, selbiges so wohl als uns auf diese Insul zu führen, deswegen erfreueten wir uns ungemein, als dieselben zwei Tage hernach zu uns kamen, und ihre glückliche Errettungs-Art erzehleten.
Wir blieben demnach beisammen, trockneten unser Pulver, betrachteten den wenigen Speise-Vorrat, brachten alle übrigen Sachen in Ordnung, und fingen hierauf an, die ganze Insul durch zu streiffen, worin wir doch weder Menschen noch Vieh, wohl aber einige Bäume und Stauden antraffen, welche sehr schlecht nahrhaffte Früchte trugen. Demnach mussten wir uns mehrenteils mit Fischen behelffen, welche die beiden Indianer, so sich in unserer Gesellschafft befanden, auf eine weit leichtere und geschwindere Art, als wir, zu fangen wusten. Da aber nach etlichen Tagen das wasser in etwas zu fallen begunte, sammleten wir eine grosse Menge der vortrefflichsten Perlen-Muscheln, die das umgerührte Eingeweide des Abgrundes auf diese Insul auszuspeien gezwungen worden. Ich selbst habe an diesem Orte 34. Stück Perlen von solcher Grösse ausgenommen, und mit anhero gebracht, dergleichen ich vorher noch nie gesehen oder beschreiben hören, doch nach der Zeit habe auf andern Inseln noch mehr dergleichen, ja teils noch weit grössere gesammlet, welche derjenige, so diese meine Schrifft am ersten zu lesen bekommt, unfehlbar finden wird.
Jedoch meinen damahligen Glücks- und UnglücksWechsel zu folgen, ersahe einer von unsern Indianern, der ein ganz ungewöhnlich scharffes gesicht hatte, Süd-Westwerts eine andere Insul, und weiln wir daselbst einen bessern Speise-Vorrat anzutreffen verhofften, wurden unsere kleinen Schiffe bei damahligen stillen Wetter, so gut als möglich, zugerichtet, so, dass wir einsteigen, und besagte Insul nach dreien Tagen mit abermahliger gröster Lebens-Gefahr erreichen konnten. Uber alles Vermuten traffen wir auch daselbst ein kleines Schiff an, welches das wütende Meer mit 11. unserer Mit-Gesellen dahin geworffen hatte. Die Freuden- und Jammer-Tränen lieffen häuffig aus unsern Augen, ersten teils wegen dieser glücklichen Zusammenkunfft, andern teils darum, weil uns die letzteren berichteten, dass Valboa nebst den übrigen ohnmöglich noch am Leben sein könnte, weil sie ingesammt durch den Sturm auf die gefährlichste und fürchterlichste Meeres-Höhe getrieben worden, wo weit und breit keine Insuln, wohl aber bei hellen Wetter erschröckliche aus dem wasser hervor ragende Felsen und Klippen zu sehen wären. Im übrigen war diese Insul so wenig als unsere vorige mit Menschen besetzt, jedoch liessen sich etliche vierfüssige Tiere sehen, welche teils den Europäischen Füchsen, teils aber den wilden Katzen gleichten. Wir nahmen uns kein Bedencken, dieselben zu schiessen, und als vortreffliche Lecker-Bissen zu verzehren, wobei wir eine gewisse Wurtzel, die unsere Indianer in ziemlicher Menge fanden, an statt des Brodts gebrauchten. Nechst diesen liessen sich auch etliche Vögel sehen, die wir ebenfalls schossen, und mit grössten Appetit verzehreten, anbei das Fleisch der vierfüssigen Tiere dörreten, und auf den Notfall spareten.
Ich konte meine gefährten, ungeachtet sie mich einhellig vor ihr Ober-Haupt erkläreten, durchaus nicht bereden, die Rück-Fahrt nach St. Michaël vorzunehmen, weil ihnen allezeit ein Grausen ankam, so offt sie an die gefährlichen Klippen und stürmende See gedachten, deswegen fuhren wir immer gerades Weges vor uns von einer kleinen Insul zur andern, biss uns endlich das Glück auf eine ziemlich grosse führte, die mit Menschen besetzt war. Selbige kamen häuffig herzu, und sahen uns Elenden, die wir durch 19. Schiff-Fahrt ganz krafftloss und ziemlich ausgehungert waren, mit gröster Verwunderung zu land steigen, machten aber dieserwegen nicht die geringste grimmige Gebärde, sondern hätten uns vielleicht gar als Götter angebetet, wenn unsere zwei Indianer ihnen nicht bedeutet hätten, dass wir arme verirrete Menschen wären, die lauter Liebe und Freundschafft gegen sie bezeugen würden, woferne man uns nur erlaubte, allhier auszuruhen, und unsere hungerigen Magen mit einigen Früchten zu befriedigen. Ob nun schon die Einwohner der unsern Sprache nicht völlig verstunden, sondern das meiste durch Zeichen erraten mussten, so erzeigten sich dieselben doch dermassen gefällig, dass wir an ihren natürlichen Wesen noch zur Zeit nicht das geringste auszusetzen fanden. Sie brachten uns gedörretes Fleisch und Fische, nebst etlichen aus Wurtzel-Mehl gebackenen Brodten herzu, wovor wir die gläsernen und messingenen Knöpffe unter sie teileten, so wir an unsern Kleidern trugen, indem dergleichen schlechte Sachen von ihnen ungemein hoch geschätzt, und mit erstaunlicher Freude angenommen wurden. Gegen Abend kam ihr König, welcher Madan genennet wurde, zu uns, dieser trug einen Schurtz von bunten Federn um den Leib, wie auch dergleichen Crone auf dem haupt, führte einen starcken Bogen in der rechte Hand, in der lincken aber einen höltzernen Wurff-Spiess, wie auch einen Köcher mit Pfeilen auf dem rücken. Ich hatte das Glück, ihm ein höchst angenehmes Geschenck zu überreichen, welches in einem ziemlich grossen Taschen-Messer, einem Feuer-Stahl und zweien FlintenSteinen bestund, und habe niemals bei einer lebendigen Creatur grössere Verwunderung gespüret, als sich bei diesem Menschen zeigte, so bald er nur den Nutzen und Krafft dieses Werckzeugs erfuhr. Er bekam über dieses noch ein Hand-Beil von mir, dessen vortreffliche Tugenden ihn vollends dahin bewegten, dass uns alles, was wir nur anzeigen konnten, gereicht und verwilliget wurde. Demnach baueten meine gefährten ohnfern vom Meer-Ufer etliche Hütten auf, worin 4. 5. oder 6. Personen bequemlich beisammen ruhen, und den häuffig herzu gebrachten SpeiseVorrat verzehren konnten. Von unsern Schiess-