unbarmhertziger weise, ohne Proviant, als einen Hund aus derselbigen Gegend jagten.
Ich habe nach Verfluss einiger Monate etliche von seinen gefährten auf der Zorobarer Landschafft angetroffen, welche mich berichteten, dass er nahe bei dem Flusse, nebst etlichen der Seinen, von den Indianern sei erschlagen und gefressen worden, weswegen sie auch diesen Fluss Rio de los perditos, auf Teutsch den Fluss des Verderbens nenneten, und mir einen Baum zeigten, in dessen glatte Rinde diese Lateinischen Worte geschnitten waren: Hic misero errore fessus, DIDACUS NIQVESA infelix periit. Zu Teutsch: Hier ist der vom elenden herum schweiffen ermüdete, und unglückliche Didacus Niqvesa umgekommen.
Jedoch ich erinnere mich, um bei meiner Geschichts-Erzehlung eine richtige Ordnung zu halten, dass wir nach des Niqvesa Vertreibung abermals den grössten Kummer, Not und Hunger leiden mussten, indem des Colmenarez dahin gebrachter Proviant gar bald auffgezehret war, so dass wir als wilde Menschen, ja als hungerige Wölffe überall herum lieffen, und alles hinweg raubten was nur in den nächst gelegenen Landschafften anzutreffen war.
Endlich nachdem Valboa einen Anhang von mehr als 150. der ausserlesensten krieges-Leute beisammen hatte, gab er öffentlich zu verstehen, dass er nunmehr, da der Gouverneur Hojez allem vermuten nach umgekommen, unter keines andern Menschen Commando stehen wolle, als welcher ein eigen Diploma von dem Könige selbst aufzuweisen hätte. Anciso hingegen trotzete auf sein oberstes GerichtsPræsidenten-Ammt, weiln aber sein Beglaubigungs Brief vielleicht im letzteren Schiffbruche mit versunkken war, oder er nach vieler anderer Meinung wohl gar keinen gehabt hatte, fand Valboa desto mehr ursache sich demselben nicht zu unterwerffen, und so bald Anciso sein Ansehen mit Gewalt zu behaupten mine machte, überfiel ihn Valboa plötzlich, liess den Prahlhafften Geitzhals in Ketten und Banden legen, und teilete dessen Gold und Güter der Königlichen Cammer zu. Jedoch nachdem ich und andere gute Freunde dem Valboa sein allzuhitziges Verfahren glimpfflich vorstelleten, besann er sich bald eines andern, bereuete seine jachzornige Strengigkeit, stellte den Anciso wiederum auf freien Fuss, gab ihm sein Gold und Güter ohne Verzug zurück, und hätte sich unfehlbar gänzlich mit Anciso ausgesöhnet, wenn derselbe nicht allzurachgierig gewesen wäre. Wenig Tage hernach seegelte Anciso mit seinen Anhängern von uns hinweg und hinterliess die Drohungen, sich in Castilien, bei dem Könige selbst, über den Valboa zu beklagen, jedoch dieser letztere kehrete sich an nichts, sondern brachte sein sämtliches krieges-Volck in behörige Ordnung, setzte ihnen gewisse Befehlshaber, auf deren Treue er sich verlassen konte, als worunter sich nebst mir auch Don Rodriguez Colmenarez befand, und fing alsobald an sein und unser aller Glück mit rechten Ernste zu suchen.
Coiba war die erste Landschafft, welche von uns angegriffen wurde, und deren König Careta, als er sich mit dem Mangel entschuldigte, Proviant und andere Bedürffnissen herzugeben, muste sich nebst Weib, Kindern und allem Hof-Gesinde nach Darien abführen lassen.
Mittlerzeit sah Valboa so wohl als alle andern vor nötig an, den Valdivia und Zamudio nach Hispaniola zu senden, deren der erstere bei dem Ober-Admiral, Don Didaco Columbo, und andern Regenten dieser land, den Valboa bestens recommandiren, und um schleunige Bei-Hülffe mit Proviant und andern Bedürffnissen bitten sollte, Zamudio aber war befehligt eiligst nach Castilien zu seegeln, und des Valboa mit Anciso gehabten Händel bei dem Könige aufs eiffrigste zu verteidigen. Inzwischen wurde der Coibanische König Careta wieder auf freien Fuss gestellet, jedoch unter den Bedingungen, dass er nicht allein unser krieges-Volck nach möglichkeit mit Speise und Tranck versehen, sondern auch dem Valboa in dem krieges-zug, wider den benachbarten König Poncha, beistehen, und die rechten Wege zeigen sollte.
Indem nun Careta mit diesem seinen ärgsten Feinde Poncha beständig Krieg geführt, und von ihm sehr in die Enge getrieben worden, nahm er diese gelegenheit sich einmal zu rächen mit Freuden an, zog mit seinen Untertanen, welche mit langen höltzernen Schwerdtern und sehr spitzigen Wurff-Spiessen bewaffnet waren, stets voraus, um den Poncha unversehens zu überfallen. Allein dieser hatte dennoch unsern Anzug bei zeiten ausgekundschafft und dieserwegen die Flucht ergriffen, dem ungeachtet fanden wir daselbst einen starcken Vorrat an Lebens-Mitteln und andern trefflichen Sachen, wie nicht weniger etliche 30. Pfund feines Goldes.
Nach diesem glücklichen Streiche wurde der König Comogrus überfallen, mit welchen wir aber auf des Königs Caretæ Unterhandlung Bündniss und Friede machten. Dieser Comogrus hatte 7. wohlgestallte Söhne, von welchen der Aelteste ein Mensch von ganz besonderen verstand war, und nicht allein vieles Gold und Kleinodien unter uns austeilete, sondern auch Anschläge gab, wo wir dergleichen köstliche Waaren im überflusse antreffen könnten.
Es liess sich der König Comogrus mit seiner ganzen Familie zum christlichen Glauben bereden, weswegen er in der Tauffe den Nahmen Carolus empfieng, nachdem aber das Bündniss und Freundschafft mit ihm auf solche Art desto fester geschlossen worden, nahmen wir unsern Rückweg nach Antiquam Darienis, wo der Valdivia zwar wiederum aus Hispaniola angelangt war, jedoch sehr wenig Proviant, hergegen starcke Hoffnung mit sich brachte, dass wir ehestens alles Benötigte in desto grösserer Menge empfangen sollten.
Das Elend wurde also abermals sehr gross, dazumahlen unsere Erndte durch ungewöhnlich starcke wasser-Fluten verderbt, alle um und neben uns liegende Landschafften aber ausgezehret waren, deswegen trieb uns die Not mit grosser Gefahr in das Mittel-Land hinein, nachdem wir am 9ten December des Jahrs 1511. den Valdivia mit vielen Gold und Schätzen, die vor den König Ferdinandum gesammlet waren