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Besatzung bliebe.

Demnach richteten wir unsern Lauff dahin, allein es schien als ob das Glück allen unsern Anschlägen zuwider wäre, denn als des Anciso allerbestes Schiff in den etwas engen Hafen einlauffen wolte, ginge selbiges durch Unvorsichtigkeit des Steuer-Manns zu scheitern, so dass aller Proviant, krieges-Geräte, Gold, Kleinodien, Pferde und andere Tiere zu grund sincken, die Menschen aber sehr kümmerlich ihr Leben retten mussten, welches wir doch ingesammt, wegen Mangel der nötigen Lebens-Mittel und anderer Bedürffnissen ehestens zu verlieren, fast sichere Rechnung machen konnten.

Endlich, nachdem wir uns etliche Tage mit Wurtzeln, Kräutern, auch elenden saueren Baum Früchten des Hungers erwehret, wurde beschlossen etwas tieffer ins Land hinein zu rücken, und viellieber Heldenmütig zu sterben, als so schändlich und verächtlich zu leben, allein da wir kaum 4. Meilen weges zurück gelegt, begegnete uns eine erstaunliche Menge wohl bewaffneter Indianer, die den tapfern Vorsatz alsobald zernichteten, und uns über Halss und Kopf, mit ihren vergiffteten Pfeilen, an das Gestade des Meeres, wo unsere Schiffe stunden, wieder rückwarts jagten.

Die Bekümmerniss über diesen abermahligen Unglücks-Fall war dennoch nicht so gross als die Freude, so uns von einigen gefangenen Indianern gemacht wurde, welche berichteten, dass oberhalb, dieses Meer-Busens eine Landschafft läge, die an Früchten und allen notdürfftigen Lebens-Mitteln alles im grössten Uberflusse hervor brächte. Don Anciso sah sich also gezwungen, uns dahin zu führen. Die dasigen Einwohner hielten sich anfänglich ziemlich ruhig, so bald wir aber anfiengen in diesem gesegneten land Häuser aufzubauen, und unsere Wirtschafft ordentlich einzurichten, brach der König Comaccus mit seinen Untertanen auf, und versuchte, uns frembde Gäste aus dem land zu jagen. Es kam solchergestallt zu einem grausamen Treffen, welches einen ganzen Tag hindurch und bis in die späte Nacht währete, jedoch wir erhielten den Sieg, jagten den zerstreueten Feinden aller Orten nach, und machten alles, was lebendig angetroffen wurde, aufs grausamste darnieder.

nunmehr fand sich nicht allein ein starcker Uberfluss an Brod, Früchten, Wurtzeln und andern notwendigen Sachen, sondern über dieses in den Gepüschen und sümpffichten Oertern der Flüsse, über drittehalb tausend Pfund gediehen Gold, nebst Leinwand, Bett-Decken, allerlei metallenes, auch irrdenes und höltzernes Geschirr und Fässer, welches der König Comaccus unsertwegen dahin verstecken und vergraben lassen. Allhier liess Don Anciso nachher eine Stadt und Kirche, welch er Antiqua Darienis nennete, aufbauen, und solches tat er wegen eines Gelübdes, so er der sancta Maria Antiqua die zu Sevillen sonderlich verehret wird, noch vor der Schlacht versprochen hatte. Mittlerzeit liess Don Anciso unsere zurück gelassenen Leute, in zweien Schiffen herbei holen, unter welchen sich auch mein besonderer Freund, der Hauptmann Don Vasco Nunez di Valboa befand, welcher nunmehr an der, von einem vergiffteten Pfeile empfangenen Wunde wiederum völlig hergestellet war. Da es nun wegen der erbeuteten Güter zur behörigen Teilung kommen sollte, und ein jeder vermerckte, wie Don Anciso als ein eigennütziger Geitzhals überaus unbillig handelte, indem er sich selbst weit grössere Schätze zueignete, als ihm von rechts wegen zukamen, entstund dieserwegen unter dem KriegsVolcke erstlich ein heimliches Gemurmele, welches hernach zu einem öffentlichen Auffruhr ausschlug, da sich die besten Leute an den Don Valbao henckten, und ihn zu ihren Ober-Haupt und Beschützer aufwarffen. Des Don Anciso Anhang gab zwar dem Valboa Schuld: dass er von natur ein auffrührischer und unnützer Mensch sei, dessen Regiersucht nur allerlei Unglück anzustifften trachte; Allein so viel ich die ganze Zeit meines Umgangs bei ihm gemerckt, war er ein Mann von besonderer Hertzhafftigkeit, der sich vor niemanden scheute, und deswegen das Unrecht, so ihm und den Seinigen geschahe, unmöglich verschmertzen konte, hergegen selbiges auf alle erlaubte Art zu rächen suchte, wiewohl er hierbei niemals den Respect und Vorteil des Königs in Castilien aus den Augen setzte.

In diesem Lermen kam Don Roderiguez Colmenarez mit zweien Schiffen aus Hispaniola zu uns, welche nicht allein mit frischen krieges-Volck, sondern auch vielen Proviant beladen waren. Dieser vermeinete den Hojez allhier anzutreffen, von dem er erfahren, dass er nebst seinem Volck in grosser Angst und Nöten steckte, fand aber alles sehr verwirrt, indem sich Anciso und Valboa um die Ober-Herrschafft stritten, und jeder seinen besonderen Anhang hatte. Um nun einen fernern Streit und endliches Blutvergiessen zu verhüten, schiffte Colmenarez zurück, seinen Vettern Don Didaco de Niquesa herbei zu bringen, welcher die streitenden Parteien aus einander setzen, und das Ober-Commando über die andern alle annehmen sollte.

Colmenarez war so glücklich den Niqvesa eben zu rechter Zeit anzutreffen, und zwar in der Gegend die von ihm selbst Nomen Dei benahmt worden, wo der arme Niqvesa nackend und bloss, nebst seinen Leuten halb tot gehungert, herum irrete. Jedoch nachdem ihn Colmenarez nebst 75. Castilianern zu Schiffe und auf die rechte Strasse gebracht, kam er unverhofft bei uns in Antiqua Darienis an. Hieselbst war er kaum an Land gestiegen, als es lautbar wurde, wie schmählich und schimpflich er so wohl von Anciso als Valboa geredet, und gedrohet, diese beiden nebst andern Haupt-Leuten, teils ihrer Aemter und Würden zu entsetzen, teils aber um Gold und Geld aufs schärffste zu bestraffen. Allein eben diese Drohungen gereichten zu seinem allergrösten Unglücke, denn es wurden solchergestalt beide Teile gegen ihn erbittert, so dass sie den armen Niquesa nebst seinen Leuten wieder zurück in sein Schiff, und