geraten worden, diesen Zug mit nicht weniger als 1000. Mann zu wagen, indem er daselbst ungemein streitbare Völcker antreffen würde.
Es war der 4te Sept. 1513. da wir mit 3. grossen und 10. sehr kleinen Schiffen abseegelten, und zum erstenmahle wiederum bei des Coibanischen Königs Caretæ Landschafft anländeten. Hieselbst liess Valboa die Schiffe nebst einer Besatzung zurück, wir aber zogen 170. Mann stark fort, und wurden von des Caretæ uns zugegebenen Wegweisern in des Ponchæ Königreich geführt, welchen wir, nachdem er unsern ehemaligen Zuspruch erwogen, endlich mit grosser Mühe zum Freunde und Bundsgenossen bekamen. nachher haben wir viele andere Könige, als den Qvarequa, Chiapes, Coquera und andere mehr, teils mit Güte und Liebe, teils aber auch mit Gewalt zum Gehorsam gebracht, mittlerweile aber am 18. October desselbigen Jahres das Mittägliche Meer erfunden, und um selbige Gegend einen erstaunlichen Schatz an Gold und Edel-Steinen zusammen gebracht.
Bei so glückseeligen Fortgange unseres Vorhabens, bezeigte sich Valboa dermassen danckbar gegen GOTT und seine gefährten, dass kein eintziger ursache hatte über ihn zu klagen. Eines Tages aber, da er mich an einem einsamen Orte ziemlich betrübt und in gedanken vertiefft antraff, umarmete er mich mit ganz besonderer Freundlichkeit und sagte: Wie so unvergnügt mein allerbester Hertzens-Freund, fehlet euch etwa Gesundheit, so habe ich ursache euch zu beklagen, sonsten aber wo Gold, Perlen und edle Steine euren Kummer zu stillen vermögend sind, stehet euch von meinem Anteil so viel zu diensten als ihr verlanget. Ich gab ihm hierauff zu verstehen: dass ich an dergleichen Kostbarkeiten selbst allbereit mehr gesammlet, als ich bedürfte, und mich wenigstens 5. mahl reicher schätzen könnte als ich vor dem in Castilien gewesen. Allein mein jetziges Missvergnügen rühre von nichts anders her, als dass ich mich vor der Ankunfft meines abgesagten Feindes, des Don Pedro de Arias fürchtete, und indem ich noch zur Zeit von dem Könige Ferdinando keinen Pardon Brief aufzuweisen hätte, würde mir derselbe allen ersinnlichen Tort antun, und wenigstens verhindern, dass ich auch in dieser neuen Welt weder zu Ehren noch zur Ruhe kommen könnte. Valboa fing hierüber an zu lachen und sagte: Habt ihr sonst keine sorge, mein wertester Freund, so entschlaget euch nur auf einmal aller Grillen, und glaubet sicherlich, dass es nunmehr mit uns allen beiden keine Not habe, denn diejenigen Dienste, so wir dem Könige durch Erfindung dieses Mittägigen Meeres und der Gold-reichen Länder geleistet haben, werden schon würdig sein, dass er uns alle beide, jedweden mit einem ansehnlichen Gouvernement, in diesen Landschafften begabet, welche binnen wenig Jahren also einzurichten sind, dass wir unsere übrige Lebens-Zeit vergnügter darinnen zubringen können, als in Castilien selbst. Es sei euch, fuhr er fort, im Vertrauen gesagt, dass ich in kurtzer Zeit selbst eine Reise nach Spanien zu tun willens bin, allda sollen mir eure Sachen noch mehr angelegen sein, als die meinigen, solchergestalt zweiffele auch im geringsten nicht, euer und mein Glücke zu befestigen.
Diese wohlklingenden Zuredungen machten mein Gemüte auf einmal höchst vergnügt, so, dass ich den Valboa umarmete, mich vor seine gute Vorsorge im Voraus hertzlich bedanckte, und versprach, Zeit Lebens sein getreuer Freund und Diener zu verbleiben. Er entdeckte mir hierauf, wie er nur noch willens sei, den Mittägigen Meer-Busen, welchen er St. Michael genennet hatte, nebst den so reich beschriebenen Perlen-Insuln auszukundschafften, nachher aber so gleich die Rück-Reise nach Uraba anzutreten, welches Vorhaben ich nicht allein vor billig erachtete, sondern auch alles mit ihm zu unternehmen versprach.
Dieser Meer-Busen sollte sich, des Indianischen Königs Chiapes Aussage nach, 160. Meilen weit von dem festen land biss zu dem äusersten MeeresSchlunde erstrecken. deswegen wurde bald Anstalt gemacht, diese Fahrt anzutreten, und ungeachtet der König Chiapes dieselbe hefftig widerriet, indem er angemerckt hatte, dass um diese Zeit zwei bis drei Monate nach einander die See entsetzlich zu stürmen und zu wüten pflegte, so wolte doch Valboa hiervon im geringsten nicht abstehen, sondern liess etliche Indianische kleine Schifflein zurechte machen, in welche wir uns mit etliche 80. der mutigsten KriegsLeute setzten, und von dannen seegelten.
Allein, nunmehr hatte das unerforschliche Verhängniss beschlossen, mich vor dissmahl nicht allein von dem Valboa, sondern nach etlichen Jahren auch von aller andern menschlichen Gesellschafft abzusondern, denn wenige Tage nach unserer Abfahrt entstund ein entsetzlicher Sturm, welcher die kleinen Schifflein aus einander jagte, und unter andern auch das meinige, worauf ich nebst 9. krieges-Leuten sass, in den Abgrund des Meeres zu versencken drohete. Indem nun kein Mittel zu erfinden war, dem jämmerlichen Verderben zu entgehen, überliessen wir uns gänzlich den unbarmhertzigen Fluten, und suchten allein bei GOtt in jenem Leben Gnade zu erlangen, weil er uns selbige in diesen zeitlichen abzuschlagen schien. Jedoch, nachdem wir noch zwei Tage und Nacht recht wunderbarer Weise bald in die erstaunlichste Höhe, bald aber in grausame Abgründe zwischen Flut und Wellen hin verschlagen und fortgetrieben worden, warffen uns endlich die ergrimmten Wellen auf eine halb überschwemmte Insul, die zwar vor das jämmerliche Ertrincken ziemliche Sicherheit versprach, jedoch wenig fruchtbare Bäume oder andere Lebens-Mittel zeigte, womit wir bei etwa langweiligen Aufentalt, unsern Hunger stillen könnten.
Es war das Glück noch einem unserer Fahrzeuge, worauf sich 8. von unsern krieges-Leuten nebst zweien Indianern befanden, eben so günstig gewesen