, über Hispaniolam nach Spanien zu seegeln abgefertiget hatten.
In diesem Mittägigen land traffen wir etliche Häuser an, aus welchen ein kleiner König Dabaiba genannt, nebst seinen Hof-Gesinde und Untertanen entflohen war, und wenig Lebens-Mittel, allein sehr viel haus-Geräte, Waffen, auch etliche Pfund gearbeitetes Gold zurück gelassen hatte. Auf der weitern Fahrt brachte uns ein gewaltiger Sturm um 3. Schiffe, welche mit Volck und allen Geräte zu grund gingen.
So bald wir mit Kummer und Not zu land kamen, wurde der König Abenamacheius angegriffen, dessen Hof-Lager in mehr als 500. wohlgebaueten Hütten bestand. Er wolte mit den Seinigen die Flucht nehmen, muste aber endlich Stand halten, und sich nach einer blutigen Schlacht nebst seinen besten Leuten gefangen geben. Dieser König hatte in der Schlacht einem von unsern krieges-Leuten eine leichte Wunde angebracht, welches dem Lotter-Buben dermassen verdross, dass er ihm, da er doch schon unser Gefangener war, so schändlich als geschwind einen Arm vom leib herunter hieb. Weil aber diese Tat dem Valboa hefftig verdross, wurde dieser Knecht fast biss auf den tod zerprügelt.
Nach diesem erlangten Siege und herrlicher Beute, führte uns ein nackender Indianer in die grosse Landschafft des Königs Abibeiba, der seine Residenz auf einem sehr hohen und dicken Baume aufgebauet hatte, indem er wegen öffterer Wassergüsse nicht wohl auf dem Erdboden wohnen konte. Dieser König wolte sich weder durch Bitten noch durch Droh-Worte bewegen lassen von diesem hohen Gebäude herab zu steigen, so bald aber die Unsern einen Anfang machten den Baum umzuhauen, kam er nebst zweien Söhnen herunter, und liess seine übrigen Hof-Bedienten in der Höhe zurück. Wir machten Friede und Bündniss mit ihm, und begehrten eine billige Schatzung an Lebens-Mitteln und Golde geliefert zu haben, indem er nun wegen des letzteren seinen sonderlichen Mangel vorgeschützt, gleichwohl aber nur desto hefftiger angestrenget wurde etliche Pfund zu verschaffen, versprach er nebst etlichen seiner Leute auszugehen, und uns binnen 6. Tagen mehr zu bringen als wir verlangt hätten. Allein er ist darvon gegangen und nachher niemals wiederum vor unsere Augen gekommen, nachdem wir uns also von ihm betrogen gesehen, wurde aller Vorrat von Speise, Wein und anderen guten Sachen hinweg geraubt, wodurch unsere ermatteten Leiber nicht wenig erquickt und geschickt gemacht wurden, eine fernere mühsame Reise anzutreten.
Mittlerweile hatten sich 5. Könige, nämlich letztgemeldter Abiebaiba, Cemacchus, Abraibes, dessen Schwager Abenamacheius und Dabaiba zusammen verschworen, uns mit zusamen gesetzten Kräfften plötzlich zu überfallen und gänzlich zu vertilgen, jedoch zu allem Glücke hatte Valboa eine ausserordentlich schöne Jungfrau unter seinen gefangenen WeibsBildern, welche er vor allen andern hertzlich liebte, diese hatte solchen Blut-Rat von ihrem leiblichen Bruder nicht so bald ausgeforschet, als sie von der getreuen Liebe getrieben wurde dem Valboa alle wider ihn gemachten Anschläge zu offenbahren. Dieser teilete sogleich sein Volck in zwei Hauffen, er selbst ging nebst mir und etliche 70. Mann auf die verteileten Hauffen der versammleten Indianer loss, zerstreuete dieselben und bekam sehr viele von der Könige Bedienten gefangen, die wir mit zurück in unser Lager führeten, Don Colmenarez aber muste mit 4. Schiffen auf den Flecken Tirichi loss gehen, wo er so glücklich war denselben unvermutet zu überfallen, und der Indianer ganze krieges-Rüstung, die daselbst zusammen gebracht war zu zernichten, auch eine grosse Beute an Proviant, Gold, Wein und andern brauchbaren Gerätschafften zu machen. Uber dieses hat er allen Aufrührern und Feinden ein entsetzliches Schrecken eingejagt, indem der oberste Feld-Herr an einen Baum gehenckt und mit Pfeilen durchschossen, nechst dem noch andere Indianische Befehlshaber andern zum Beispiele aufs grausamste hingerichtet worden.
Solchergestallt verkehrte sich alle bissherige Gefahr, Unruhe und kümmerliches Leben auf einmal, in lauter Friede, Ruhe, Wollust und Freude, denn da sich nachher die vornehmsten Aufrüher gutwillig unter des Valboa Gehorsam begaben, liess er einen allgemeinen Frieden uñ Vergebung aller vorhergegangenen Widerspenstigkeit halber, ausruffen, sein Volck aber auf so vieles ausgestandenes Ungemach eine Zeitlang der Ruhe geniessen.
Hierauff nahmen wir unsern Rück-Weg nach der Urabanischen Landschafft, wo nach vielen Beratschlagungen endlich beschlossen wurde, dass Don Rodriguez Colmenarez nebst dem Don Juan de Quicedo nach Hispaniolam, und von dar zum Könige von Castilien abgesandt werden sollten, um an beiden Orten ordentlichen Bericht von unsern sieghafften begebenheiten abzustatten, und die Sachen dahin zu veranstallten, dass wir mit etwa 1000. Mann und allen Zubehör verstärckt, den Zug in die Goldreichen Landschafften gegen Mittag sicher unternehmen, und dieselben unter des Königs in Castilien Botmässigkeit bringen könnten, denn Valdivia und Zamudio wolten nicht wieder zum vorscheine kommen, woraus zu schliessen war, dass sie etwa auf der See verunglückt sein möchten. Demnach gingen Colmenarez und Quicedo im October 1512. unter Seegel, nachdem sie versprochen keine Zeit zu versäumen, sich so bald als nur möglich wiederum auf den Urabanischen Küsten einzustellen. Allein da Valboa dieser beider Männer Zurückkunfft nunmehr fast 11. monat vergeblich abgewartet, und in Erfahrung brachte, dass Don Pedro de Arias, ehestens als Königlicher Gouverneur über die Urabanische und angräntzende Landschafften bei uns eintreffen würde, trieb ihn so wohl die allbereits erlangte Ehre, als Verlangen die Mittäglichen Goldreichen Länder zu erfinden, so weit, dass er mit den Ober-Häuptern der Landschafften zu Rate ging, und den gefährlichen Zug dahin mit etwa 200. KriegsLeuten vornahm, ungeachtet ihm nicht allein von des Comogri Sohne, sondern auch von den andern Indianischen Königen