mit ihnen umgehen werden, ein weit grösseres Glück und Reichtum vor uns aufgehaben sein kan, als wir in den bissherigen Landschafften empfunden haben. Kommen wir aber ja im Sturme um, oder werden ein Schlacht-Opffer vieler Menschen, was ist es mehr? Denn wir müssen eben dergleichen Unglücks auf der Rück-Fahrt nach St. Michael und in den Ländern der falsch-gesinneten Könige gewärtig sein.
Ich wuste wider diese ziemlich vernünfftige und sehr tapffermütige Rede nicht das geringste einzuwenden, weswegen ich dieses mahl meinen gefährten nachgab, und alles zur baldigen Abfahrt veranstalten liess.
Der Abschied von dem König Madan und seinen von natur recht redlichen Untertanen ging mir wahrhafftig ungemein nahe, zumahlen, da dieselben auf die letzte fast mehr Speise-Vorrat herzu brachten, als wir in unsere kleinen Schiffe einladen konnten, einer aber von ihnen, der vom ersten Tage an beständig um mich gewesen war, fing bitterlich zu weinen an, und bat, sonderlich da er vernahm, wie ich auf dem Rückwege allhier wiederum ansprechen wolte, ich möchte ihm vergönnen, dass er mit uns reisen dürffte, welches ich ihm denn auch mit grössten Vergnügen erlaubte. Er war ein Mensch von etwa 24. Jahren, wohl gewachsen und eines recht feinen Ansehens, zumahlen, da er erstlich etliche Kleidungs-Stück auf den Leib bekam, sein Nahme hiess Chascal, welchen ich aber nachher, da er den christlichen Glauben annahm, und von mir die heilige Tauffe empfing, verändert habe.
Solchergestalt fuhren wir mit diesem neuen Wegweiser, der aber wenigen oder gar keinen Verstand von der Schiff-Fahrt hatte, auf und davon, bekamen zwar in etlichen Wochen nichts als Himmel und wasser zu sehen, hatten aber doch wegen des ungemein stillen Wetters eine recht ruhige Fahrt. Endlich gelangeten wir an etliche kleine Insuln, welche zwar sehr schlecht bevölckert, auch nicht allzusehr fruchtbar waren, jedoch hatten wir die Freude, unsere kleinen Schiffe daselbst aufs neue auszubessern, und mit frischen Lebens-Mitteln anzufüllen, biss wir endlich etliche, nahe an einander gelegene grosse Insuln erreichten, und das Hertz fasseten, auf einer der grössten an Land zu steigen.
Hier schienen die Einwohner nicht so guter Art als die vorigen zu sein, allein, unsere 3 Indianischen gefährten leisteten uns bei ihnen recht vortreffliche Dienste, so, dass wir in wenig Tagen mit ihnen allen recht gewünschten Umgang pflegen konnten. Wir erfuhren, dass diese Leute vor wenig Jahren grosse Mühe gehabt, sich einer Art Menschen, die ebenfalls bekleidet gewesen, zu erwehren, indem ihnen selbige die Lebens-Mittel, Gold, Perlen und